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„Wir müssen aufpassen“

Herbert Dorfmann

Der EU-Abgeordnete Herbert Dorfmann geht davon aus, dass ab 15. Juni Deutsche und Schweizer bei uns in Südtirol urlauben werden – und dass Italien die Region Lombardei noch eine Zeitlang zusperrt.

TAGESZEITUNG Online: Herr Dorfmann, wann gehen in Europa wieder die Grenzen auf?

Herbert Dorfmann: Das ist die spannende Frage. Es geht darum, zwei Sachen zu kombinieren: Auf der einen Seite muss das Recht der Menschen, ihre Reisefreiheit im Schengen-Raum zu genießen, gewährleistet werden. Andererseits ist blöderweise noch dieses Coronavirus unter uns. Man muss also schauen, die Grenzen zu öffnen, gleichzeitig darf Reisen nicht zur Gefahr werden.

Wie kann die Quadratur des Kreises aussehen?

Man muss schauen, dass Menschen aus Gebieten, wo es noch hohe Infektionszahlen gibt, nicht verreisen …

Sie sprechen von den Menschen in der Lombardei?

Ich denke, der Vorschlag, den die EU-Kommission vor zwei Wochen gemacht hat, war richtig. Die Kommission hat gesagt: Wir beauftragen unsere Agentur für die Überprüfung der Epidemien in Stockholm, sich nach objektiven und einheitlichen Kriterien Region für Region anzuschauen und dann zu entscheiden.

Demnach bliebe die Lombardei zu …

Die EU-Kommission hat – wie gesagt vorgeschlagen, die Grenzen regional und nicht nur national zu öffnen. In jenen Regionen, die ein Problem haben, darf niemand rein und niemand raus, ja. Denn ist nicht nachvollziehbar, ganze Staaten in die Haftung zu nehmen. Italien wäre da ein typischer Fall: In den süditalienischen Regionen gibt es insgesamt nur ein paar hundert Infektionen, also macht es keinen Sinn, diese Regionen geschlossen zu halten.

Glauben Sie, dass die Staaten sich auf diese EU-Lösung verständigen werden?

Vieles deutet in diese Richtung. Auch in Deutschland denkt man nicht mehr gesamtstaatlich, sondern beobachtet die Entwicklung regional. Ich denke auch, dass Italien im Hinblick auf die Öffnung der Grenze am 3. Mai aufpassen wird, dass in jenen Regionen, die nach wie vor Probleme haben, keine Öffnung passiert.

Sie gehen also davon aus, dass die römische Regierung die Lombardei nicht öffnen wird?

Wenn die Lombardei in den nächsten Tagen beruhigende Zahlen meldet, dann gibt es kein Problem. Wenn es aber Tag für Tag noch immer ordentlich Neuinfektionen gibt, dann hat es keinen Sinn, diese Region zu öffnen – auch für uns nicht.

Wie meinen Sie das?

Ich verstehe schon den Wunsch vieler Hoteliers in Südtirol, ihre Häuser zu füllen. Aber ich habe immer gesagt: Achtung! Wir haben nichts davon, wenn Infizierte zu uns kommen! Es ist für den Tourismus schon wichtig zu starten, aber wir müssen sicher starten. Das Schlimmste wäre, wieder Infektionsherde zu haben und Hotels zusperren zu müssen. Davon hätten wir nix. Daher sage ich: Es bringt nichts, Regionen, wo es noch Gefahrenpotentiale gibt, aufzusperren. Wir müssen aufpassen.

Sie gehen also davon aus, dass ab 15. Juni Deutsche und Österreich bei uns urlauben werden?

Aus Deutschland gibt es klare Signale, dass man das möglich machen will. In Österreich gibt es – nach meinem Empfinden – noch die legitime Ansicht, dass es noch zu gefährlich ist, die Leute nach Italien reisen zu lassen. Nicht legitim wäre zu sagen: Es ist sicherer, nach Kitzbühel zu fahren als über den Brenner. Mit anderen Worten: Ich gehe nicht davon aus, dass Österreich – aus Covid-Gründen – den Deutschen oder den Schweizern die Durchreise verweigern wird. Was die Österreicher selbst angeht, so wird viel davon abhängen, wie sich die römische Regierung verhält …

Nämlich?

Wenn in Italien eine Regelung kommt, die gewisse Sicherheiten bringt – dass also Österreicher nicht nach Mailand reisen können und umgekehrt –, dann glaube ich, dass auch Österreich die Grenzen aufmachen wird. Österreich braucht diese Sicherheiten, das kann ich auch verstehen, denn schließlich haben wir alle die Bilder von den Infektionsherden in der Lombardei noch vor uns.

Interview: Artur Oberhofer

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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