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Gelber Kodex

Ein Mitarbeiter der Landesnotrufzentrale und ein Freiwilliger des Roten Kreuzes müssen wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung vor Gericht.

von Thomas Vikoler

Die Hartnäckigkeit der Nachkommen der 76-jährigen Frau und ihres Anwalt Christian Aureli hat sich ausgezahlt. Richter Emilio Schönsberg hat Ende vergangenen Jahres ihren Einspruch gegen einen Archivierungsantrag der Staatsanwalt angenommen und faktisch eine Anklage angeordnet.

Eine Anklage gegen einen Mitarbeiter der Notrufzentrale und einen Freiwilligen des Roten Kreuzes zum Verdacht der fahrlässigen Tötung.

Diese Woche hat Vorverhandlungsrichter Peter Michaeler die Einleitung eines Hauptverfahrens gegen die beiden Tatverdächtigen verfügt.

Es wird darin um die Frage gehen, ob sie im Mai 2014 den Tod einer 76-jährigen Boznerin mitverschuldet haben. Eine Angehörige hatte, weil sich die Frau schlecht fühlte, den Notruf verständigt. Der Mitarbeiter der Landesnotrufzentralle stufte den Fall als dringend (gelber Kodex) aber nicht lebensgefährlich (roter Kodex) ein und schickte einen Krankenwagen des Roten Kreuzes in die Wohnung der Frau.

Die beiden Freiwilligen kamen vor Ort zum Schluss, dass eine Krankenhaus-Einlieferung der Frau nicht notwendig war. Sie gingen von einem Grippeninfekt aus. Zwei Tage später verstarb die Frau zu Hause, als Todesursache wurde eine Magenblutung infolge eines Magengeschwürs ermittelt.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Telefonisten und einem der Rotkreuzler vor, die Symptomatik nicht richtig eingeschätzt zu haben – obwohl sie von Beruf weder Krankenpfleger noch Ärzte sind. Offenbar geht es hier auch um ein (bekanntes) strukturelles Problem im Rettungswesen.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (5)

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  • tff

    Seit wann entscheiden denn freiwiillige Helfer ob jemand krank genug ist um ins Krankenhaus zu kommen ?

  • maximiliankollmann

    Die italienische Gesellschaft ist krank! Hier wird ein tragischer Tod zum Anlass genommen, unbedingt einen Verantworlichen zu finden und stellt damit ein hervorragend funktionierenden Rettungssystem an den Pranger.
    Ich hoffe sehr, dass das Gericht alle Beteiligten als schuldlos erkennt, denn sonst ist die logische Konsequenz, dass zum einen – ich betone noch einmal – ein hervorragendes System bürokratisiert wird (nur mehr »zertifizierte« Pfleger, Sanitäter, Telefonisten …) und zum anderen beim geringsten Verdacht alles mit Kodex »rot« eingestuft wird da sonst der Strafprozess droht. Mit der Folge, dass die Rettungsketten überlastet sind aber sich NICHTS ändert. Denn Fehleinschätzungen wird es auch dann noch geben.
    Meine Solidarität gehört dem Telefonisten udn dem Rettungsteam.

  • camborio

    In welchem Land außerhalb Südtirols wird die Schwere einer Erkrankung mittels eines Kodex ermittelt? „Stufe gelb“, „Stufe rot“ sagt man meines Wissens anderswo. Wenn man hierzulande schon darauf besteht, auf den italienischen Ausdruck „codice“ zurückzugreifen und ihn zu übersetzen, dann ergäbe es in jedem Fall einen Kode oder Code, keinesfalls einen „Kodex“. Dieses Wort hat im Deutschen eine ganz andere Bedeutung: es steht für eine Sammlung von Schriften oder Gesetzen. Leider ist das nicht bis zu denen vorgedrungen, die für die Sprachregelung im Gesundheitswesen und in anderen Bereichen verantwortlich sind.

  • goggile

    wie lange brauchts noch bis überall die erste hilfe zack zack funktioniert? angekommene müssen sofort dran kommen. stellt genug arbeitendes personal ein und weniger Bürokraten!

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