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Festival online

Das Publikum in Italien kann bis 15. Juni online und kostenlos am Biografilm-Festival  teilnehmen. Es lohnt sich. 

von Renate Mumelter

Meine Empfehlung gilt diese Woche dem 16. Biografilm-Festival in Bologna, einem der großen in Europa, wenn es um Dokumentarfilm geht. Bis Montag ist es online. Zum Filmschauen genügt es, einen Account zu erstellen und Filme vorzumerken. Die können dann 24 Stunden lang gestreamt werden. Wer Untertitel haben möchte, klickt auf den CC-Button in der Steuerung am Seitenfuß. 

Heute, am Samstag, sind noch die Freitagsfilme zu sehen, deren 24-Stunden-Frist nicht abgelaufen ist. Einstieg immer über die Vormerkung. Am Samstag, Sonntag und Montag laufen weitere Titel, und es gibt Talks mit Autorinnen und Autoren.  

„Das Forum“ von Marcus Vetter setzt am Montag den Schlusspunkt. Dieser Film ist klassisch gemacht, Vetter wird erklären, wie gedreht wurde. „Das Forum“ schaut erstmals hinter die Kulissen des Weltwirtschaftsforums in Davos.

Faith 

Eröffnet wurde das Festival mit dem preisgekrönten „Faith“ von Valentina Pedicini. Es ist einer von den Filmen, die ich mir samt Regisseurin dringend nach Bozen wünsche. So schwierig dürfte es nicht sein, denn Pedicini hat Südtirolbezug. Sie besuchte die Filmschule ZeLIG und lernte zufällig die Glaubensgemeinschaft „Guerrieri della Luce“ kennen. 2008 drehte sie mit „Pater Noster“ einen Kurzfilm darüber. Damals war der ZeLIG-Student Bastian Esser Kameramann. Bei „Faith“ sorgte Esser wieder für eine eindrückliche Bildsprache, die in hartem Schwarzweiß  genau zum Thema passt.  

Pedicini verbrachte vor dem Dreh vier Monate in der Gemeinschaft, neun Wochen wurde gedreht. Entstanden ist eine sehr spezielle Erzählung, die viele Fragen aufwirft und diese ans Publikum weitergibt. „Ich wollte nicht urteilen, keine Antworten geben sondern es den Zuschauern ermöglichen, selbst Antworten zu finden“, sagte die Regisseurin im Gespräch zum Film. Durch den Focus auf die Gemeinschaft gelingt das sehr gut. Einfach war’s nicht, sagt sie, aber so wird es auch fürs Publikum schwieriger, vorschnell zu urteilen. Ein Großteil der Musik speist sich aus den Musikvorlieben der „Guerrieri“. Harte Kost. Der Rest kommt von Federico Campana, auch er mit Südtirolbezug. Campana lebt als Musiker in Bozen, und hat sich auf Filmmusik spezialisiert.

Walchensee forever

„Walchensee forever“ von Janna Ji Wonders spielt am Walchensee in Bayern und in der ganzen Welt. Wonders stellt vier Generationen in den Mittelpunkt einer spannenden Erzählung: ihre Oma, ihre Mutter, sich selbst und ihre Tochter. Eine Familiengeschichte, die viel mehr ist. „Walchensee forever“ ist eine Geschichte über starke Frauenleben, über die Erkundung der Welt, die Erkundung des eigenen Selbst und ganz nebenbei ein Film über Zeitgeschichte und den Walchensee. Die Regisseurin hatte das Glück, reichlich Material aus dem Dachboden nutzen zu können, alte Briefe, alte Super-8-Filme, Fotografien, und sie versank trotzdem nicht selbstverliebt in der Materialfülle sondern behielt die Menschen und das große Ganze im Blick. 

Biografilm

zeichnet sich dadurch aus, dass es Filme bietet, die besondere Perspektiven aufzeigen.

www.biografilm.it

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