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Der Südtirol-Lohn

Die Steuerdebatte geht bald in die heiße Phase – und der Landeshauptmann bekommt Rückhalt: 78 Prozent der Arbeitnehmer wollen, dass die IRAP-Erleichterung für Betriebe an höhere Löhne geknüpft wird.

von Heinrich Schwarz

Dieses Thema wird in den nächsten Wochen und Monaten zu einer heißen Debatte führen: Soll die seit Jahren gewährte Erleichterung bei der regionalen Wertschöpfungssteuer IRAP für Unternehmen künftig an eine angemessene Entlohnung geknüpft werden? Landeshauptmann Arno Kompatscher will diese Reform auf jeden Fall ins Haushaltsgesetz für das kommende Jahr schreiben. Sein Vorschlag: Die Löhne müssen den Lebenshaltungskosten in Südtirol entsprechen – also rund 20 Prozent höher sein als der jeweilige nationale Kollektivvertrag vorsieht.

Demnächst findet dazu ein erstes Treffen mit den Sozialpartnern statt. Während sich vonseiten der Wirtschaft großer Widerstand abzeichnet, sind sich selbst die Gewerkschaften uneins: Der ASGB unterstützt Kompatschers Vorschlag und die konföderierten Gewerkschaften wollen mit den Wirtschaftsverbänden einen umfangreichen „Pakt für Südtirol“ mit Zusatzverträgen abschließen, an den die IRAP-Erleichterungen geknüpft werden sollen. Die entsprechenden Verhandlungen könnten sich aber lange hinausziehen.

Arno Kompatscher erklärte vor kurzem gegenüber der TAGESZEITUNG: „Wenn die Sozialpartner sagen, sie hätten eine bessere Lösung, geht mir das sehr gut. Ich lasse mich aber nicht abspeisen und will nicht, dass sich die Diskussion hinauszögert: Das Ziel von höheren Löhnen muss erreicht werden. Wenn das nicht gelingt, bleibt mein Vorschlag eine Möglichkeit.“

Rückendeckung bekommt der Landeshauptmann jetzt von Südtirols Arbeitnehmern. Eine Umfrage des Arbeitsförderungsinstitutes (AFI) hat ergeben: 78 Prozent befürworten, dass nur mehr jene Unternehmen in den Genuss des reduzierten IRAP-Steuersatzes kommen, deren Löhne den Südtiroler Lebenshaltungskosten gerecht werden. 16 Prozent zeigen sich neutral, sechs Prozent der Arbeitnehmer sprechen sich dagegen aus.

Überdurchschnittlich starken Anklang findet der Vorschlag bei den Frauen (84 Prozent), bei über 50-Jährigen (83), bei Teilzeitbeschäftigten (85) und im städtischen Umfeld (82). „Kurzum: bei den etwas verwundbareren Beschäftigungsgruppen“, erklärt das AFI.

Direktor Stefan Perini meint zum Plan der Landesregierung: „Die IRAP-Senkung an Bedingungen zu knüpfen, würde dem Landeshaushalt zusätzliches Geld zuführen, das für soziale Maßnahmen oder für die Lohnanpassung im öffentlichen Dienst noch zusätzlich zur Verfügung stünde.“

Außerdem diene der „Südtirol-Lohn“ bei öffentlichen Ausschreibungen als Zugangsbedingung. Dies schirmt – durchaus konform mit der EU-Gesetzgebung – den heimischen Markt vor unlauterer Konkurrenz ab“, so das AFI.

Stefan Perini betont aber auch, dass die geplante IRAP-Reform nur dann Wirkung erzeuge, wenn sich die Landesregierung zu einem radikalen Schritt durchringe: „Sie muss die bedingungslose IRAP-Reduzierung auf derzeit 2,68 Prozent zurücknehmen, die IRAP wieder auf den Normalsteuersatz von 3,9 Prozent bringen und die Anwendung eines reduzierten Steuersatzes an transparente und überprüfbare Kriterien koppeln.“

 

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (26)

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  • jennewein

    Die Bauern ( Obst+Weinbau) sollen steuern zahlen dann können wir den Arbeitnehmern mehr aus bezahlen. Steuer ja nach Gewinn so von 15-30% wäre gerecht.

    • kurt

      @jennewein
      Richtig !!!!.

    • einereiner

      @jennewein
      die Bauern zahlen Steuern, nur du kapierst nicht wie. Im Pauschalsystem zahlt man nämlich mit den Ausgaben (der Mehrwertsteuer) die Steuern. Aber das ist zu hoch für einen mittelmäßig intelligenten Arbeitnehmer.

      • ollaweilleiselber

        @einerreiner
        Sehr geehrter Herr „einerreiner“
        Wenn der Landwirt das MwSt.-Pauschalsystem mit den Kompensationssätzen anwendet, dann wird für ihn die MwSt. ein Durchlaufposten wie für jeden anderen Unternehmer.
        Die Einkommenssteuer IRPEF wird beim Landwirt (mit sehr wenigen Ausnahmen) auf den Katastralertrag des Grundes berechnet; dieser ist um ein vielfaches geringer als der effektive und nach unternehmerischen Kriterien ermittelte Gewinn des landwirtschaftlichen Betriebes. Also genießen die Landwirte eine nicht unwesentliche Begünstigung.
        Dass diese einem echten Bergbauern zusteht steht außer Diskussion, denn sonst würden viele kleine Höfe der Nebenerwerbsbauern nicht mehr als solche bewirtschaftet werden.
        Dass aber ein Obst- oder Weinbauer in der Talebene oder im Hügelland nicht auf der Basis des effektiven Gewinnes veranlagt wird wir von vielen zu Recht nicht goutiert.

        • einereiner

          @alleweilselber
          endlich einer der mitreden kann!
          80% der Bauern verdienen zu wenig um überhaupt eine Familie zu ernähren, sie müssen einen zweiten Job machen (und zahlen dort nochmal Steuern)
          19% werden in ca. das verdienen, was ein Angestellter verdient, einer mehr, einer weniger.
          Wieviele bleiben dann noch übrig, auf die ihr alle SOOOOOO neidisch seid? Ein Prozent vielleicht.
          Und wegen einem läppischen Prozent wird geeifert, geneidet, geschrien und protestiert.

          • ermelin

            Ein Prozent (oder vielleicht doch mehr?) ungerechtfertigte Lobby-Millionäre…..ich nehm einen Bauernhof schon, wenn ihn mir einer der armen Bauern schenkt, da er nichts abwirft.
            Gilt übrigens auch für die Wirtschaft und Hotellerie mit Super- und Iperammortamento…….wo ist der Ammortamento für Familien mit Kindern in dieser Bananenrepublik….wo das Steuersplitting??

          • andreas

            @einereiner
            Die Obstbauern ab ca. 3 – 4 ha können sehr wohl vom Ertrag leben, ohne nebenher zu arbeiten.
            Wenn sie dann trotzdem noch arbeiten gehen, machen sie das, weil den ganzen Tag Blindwatten auf die Dauer auch langweilig ist.

            Viehbauern verdienen sich jede Unterstützung, Obstbauern sollten aber wie normale Unternehmen behandelt werden.

          • einereiner

            @ermelin
            ach, du würdest eine Hof nehmen….aber nur geschenkt…..mai, bist du ein toller Mensch.
            Ammortamento ist für Private nicht vorgesehen, weder in Südtirol, Italien oder sonstwo. Das ist ein Grundprinzip der Steuergesetzgebung. Auch der Bauer als Privater kann nichts absetzen. Nur als Firma im Normalsystem kann er absetzen, so wie jede andere Firma auch.
            @andreas
            ja, mit 3 bis 4 ha wird man leben können. Aber man wird nicht reich und Neid ist da noch lange nicht angebracht. Ihr könnt hier protestieren wie ihr wollt, die Gesetze macht nicht deine geliebte EsseVuPi in Bozen sondern Rom.

          • fronz

            …diesesmal muss ich dem @andreas recht geben.

          • ermelin

            Wenn man keine Argumente hat, schreibt man halt Sinnfreies wie „mai, bist du ein toller Mensch“ . Weiss jetzt nicht was mich so toll macht…..ich finde Sie auf jeden Fall nicht toll, weil Sie genau dieses Lobbydenken nach italienischem System verteidigen. Jedes Grundprinzip der Steuergesetzgebung ist änderbar, da es nicht von Moses vom Berg heruntergebracht wurde. Da fehlen auch die Argumente bei “ war schon immer so“ oder “ ist nicht vorgesehen“…wer sagt das? Die Repubblica delle banane?
            Bussi und liebe Grüße von einem tollen Menschen….

          • andreas

            @einereiner
            Eine gerechte Besteuerung zu verlangen ist nicht Neid, sondern hat mit Fairness zu tun.
            Ich kenne viele Obst- und Viehbauern, so dämlich wie du schwafelt aber keiner daher.
            Die Obstbauern wissen, dass sie bevorzugt sind, jedenfalls die meisten und die Arbeit, welche sich viele Viehbauern antun, würde ich nicht machen.

          • einereiner

            @andreas
            Der Grund für die zwei unterschiedlichen Besteuerungsvarianten ist folgender: klitzekleine Betriebe (Landwirte und auch alle anderen, wie in Italien vorgesehen) sollen keine Buchhaltung machen müssen, da diese mehr kostet als diese überhaupt Steuern zahlen müssen. Somit hat man das Pauschalsystem erfunden. Und dieses funktioniert sehr sehr gut: der Staat muss nicht kontrollieren und die Steuern werden automatisch gezahlt. In Italien können alle kleinen Betriebe die Pauschalierung machen. In Österreich sind es Bauern, Gastwirte und Künstler. Der Staat fährt sehr gut damit, da er im Endeffekt deutlich mehr Steuern einnimmt.

          • tff

            Das übliche Bla Bla der Bauernbündler. Jeder Bürger muss auf sein Einkommen (Gewinn) die gleiche Steuer bezahlen. Wenn der Bauer nichts verdient zahlt er auch keine Irpef. So einfach ist das.

      • kurt

        @einereiner
        Soll man euch jetzt noch die Tränen der Verzweiflung abtrocknen oder wie ?????:

  • meinemeinung

    ein Klasse Institut mit Frontmann Perini
    Die muss er hassen ,diese Wirtschafter, die müssen bluten ,die sollen zahlen und und…
    Die sollen sich Gedanken machen ,wie man die Lohnnebenkosten reduzieren kann und dem Arbeitnehmer geben kann ohne mehr Spesen für jeden Endverbraucher.
    Stundenlohn von 40 Euro und der Arbeitnehmer bekommt nicht einmal 10 Euro
    Staat und Land sind die Großen Kassierer.

  • einereiner

    Was sollen diese Verknüpfungen? Wer soll das wieder alles kontrollieren?
    Wer höhere Löhne zahlt, mehr Frauen einstellt, die Klos ordentlich putzt, am Sonntag brav in die Kirche geht, mindestens zwei Kanarienvögel füttert und mit dem Zug in den Urlaub fährt, zahlt weniger Steuern. Und wer kontrolliert das wieder? Vom Steuerzahler bezahlte Beamte……Bürokratie in ihrer Bestform.

    • ollaweilleiselber

      @einerreiner
      Sehr geehrter Herr „einerreiner“
      Hier stimme ich Ihnen zu, aber Ihr vorheriger Kommentar ist Stuss.
      Wenn der Landwirt das MwSt.-Pauschalsystem mit den Kompensationssätzen anwendet, dann wird für ihn die MwSt. ein Durchlaufposten wie für jeden anderen Unternehmer.
      Die Einkommenssteuer IRPEF wird beim Landwirt (mit sehr wenigen Ausnahmen) auf den Katastralertrag des Grundes berechnet; dieser ist um ein vielfaches geringer als der effektive und nach unternehmerischen Kriterien ermittelte Gewinn des landwirtschaftlichen Betriebes. Also genießen die Landwirte eine nicht unwesentliche Begünstigung.
      Dass diese einem echten Bergbauern zusteht steht außer Diskussion, denn sonst würden viele kleine Höfe der Nebenerwerbsbauern nicht mehr als solche bewirtschaftet werden.
      Dass aber ein Obst- oder Weinbauer in der Talebene oder im Hügelland nicht auf der Basis des effektiven Gewinnes veranlagt wird wir von vielen zu Recht nicht goutiert.

  • werner1

    Eine Umfrage bei den Arbeitnehmer ergab, dass 78 % davon einen höheren Lohn befürworten. Hätte da eher auf 100 % getippt. Aber OK, einige Arbeitnehmer sind vielleicht der Meinung, sie bekommen schon einen guten Lohn. Das Beste wäre einfach, der Arbeitgeber kann entscheiden, ob er den zusätzlichen IRAP-Betrag dem Land gibt oder den Mitarbeitern als Prämie ausbezahlt. So ersparen sich alle Beteiligten den Bürokratieaufwand und am Ende ergibt es das selbe Ergebnis.

  • bzb

    Sein Vorschlag: Die Löhne müssen den Lebenshaltungskosten in Südtirol entsprechen – also rund 20 Prozent höher sein als der jeweilige nationale Kollektivvertrag vorsieht.
    Die öffentlichen Angestellten will er aber mit 4,8% und mit Essengutscheinen abspeisen….

  • jennewein

    Mein lieber LH in Südtirol kommen sie mit diesem vorschlag mehr geld für die arbeitnehmer nicht durch.
    Wir leben in einem Bauern und Wirtschaftsland und die bestimmen was die politik in südtirol zu tun hat. und pasta

  • paulus

    Südtirol ist ja nicht einmal imstande seine öffentlich Bediensteten in Sachen Nebentätigkeit einheitlich zu behandel!

  • checker

    @einer einer
    Neid und Gerechtigkeit sind 2 paar Schuhe. Ich will Gerechtigkeit und mit dem was ich kann in einem fairen System arbeiten. Diese Genervtheit der Bauern geht mir echt auf den Sack. Ich bin sowieso dafür, dass wir von der Tallandwirtschaft im speziellen dem Apfelanbau wegkommen und mehr in Hightechbetriebe investieren. Tallandwirtschaft hat einen sehr niedrigen gesellschaftlichen Multiplikator heisst im Klartext: Es werden keine Arbeitsplätze geschaffen, Kostbare Flächen verbraucht, marktwidrige Privilegien genossen und obendrein noch Gifte ausgetragen.

    • einereiner

      @checker
      Hightech wäre mir auch recht, aber stattdessen investieren wir in Billigtourimus.
      Marktwidrig? Sorry, aber jedes Freihandelsabkommen bringt Vorteile für die Industrie und Nachteile für die europäische Landwirtschaft. Mercosur: Auto nach Südamerika, Fleisch nach Europa. Als Trostzuckerle gibt es eine Milliarde für die Landwirtschaft als Ausgleich.
      DAHER KOMMEN DIE BEITRÄGE !! Als Ausgleich für die Dumpingkonkurrenz aus Afrika und Amerika, damit die Industriewaren abgesetzt werden können.
      Ich empfehle jedem jungen Bauern, als Techniker zu arbeiten und die Landwirtschaft als Hobby zu betreiben. Wieso sollen wir die dummen Billigproduzenten für die noch dümmeren Angestellten sein?

      • andreas

        So ein Unsinn mit dem Billigtourismus.
        Südtirol kann gar nicht billig, da unsere Infrastruktur- und Lebenshaltungskosten zu hoch sind.
        Hast du überhaupt eine Ahnung auf welchem Niveau viele Hotels in Südtirol sind?
        Fußball- und Girofans, welche du üblicherweise als Billigtouristen bezeichnest, sind gewiss nicht von Haus aus arm.
        Derselbe Fehler wurde früher bei Motorradfahrer gemacht. Man dachte das dies alles Rabauken ohne Geld sind, bis man gemerkt hat, dass die recht zivilisiert sind, teilweise in aller Ruhe saufen bis zum Abwinken und so die Gäste sind, welche am meisten Geld bringen.

        Die europäische Landwirtschaft wir bis zum Geht nicht mehr geschützt und subventioniert.
        Nebenbei sind die Preise aus Südamerika keine Dumpingpreise, sondern Preise, welche sich durch große Strukturen erzielen lassen. Dumpingpreise sind eher die europäischen, da diese nur durch die Subventionen möglich sind.
        Währt ihr Bauern auf euch alleine gestellt, hätten Heulsusen wie du schon längst aufgegeben, da beim kleinsten Widerstand nach Steuergelder geheult wird, da ihr der Meinung seid, dass die Sonne ohne euch nicht mehr aufgeht.
        Ich habe überhaupt nichts gegen Bauern und finde es richtig, ihnen zu helfen, Heulsusen wie du sind aber nur peinlich und anscheinend auch Realitätsverweigerer.

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