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Der Fußballstar

Foto: Instagram/Elisa Pfattner

Mit 17 Jahren spielt die Fußballspielerin Elisa Pfattner aus Latzfons bereits für die erste Mannschaft von Juventus Turin. Das Interview.

Tageszeitung: Elisa, Sie sind mit 17 Jahren fixer Bestandteil von Juventus Turin. Wie fühlt es sich an, für einen so großen Club zu spielen?

Elisa Pfattner: Das klingt alles unglaublich, das ist alles andere als selbstverständlich mit 17 Jahren. Ich bin total froh, dass ich die Unterstützung meiner Eltern und das Vertrauen der Trainer bekommen habe. Das wäre ohne sie nicht möglich gewesen. Es ist eine große Ehre für Juventus Turin, eine große Mannschaft mit einer großen Geschichte, spielen zu können. Das ist ein Kindheitstraum eines jeden Mädchens, das Fußball in Italien spielt.

Wie sind Sie selbst in den Fußball bekommen?

Mein Vater und mein Bruder spielen ebenfalls beide Fußball. Ich habe häufig mit ihnen mitgespielt, im Vereinsfußball, also für Latzfons durfte ich aber erst mit sieben Jahren spielen. Ich habe dann bis zur ersten Mittelschule für die Jugend-Mannschaften für Latzfons gespielt und bin dann nach Brixen zum Frauen-Team gegangen. Fünf Jahre habe ich dort gespielt, bis mich Juventus angefragt hat.

Wie hat sich diese Möglichkeit ergeben?

Ich und meine Cousine kamen ins Landes-Förderzentrum. Dort wurde uns gesagt, dass wir viel Potenzial haben und dass sie uns dabei unterstützen werden, mit großen Teams in Kontakt zu kommen. Wir haben Angebote von vielen großen Clubs, unter anderem Inter Mailand, aber auch Teams aus dem Ausland bekommen. Wir hatten dann im November unser erstes Probetraining bei Juventus, ich habe mich dann aber beim Knie verletzt, weshalb ich keine weiteren Probetrainings absolviert habe. Auf der einen Seite hatte ich Glück, dass das Training bei Juventus vor meiner Verletzung stattfand, auf der anderen Seite war für mich immer klar, zu welchen Klub ich gehen werde. Wenn Juve einen ruft, ist das eine Ehre dort hinzuwechseln.

Sie sind also auch Juve-Fan?

Ich interessiere mich sehr für Fußball und verfolge so viele Spiele wie möglich, allerdings habe ich keine Mannschaft, für die ich mich als Tifoso bezeichnen würde – vor allem im Männerfußball nicht. Jetzt, wo ich bei Juve spiele, fiebere ich aber selbstverständlich für diesen Club, als Tifoso würde ich mich aber nach wie vor nicht bezeichnen.

Bei Juve spielen einige der besten italienischen Fußballspielerinnen wie Cristina Girelli oder Sara Gama. Wie ist es, mit gestandenen Profis zu spielen?

Es ist erstaunlich, was hier alles geleistet wird. Es ist ganz was anderes, man hat viel Respekt, alleine vom Training. Man kann aber auch sehr viel von der Spieleinstellung und von der Mentalität lernen. Das und die Erfahrung sind wohl die größten Unterschiede zum Nachwuchs- oder Amateurfußball. Was mich am meisten fasziniert, ist, wie stark die Spielerinnen im Kopf sind.

Was hat Sie im Verein am meisten beeindruckt?

Am meisten mich die gesamte Organisation. Natürlich kann man den Club nicht mit einem SSV Brixen vergleichen, aber es ist so, dass alles perfekt gemanagt ist. Man bekommt alles was man braucht, man ist sehr gut aufgehoben. Zudem ist das Trainingszentrum ein Traum. Der gesamte Verein ist sehr gut strukturiert und man hat die besten Bedingungen, sich weiterzuentwickeln und es weit zu bringen.

Wie sieht Ihr Alltag aus? Sie gehen immerhin noch zur Schule.

Ja, das stimmt. Es läuft so ab, dass wir das Training mit der ersten Mannschaft am Vormittag absolvieren. Von 9.30 Uhr bis 10.00 Uhr machen wir normalen Unterricht, werden dann aber abgeholt und trainieren eben. Am Nachmittag müssen wir alles aufholen, was in der Schule gemacht wurde. Zudem müssen wir auch lernen. Das hängt davon ab, ob wir zwei Mal pro Tag trainieren oder nicht. Es ist schwierig alles auf die Reihe zu kommen. Viele glauben, es handelt sich um einen Luxus, das ist es aber nicht. Man muss dahinter sein. Es ist jede Menge harte Arbeit, die aber niemand sieht.

Nicht nur bei Juventus, auch im Nationalteam sind Sie eines der vielversprechendsten Talente. Sie waren gerade erst mit der U-19 im Einsatz und konnten auch einige Treffer verbuchen…

Ja, wir haben eine wirklich tolle Truppe. Die meisten habe ich bereits gekannt, weil ich seit der U-16 Teil der Nachwuchs-Nationalmannschaft bin. Es ist sehr cool, da ich die Chance bekomme, auch außerhalb von Juve mit anderen Talenten zu spielen und mich mit ihnen zu vergleichen. Es macht mich zudem stolz, für das eigene Land zu spielen.

Haben Sie bereits realisiert, dass es für Sie nun die Gelegenheit gibt, Vollprofi zu werden?

Es ist irgendwie surreal. Die EM-Qualifikationen kennt man normalerweise nur aus Medien oder aus dem Fernsehen. Wir haben aber die Möglichkeit, gegen Norwegen, Aserbaidschan oder Polen zu spielen. Das coolste ist, dass es bereits jetzt junge Fans gibt, die einen nach Fotos und Autogramme fragen. Damit realisiert man, dass man bereits etwas erreicht hat. Es fühlt also langsam an, sich anzufühlen, als wäre man ein echter Profi. Gleichzeitig weiß ich aber, dass ich es noch nicht ganz geschafft habe und dass noch ein langer Weg vor mir liegt. Aber dass 12-jährige einen nach Autogrammen fragen, ist eine coole Sache. Ich fühle mich manchmal bereits wie ein kleiner Star.

Wie schaut es mit Ihrer Freizeit und der Familie aus? Bleibt zwischen Schule und Fußball Zeit dafür?

Leider müssen Freizeit und Familie in dieser Zeit in den Hintergrund rücken. Ich war seit Sommer nicht mehr in Südtirol, hatte nun aber die Möglichkeit, zu Allerheiligen für zwei Tage nach Hause zu kommen. Manchmal sieht man seine Freunde und die Familie aber für einige Monate nicht mehr. So langsam gewöhne ich mich aber daran. Vor allem ist es nicht so, dass ich in Turin alleine bin. Im Heim baut man sich eine zweite Familie auf, dafür muss die echte Familie ein bisschen in den Hintergrund rücken, aber das sind die Opfer, die man bringen muss.

Sie sind eines der vielversprechendsten italienischen Fußballtalente. Wie weit können Sie Ihrer Ansicht nach kommen?

Mein Ziel ist es, so viele Erfahrungen wie möglich in dieser Saison mitzunehmen. Ich erwarte mir nicht enorm viele Spielzeiten, aber ich will einfach im Training bei den Großen viel lernen und viel mitnehmen. Auch in der Nationalmannschaft will ich weiter kommen. Ich habe mir jetzt keinen Fünf-Jahres-Plan zurechtgelegt. Ich bin eher eine spontane Person – was kommt, kommt. Ob ich nun mehrere Jahre bei Juventus bleibe oder ins Ausland gehe, weiß ich nicht. Ich lasse mir alle Möglichkeiten offen. Dass ich nicht alles falsch mache, habe ich aber gemerkt, denn mit 17 Jahren in der Serie A und in der Champions League zu spielen, ist nicht selbstverständlich. Ich erhoffe mir durchaus eine große Zukunft.

Sie konnten trotz Ihres jungen Alters einige Erfahrungen sammeln. Wie schätzen Sie das Niveau des Frauenfußballs in Südtirol ein?

Zuerst möchte ich betonen, dass es sehr schade ist, dass sich Unterland Damen aufgelöst hat und nur mehr Brixen auf einem höheren Level spielt. Brixen ist derzeit aber auf einen guten Weg und kann in die Serie B kommen. Das wäre wichtig für den Frauenfußball in Südtirol. Ich hoffe, dass es klappt und dass viele junge Spielerinnen sich dem Projekt anschließen. Außerdem muss es mehr gefördert werden. Man hat zwar in den letzten Jahren gesehen, dass der Frauenfußball größer geworden ist, in Südtirol braucht es aber immer noch viel Zeit und Willen, dass es voran geht.

Wir der Frauenfußball in Südtirol zu wenig gefördert?

Ja, ich bin mir da ganz sicher. Es würde viele Mädchen geben, die gerne Fußball spielen würden. Wenn aber nur Brixen auf einem höheren Niveau spielt, haben viele Mädchen aufgrund der geografischen Gegebenheiten nicht die Möglichkeit dort zu spielen. Jemand aus Sterzing, aus dem Pustertal oder aus dem Vinschgau wird kaum in Brixen spielen, da man vier Mal pro Woche dort hin müsste. Der Frauenfußball müsste also in Südtirol viel mehr gefördert werden.

Obwohl der Frauenfußball in den letzten Jahren seinen Ruf deutlich verbessern konnte, sind Spielerinnen häufig noch mit Vorurteilen konfrontiert. Stört Sie das?

Welche Vorurteile meinen Sie?

Beispielsweise gibt es immer noch Personen die behaupten, Frauenfußball sei ein unattraktiver Sport.

Ich denke nicht, dass es sich um Vorurteile, sondern um Meinungen handelt, die man auch zulassen kann. Es ist aber so, dass man Frauen- und Männerfußball nicht vergleichen kann. Ich sage das immer wieder, wenn das Thema aufkommt. Frauen sind körperlich unterlegen, das heißt aber noch lange nicht, dass sie auch technisch oder von der Intelligenz her schlechter sind. Vielen gefällt der Frauenfußball, einigen nicht. Es kommt aber nicht von Ungefähr, dass es immer mehr Fans im Frauenfußball gibt und dass immer mehr Spiele im Fernsehen übertragen werden. Ich glaube, da ist noch viel möglich und wenn viele diese Spiele, die nun im Fernsehen übertagen werden, wird es nochmal mehr Fans geben. Wenn uns die Chance geboten wird, werden wir sie auch nutzen.

Was erhoffen Sie sich persönlich für Ihre sportliche Zukunft?

Das wichtigste Ziel ist es, verletzungsfrei zu bleiben. In der Nationalmannschaft will ich viel zeigen und für die EM qualifizieren. Mit Juventus hoffe ich, dass wir weiterhin unbesiegt bleiben. Ich spiele ja auch für die U-19 von Juventus und hoffe, dass auch dort viele Tore und Assists herausschauen.

Interview: Markus Rufin

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