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Anomalia ETS gewinnt

Der Sieg der 3. Auflage des zeitgenössischen Musiktheaterwettbewerbs Fringe, der von der Stiftung Haydn alle zwei Jahre ausgeschrieben wird, geht an die in Trient beheimatete Kompanie Anomalia ETS. Die drei Frauen konnten mit ihrem Musiktheaterstück, das den Titel Silence trägt, die Jury überzeugen und sich gegen die Finalisten Collettivo oltre il bicchiere und Adele Pardi behaupten.

Die Jurymitglieder (die Südtiroler Komponistin Manuela Kerer, die Generaldirektorin des Teatro Regio von Parma Anna Maria Meo, der Komponist Matteo Franceschini, der Regisseur und Librettist David Pountney sowie die Musikjournalistin Paola Molfino) begründeten ihre Entscheidung wie folgt: „Wir entschieden uns einstimmig für Silence, weil wir das Gefühl hatten, dass dieses sehr herausfordernde und radikale Werk sowohl auf musikalischer als auch dramaturgischer Ebene, neugierig macht. Überzeugt hat uns auch das Sujet: Der Hauptdarsteller ist in eine Frau verliebt, die zur Pflanze geworden ist. Eine surreale aber zugleich magische Geschichte, möglicherweise eine Botschaft über unsere ökologische Zukunft. Das Dreiergespann Anomalia ETS zeigt mit seinem Werk, welche Möglichkeiten Frauen heute offen stehen. Besonders beeindruckt waren wir auch vom leidenschaftlichen Engagement des gesamten Teams. Es fühlt sich an, wie ein echtes Gemeinschaftsprojekt, und das gibt uns großes Vertrauen, dass auch anspruchsvolle Probleme, die das Projekt mit sich bringt, gelöst werden können. Wir glauben, dass dies eine bedeutende und aufregende Ergänzung zum mutigen Repertoire der Fringe-Reihe sein wird.

Matthias Lošek, künstlerischer Leiter des Opernprogramms der Stiftung Haydn und Ideator des zeitgenössischen Musiktheaterwettbewerbs, fügt hinzu: „Insgesamt gingen 28 Projekte ein, eine große Zahl, die zeigt, dass der Wettbewerb auf reges Interesse bei den Kulturschaffenden in der Region stößt. Gerade in diesen schwierigen Zeiten bietet diese Initiative eine Perspektive und soll junge Künstler und Künstlerinnen ermutigen, an sich zu glauben und ihr Schaffen fortzusetzen. In diesem Sinne ist unser Fringe-Wettbewerb ein Zeichen der Hoffnung. Und dennoch: unsere Regeln sind streng, die Auswahl der Projekte war alles andere als einfach. Daher möchte ich alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen, die es bis ins Finale geschafft haben im Namen der Jury beglückwünschen.”

Silence soll bereits 2021/22 im Rahmen der Opernsaison zu Aufführung gebracht werden. Die Gewinnerinnen zeigten sich überrascht: „Manchmal ist es schön, sprachlos zu sein, heute ist einer dieser Tage. Wir haben, wie alle Kulturschaffenden und Beschäftigten im Bereich der darstellenden Künste, sehr schwierige Monate hinter uns. Die Teilnahme am Fringe-Wettbewerb der Stiftung Haydn gab uns die Möglichkeit, dennoch nach vorne zu blicken, wo es doch fast aussichtslos erschien, unsere Tätigkeit, unsere Kunst weiter auszuüben. Wir arbeiten mit unserer Vorstellungskraft und die Geschichten sind unser Werkzeug. Wir sind dankbar, dass unser Projekt Silence nun ein Zuhause gefunden hat, in dem es wachsen und seiner wahren Bestimmung zugeführt werden kann: der Begegnung mit dem Publikum. Wir freuen uns darauf nun mit unserer Musik und unseren Worten ein Werk zum Leben zu erwecken, das von der Sehnsucht handelt, dem vitalen Antrieb, der jedes menschliche Wesen beseelt.”

 

Silence ist ein zeitgenössisches Musiktheater in einem Akt, das auf der Erzählung Die Früchte meiner Frau der südkoreanischen Erfolgsautorin Han Kang basiert. Die kafkaeske Geschichte handelt von einer Frau, die sich in eine Pflanze verwandelt: eine stumme Protagonistin, die nie auf der Bühne erscheint und nur in der verzweifelten Erzählung ihres Mannes existiert. Das Projekt entspringt dem Wunsch, eine Symbiose zwischen den verschiedenen Elementen auf der Bühne herzustellen: Die Rolle der Protagonisten wird nicht nur den Hauptgesangspartien anvertraut, sondern auch dem Musikerensemble, das immer auf der Bühne präsent ist: Es spielt, bewegt sich, tanzt, singt und schauspielert. Das künstlerische Team besteht aus Profis, die im Laufe der Jahre ein Interesse für zeitgenössische, musikalische Experimente entwickelt haben. Das Libretto stammt von Martina Badiluzzi, Regie führen Anna Sowa und Martina Badiluzzi. Für die Musik zeichnet Anna Sowa verantwortlich, für Bühnenbewegung Angela Demattè, das Bühnenbild wurde Andrea Fontanari und die Kostüme Marco Baitella anvertraut. Koordinatorin und Initiatorin des Projekts ist Margherita Berlanda.

 

Der Kulturverein Anomalia ETS wurde 2017 von Andrea Fontanari und Margherita Berlanda gegründet, mit dem Ziel, einen Ort zu schaffen, der dem Wachstum zeitgenössischer experimenteller Projekte gewidmet ist, mit besonderem Fokus auf internationale zeitgenössische klassische Musik. Die Kompanie Anomalia, die ihren Sitz in Pergine Valsugana hat, zeichnet sich dadurch aus, dass sie einen aktiven künstlerischen Dialog auf nationaler und internationaler Ebene führt und sich dem Publikum mit neuen Ausdrucksformen präsentiert. Zu den bereits realisierten Projekten von Anomalia gehören: der Zyklus _like a sunny polish day(2018), Mauer_Werke (2019; in Kooperation mit der Akademie Der Künste Berlin und dem Komponisten Samir Odeh-Tamimi)sowie Signal To Noise 0.1 – piccola stagione di musica contemporanea (2021). Zu den wichtigsten Anerkennungen gehört die Unterstützung der Ernst von Siemens Musikstiftung (Deutschland) für das Projekt Seeds, das in Zusammenarbeit mit dem Ensemble Azione_Improvvisa ins Leben gerufen wurde. Am Projekt sind die Komponisten Marco Momi, Lula Romero, Farzia Fallah und Zeno Baldi beteiligt. Die Kompanie arbeitet auch regelmäßig mit verschiedenen Einrichtungen wie Pergine Spettacolo Aperto, Impact Hub Trentino, Associazione Culturale Cooperazione Futura zusammen.

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