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„Hier hört dich niemand“

Der 53-Jährige Reinhold Thurner aus Nals soll seine Lebensgefährtin zwei Wochen lang in eine Erntekiste gesperrt haben. In Nals zeigt man sich überrascht und erschüttert über die Vorkommnisse.

von Lisi Lang

Er soll seine Lebensgefährtin zwei Wochen lang in eine Erntekiste gesperrt haben – als Strafe, weil sie seinen Hof ruinieren wollte. Die Vorwürfe gegen den 53-jährigen Reinhold Thurner aus Nals wiegen schwer. Insgesamt zwei Wochen lang soll er seine Lebensgefährtin, eine 44-jährige Frau aus Polen, gefesselt und geknebelt in eine Erntekiste gesperrt haben. Nur wenige Male soll er der Frau Essen und Trinken vorbeigebracht haben, erklären die Ermittler. „Wenn die Mitarbeiter der Autobahn die Frau nicht gehört hätten, hätte man sie wahrscheinlich nicht gefunden“, so die Ermittler.

Bereits Tage zuvor waren die Carabinieri bei Reinhold Thurner vorstellig geworden, da die Kinder der 44-Jährigen eine Suchmeldung hinterlegt hatten. Nach einem Streit mit Reinhold Thurner zu Ferragosto war die 44-Jährige nämlich verschwunden – weshalb die Kinder eine Suchaktion einleiteten.

Nur wenige Tage später der Fund auf einer Obstwiese nahe der Autobahn. „Ich habe so etwas in meiner Laufbahn noch nie gesehen“, zeigt sich ein Ermittler erschüttert, „die Frau war sichtlich abgemagert und in einem schlechten physischen und psychischen Zustand. Sie hat nur Danke gesagt und nach Wasser gefragt“, erklärt der Polizeibeamte gegenüber der Tageszeitung L’Arena.

Im Corriere del Veneto hat die 44-jährige Polin gestern im Krankenhaus erstmals Stellung zu den Vorfällen bezogen: „Sie haben mir gesagt: Weine nur, hier hört dich niemand. Und wenn du stirbst, werfen wir dich in den See“, schreibt der Corriere nach dem Gespräch mit der 44-Jährigen.

In der Heimatgemeinde des mutmaßlichen Täters zeigt man sich überrascht und erschüttert über die Anschuldigungen gegen Reinhold Thurner. „Ich kenne Reinhold Thurner als hilfsbereiten, netten Menschen – wir sind aus allen Wolken gefallen“, zeigt sich der Nalser Bürgermeister Ludwig Busetti überrascht. Als Thurner Nals vor beinahe 20 Jahren verlassen habe, habe er weiterhin Kontakt zu seiner Heimatgemeinde gehalten – auch da seine Brüder und sein Vater noch immer in Nals leben – und sich auch in Lazise über Besuch aus der Heimat gefreut. „Er war nicht mehr so oft hier in Nals, da er auf seinem Hof bei Lazise viel zu tun hatte“, weiß der Bürgermeister von Nals. „Ich habe Reinhold Thurner schon recht lange nicht mehr gesehen“, sagt Ludwig Busetti.

Der 53-Jährige Reinhold Thurner bleibt vorerst in Haft. Dies hat der Haftrichter nach dem Garantieverhör verfügt. Reinhold Thurner hat während des Verhörs geschwiegen, gemeinsam mit seinem Anwalt allerdings eine schriftliche Aussage hinterlegt, in der er betont, die 44-Jährige habe nur eine Nacht in dieser Kiste verbracht.

In seiner Aussage schreibt Reinhold Thurner, dass ihn die 44-Jährige am Montagabend besucht und mit einem Messer bedroht habe. Daraufhin habe er sie in eine Erntekiste gesperrt. Thuner schreibt auch, dass er eigentlich am Folgetag die Carabinieri verständigen wollte.

Dem 53-Jährigen werden Folter und Freiheitsberaubung vorgeworfen. Auch der mutmaßliche Komplize des Landwirtes, der ihm geholfen haben soll die 44-Jährige wegzusperren, wurde aufgegriffen und verhaftet.

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