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„Tourismus soll Position beziehen“

Foto: Valentin Platzgummer

Der Bauernbund hat auf einer Informationsveranstaltung in Terlan zum Wolf erneut ein wolfs- und bärenfreies Südtirol gefordert – und mehr Unterstützung durch den Tourismus.

Der Südtiroler Bauernbund macht weiter mobil gegen den Wolf. Auf einer Informationsveranstaltung in Terlan zum Wolf wurde erneut ein wolfs- und bärenfreies Südtirol gefordert. Das Großraubwild und die traditionelle Almwirtschaft seien nämlich nicht miteinander vereinbar.

Dass ein wolfsfreies Land keine Utopie sei, zeige sich in anderen Ländern. Schnelle Lösungen werde es aber nicht geben, hieß es auf der Tagung.

Doch der Reihe nach:

Zwischen Verärgerung, Verängstigung und teilweise auch Resignation schwankt die Stimmung unter den Bergbauern derzeit. Viele wollen ihr Vieh bereits in diesem Sommer nicht mehr auf die Almen auftreiben. Und fast alle befürchten ein Ende der traditionellen Almbewirtschaftung.

„Das aber hätte gravierende Auswirkungen nicht nur auf die Biodiversität, sondern auch auf das Landschaftsbild. Denn wenn Almen nicht mehr bewirtschaftet werden, verstrauchen sie und wachsen früher oder später zu. Das kann nicht im Interesse der Bevölkerung und des Tourismus sein – und auch nicht des Umweltschutzes“, erklärte Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler.

Daher fordere der SBB weiter ein wolfs- und bärenfreies Südtirol und eine Lockerung des sehr strengen Schutzes des Großraubwilds.

Dass diese Forderung durchaus realistisch ist, zeigte der EU-Abgeordnete Herbert Dorfmann anhand des Beispiels von Finnland auf: „In einigen Teilen Finnlands gibt es keine Wölfe. Das dient dem Schutz der Rentiere, die dort leben. In anderen Ländern wiederum gibt es Obergrenzen für Wölfe. Werden diese überschritten, sind Entnahmen möglich.“

Probleme mit dem Wolf gibt es mittlerweile in vielen Ländern. Daher beginnt sich auch auf europäischer Ebene die Stimmung zu ändern. Es gibt zunehmend mehr Stimmen in fast allen Fraktionen des EU-Parlaments, die den hohen Schutzstatuts des Wolfs in Frage stellen.

„Letztlich sind aber die Mitgliedsstaaten zuständig, wenn es um das konkrete Wolfsmanagement geht“, so Dorfmann. Und da sind die Positionen in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich.

Wenig Hoffnung auf eine baldige Änderung der Schutzbestimmungen für den Wolf auf römischer Ebene machten die Abgeordneten Albrecht Plangger und Meinhard Durnwalder: „In Rom herrscht nach wie vor die Meinung vor, dass der Wolf stark geschützt werden muss, obwohl der geforderte gute Erhaltungszustand erreicht ist.“

Ein Ausweg könnte eine landeseigene Regelung sein, sagte Landeshauptmann Arno Kompatscher. „Wir werden weiterhin auf römischer und europäischer Ebene aktiv sein und gleichzeitig den maximalen Spielraum, den Südtirol hat, nutzen.“ Das Land habe bereits eine Durchführungsverordnung nach Rom gesendet, die von der Regierung aber nicht verabschiedet wurde.

Eines stellte Kompatscher klar: „Wir werden nicht aufgeben. Der Schutz der traditionellen Alm- und Weidewirtschaft geht vor.“

Auch der Herdenschutz mit Hunden und Zäunen könne nicht die Lösung sein, wurde auf der Tagung klar. Südtirols Almwirtschaft sei sehr vielfältig. „Wir haben viele kleine Herden und viele verschiedene Almen. Alle mit Herdenschutzhunden und Zäunen zu schützen, ist nicht machbar und wohl auch nicht finanzierbar“, hieß es.

Dennoch wird es heuer einige Herdenschutz-Pilotversuche auf Almen geben, sagte Landesrat Arnold Schuler: „Auch wenn wir alle nicht davon überzeugt sind, ist es nötig, diese Versuche zu machen – auch um dann besser beweisen zu können, dass der Herdenschutz in Südtirol nicht funktioniert und daher andere Maßnahmen zum Schutz der Nutztiere getroffen werden müssen.“

Der Herdenschutz mit Hunden und Zäunen sei auch wegen der Auswirkung auf das Landschaftsbild und die Freizeitgestaltung bedenklich. Zudem werde auch der Tourismus kaum einverstanden sein, wenn hohe Zäune errichtet und Wanderwege oder Mountainbikerouten unterbrochen werden.

Dass sich der Tourismus deutlicher zu Wort melden und klarer Position beziehen sollte, wurde auf der Tagung in Terlan mehrfach gefordert. „In Salzburg haben sich die Tourismustreibenden klar auf die Seite der Bauern geschlagen“, sagte Nikolaus Lienbacher, Direktor der Landwirtschaftskammer Salzburg. Er forderte eine engere grenzüberschreitende Zusammenarbeit und ein europaweites Monitoring.

Da zudem der „gute Erhaltungszustand der Wolfspopulationen, wie in den europäischen Habitat-Richtlinien gefordert, erreicht ist, dürfen auch Entnahmen kein Tabu mehr sein.“

Die Initiativen, die die bäuerlichen Abgeordneten im Südtiroler Landtag ergriffen haben, hat der Landtagsabgeordnete Josef Noggler vorgestellt.

Einig waren sich alle Teilnehmer in Terlan, dass die Anliegen der Landwirtschaft noch stärker kommuniziert werden müssen und Sensibilisierungsarbeit nötig ist. „Viele glauben nach wie vor, der Wolf sei nicht gefährlich. Leider ist das Gegenteil der Fall, wie die letzten Wolfsrisse in Südtirol gezeigt haben. Die Auswirkungen der Präsenz des Wolfes auf die Landwirtschaft, die Almwirtschaft, das Landschaftsbild und nicht zuletzt die Freizeitnutzung jedes Einzelnen müssen wir besser kommunizieren“, so Tiefenthaler abschließend.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (8)

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  • thefirestarter

    Ja sagt es doch endlich unseren lieben Touristen aus nah und fern, dass es
    Gefährlich ist in Südtirol, vor allem wenn man Kinder hat und somit von Wanderungen dringend abzuraten ist.
    Auf Schritt und Tritt könnte es zu gefährlichen Begegnungen mit Wölfen, Bären und Bauern kommen.

    • robby

      …..wobei Bauern sicher die gefährlichste Spezies sind. Während Bär und Wolf sehr scheu sind kann man das von Bauern nicht behaupten. Präpotent triffts exakt, besonders wenn es gegen Wildtiere geht die keinen „Nutzen“ bringen.

  • drago

    Ja, in den Tiroler Bergen ist es sehr gefährlich. Vor allem in Nordtirol, da sind schon Touristen getötet worden, wenn auch nicht von Wölfen und Bären, sondern von Kühen; ebenso in diversen Ställen sind Bauern und Bäuerinnen zu Tode gekommen. Durch Kühe.
    Die Apfelbauern mussten und müssen sich immer mehr umstellen; so spritzen wie vor 10, 20 oder 30 Jahren kann man nicht mehr. Alles wird teuerer und komplizierter. Und da glauben die Almbauern, dass nur sie weiter wie immer wirtschaften können und Alpungsprämien kassiert werden können, möglichst ohne Aufwand.
    Wie schon öfter gesagt: auf wissenschaftlicher Basis und unter Verwendung von realen Daten über Bär und Wolf diskutieren. Das wollen aber unsere Bauern nicht; sie setzen auf Emotionen, da sie wissen, dass auf der Basis von Daten ihre Wünsche nach einem wolfs- und bärenfreien Alpenraum keine Chance auf Erfolg haben. Und die lieben Politiker sekundieren dabei, in der Hoffnung auf ein paar Stimmen bei der nächsten Wahl. Beispiel Schüler und Noggler und die Freiheitlichen.

    • drago

      Das Ergebnis der DNA-Proben interessiert dann niemand mehr. Wichtig ist, dass man es dem Wolf in die Schuhe geschoben hat.
      Wie ich geschrieben habe, Wahrheit und Daten sind in dieser Diskussion schon längst ein Optional, das niemand haben will.

  • yannis

    Die Touristn haben ein um das Xfache höhere Risiko auf der Anreise nach Sudtirolo im Strasenverkehr, als durch Wolf oder Bär zu schaden oder gar zu Tode zu kommen.
    Allein, wieviel Moped-Fahrer betrifft dies alljährlich ?

  • richard

    Wann wird man die Hetze gegen Tier endlich unter Strafe stellen? Es kann nicht sein, dass man gegen andere Lebewesen immer nur gehässig und böswillige Äußerungen vertreiben kann! Dies ist Hetzerei und somit moralisch nicht vertretbar. Genau jene schreien, die vom Landschaftsbild bis hin zu der natürlichen Umgebung alles niedermachen!

  • sepp

    du es gschreief fan schuler und noggler isch lei Wahl Propaganda und zum Durnwalder und plangger werdense in Rom gsog hoben geht des gscheider schafe hüten

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