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„50 Prozent sind zu viel“

Auch der Sanitätsdirektor der Brixsana, Alexander Gardetto, zweifelt an dem Ergebnis der flächendeckenden Tests in St. Ulrich. Das Interview.

Tageszeitung: Herr Gardetto, die Brixsana bietet seit rund einem Monat Covid19-Tests an. Ist die Nachfrage nach wie vor groß?

Alexander Gardetto: Ja, die Nachfrage ist nach wie vor relativ groß. Wir stoßen jeden Tag an unsere Grenzen. Wir waren den gesamten Monat über vormittags und nachmittags ausgebucht. Das geht noch zwei Wochen so weiter. Danach dürfte die Nachfrage etwas abflachen.

Welche Tests werden am häufigsten gemacht?
Im Normalfall werden wir von den Patienten gefragt, was wir empfehlen. Vom Schnelltest raten wir ab, stattdessen sollte man eher den serologischen Test machen. Dieser wird dementsprechend auch am häufigsten gemacht. Es gibt aber Firmen, die die Schnelltests bevorzugen, wobei wir klar sagen, dass wir dazu nichts sagen können. Die Abstriche werden dagegen nur dann gemacht, wenn jemand Symptomatiken aufzeigt.

Können Sie bereits sagen, wie viele Personen durchschnittlich Antikörper gegen Covid19 entwickelt haben?

Wir machen seit rund einem Monat Tests. Insgesamt haben wir rund 1.000 Personen getestet. Wir werden demnächst eine genaue Statistik erstellen, daher kann ich nur einen ungefähren Wert nennen. Dieser liegt bei rund zehn bis zwölf Prozent. Damit liegen wir international an einer guten Stelle.

In den letzten Tagen haben die Schnelltests von St. Ulrich für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Nach wie vor behaupten die Grödner, dass die Antikörper-Rate bei 48 Prozent liegt. Glauben Sie das?

Wir wissen alle, dass der Schnelltest eine geringe Spezifität von rund 50 bis 60 Prozent hat. Es können also sehr viele falsche positive Werte herauskommen. Das ist bei den Schnelltests generell der Nachteil. Ich habe gehört, dass die Tests mit serologischen Tests nachkontrolliert werden sollen. Damit könnte man genaueres sagen. St. Ulrich ist sicher ein Hotspot-Bereich, aber 50 Prozent ist etwas viel. Bei den Schnelltests können viele positiv sein, obwohl sie nur an einer normalen Grippe erkrankt sind.

Sie glauben also nicht, dass der Wert über den Durchschnitt liegt?

In einem Hotspot-Gebiet wie Gröden kann es durchaus sein, dass der Wert über zwölf Prozent liegt. Genaueres kann man natürlich erst nach serologischen Tests sagen. Die Immunisierung könnte aber höher sein als im restlichen Land.

Konnten Sie anhand der Antikörpertests lokale Hotspots ausmachen?

Nein, obwohl wir damit gerechnet haben. Vor allem an Anfang hat man damit gerechnet, dass auch das Gadertal und das Hochpustertal Hotspots sind. Wir haben viele Unternehmen aus dem Gadertal, Bozen und Unterland. Ich habe aber keine Auffälligkeiten gesehen. Man muss aber auch dazu sagen, dass anhand der Covid-Fälle klar ist, dass es in Südtirol nur in Gröden einen richtigen Hotspot gibt.

Wie lange wird die Brixsana die Tests durchführen?

Wir werden die Tests solange fortführen, bis das Interesse daran nachlässt. Gerade in der Phase zwei sind die Antikörpertests enorm wichtig. Solange es so viele Menschen in Südtirol gibt, die nicht getestet wurden, müssen auch weiterhin Tests gemacht werden. Auch die Leute selbst werden, sobald sie Symptomatiken zeigen, sich testen lassen wollen. Daher kann ich auch kein Datum nennen. Ich befürchte, dass wir die Tests aber das ganze Jahr über machen werden. Aber das gute ist, dass weitere Tests auf den Markt kommen werden.

Wie meinen Sie das?

Die Tests, die wir jetzt hier haben, kamen sehr schnell auf den Markt. Vor allem die Schnelltests wurden eigentlich nicht groß verändert. Jetzt haben die Firmen aber die Möglichkeit, die Tests so zu verändern, dass sie ganz spezifisch auf Covid19 eingehen.

Interview: Markus Rufin

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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