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Der „finocchi“-Eklat

Der Bozner Lega-Gemeinderat Kurt Pancheri leistet sich im Gemeinderat eine homophobe Entgleisung. Er spricht von „associazioni di finocchi“. Die Homosexuellen-Vereinigung Centaurus prüft eine Strafanzeige.

von Thomas Vikoler

Er zweifelt einen Augenblick, ob er das Wort verwenden soll oder nicht. Dann spricht er es aus „quelli lì…finocchi“. Und fügt hinzu: „Das darf man doch sagen, nicht?“

Der Mann, der dies am Donnerstagabend im Bozner Gemeinderat aussprach, ist Kurt Pancheri, Fraktionssprecher der Lega. Er sieht sich nun, zu Recht, dem Vorwurf der Homophobie ausgesetzt.

Eigentlich diskutierte der Bozner Gemeinderat über eine vom Stadtrat vorgelegtes Reglement gegen sexistische Werbung auf öffentlichen Plakatwänden aus. Die Rechts-Opposition, zu der im Bozner Rat auch die Lega gehört, hält das Reglement zu sehr auf den Schutz von Frauen zentriert. Und forderte in einem Abänderungsantrag, dass Gewalt allgemein von Plakatwänden verbannt werden müsse.

Der Antrag wurde abgelehnt.

Um in diesem Zusammenhang die „traditionelle“ und somit heterosexuelle Familie zu verteidigen (im Regierungsprogramm SVP-Lega wird sie umschreibend als „unschätzbares Gut“ festgehalten), führte Lega-Fraktionssprecher Pancheri ein Beispiel auf. Den Werbespot der Firma Barilla mit dem Slogan „dove c’è Barilla c’è casa” und den Bildern einer Familie, welcher von Homosexuellen-Organisationen kritisiert worden sei.

Das Wort Homosexuellen-Organisationen verwendete der Leghista allerdings nicht. Er sprach, nach einigem Zögern, von „associazioni di finocchi“.

Kurt Pancheri und Andreas Unterkircher (kl. Bild)

Ein im Italienischen eindeutig beleidigenes Wort, das (möglicherweise) auf Homosexuellen-Verbrennungen im Mittelalter zurückgeht. Die Schaulustigen haben demnach als Gewürz Fenchel-Samen in das Feuer geworfen.

Die Aussagen Pancheris sind auf dem Video von der Ratssitzung festgehalten. Dort zu hören sind auch interessante Zwischenrufe: Einige Räte, die bei Verwendung des Wortes „finocchio“ laut werden, und Gemeinderatspräsident Silvano Baratta, der den Redner ermahnt: „Wir sprechen hier über die Familie, nicht über Gemüse“.

Pancheri selbst steht zu seiner Wortwahl: „Mir ist der andere mögliche Namen nicht eingefallen, aus meiner Sicht ist der Begriff aber nicht beleidigend. Der Politiker Vittorio Sgarbi hat das jüngst im Fernsehen ebenfalls gesagt“.

LESEN SIE AM SAMSTAG IN DER PRINT-AUSGABE:

  • Wie die Bozner Homosexuellen-Vereinigung Centaurus auf Pancheris Aussagen reagiert.
Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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