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Der Morosini-Krimi

Der Berlusconi-Club Monza bietet dem Publikumsliebling des FCS, Tommaso Morosini, einen 200.000-Euro-Vertrag. Was der Generaldirektor des Clubs, Dietmar Pfeifer, zu den Wechselgerüchten sagt.

von Artur Oberhofer

Die Meldung des Fußballportals „Tuttomercatoweb“ hatte über die Weihnachtsfeiertage bei den Fans des FC Südtirol für große Aufregung gesorgt: Das stets gut informierte Portal meldete, dass Monza, der Club von Silvio Berlusconi, die Fühler nach Tommaso Morosini ausgestreckt habe.

Mehr noch: Der Deal mit dem 28-jährigen Mittelfeldspieler des FCS, sei bereits so gut wie unter Dach und Fach.

Die TAGESZEITUNG hat beim Generaldirektor des FC Südtirol, Dietmar Pfeifer, nachgefragt, was Sache ist.

TAGESZEITUNG Online: Herr Pfeifer, was ist dran den Gerüchten rund um Tommaso Morosini?

Dietmar Pfeifer: Wir haben von keinem Verein eine Anfrage bekommen, ich habe auch kein Angebot auf dem Tisch liegen. Somit stellt sich für mich das Thema nicht. Außerdem hat Morosini seinen Vertrag bei uns erst vor wenigen Monaten bis 2023 verlängert. Das sind die Fakten.

Nun gibt es aber Meldungen aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen, die behaupten, Monza wolle Morosini um jeden Preis?

Das kann sein, aber mit uns hat noch niemand geredet. Wenn jemand einen Spieler will, dann muss er sich an uns wenden.

Das heißt: Was noch nicht ist, kann ja noch werden?

Ich sehe die Sache ganz nüchtern: Unsere Aufgabe ist es, das Bestmögliche für den Verein zu machen, diesen so gut wie möglich zu führen. Wenn ein Angebot kommen sollte, dann wird man es bewerten …

Es gibt von Ihnen also nicht die Aussage: Morosini ist unverkäuflich?

Das kann man weder bei einer Immobilie sagen, noch bei einem Fußballspieler, das hängt immer von den Konditionen ab – und vom Willen eines Spielers. Wenn ein Spieler sagt, er will gehen, dann spielt auch das eine Rolle, denn wir brauchen motivierte Spieler, die sich mit dem Verein identifizieren. Wenn also ein Angebot eingehen und der Spieler Wechselabsichten vortragen sollte, dann werden wir als Verein eine Bewertung auf 360 Grad vornehmen. Das gilt nicht nur für Morosini, das gilt für alle Spieler.

Wie würden Sie die Wahrscheinlichkeit, dass Morosini bleibt, prozentuell einordnen?

Zum derzeitigen Zeitpunkt gehe ich davon aus, dass er bleibt. Auf der anderen Seite bin ich mir bewusst, dass Anfang Jänner der Markt aufgeht, der dann bis Ende Jänner dauert. Da kann viel passieren, auch dass sich ein Verein für Morosini meldet.

Wie viel ist Morosini wert?

Das bestimmen Angebot und Nachfrage.

Laut Transfermarkt.de hat Morosini einen Marktwert von 500.000 Euro …

(lacht) Ah, das habe ich gar nicht gesehen. Aber wenn ein Verein Morosini will, dann muss er auf die 500.000 Euro noch was drauflegen. Denn der Spieler hat hervorragende Leistungen gezeigt …

Als Mittelfeldspieler hat Morosini in dieser Saison bereits neun Tore erzielt …

Richtig, plus hat er einen längerfristigen Vertrag mit uns.

Morosini ist vor anderthalb Jahren von Piacenza zum FCS gestoßen. Wie viel hat der FCS für ihn bezahlt?

(lacht) Ein paar kleine Tausender …

Das heißt?

Das heißt, dass er uns nicht viel gekostet hat.

Die Fans sind besorgt, dass der FCS den besten Spieler ziehen lässt …

Bis heute hat kein Spieler allein etwas gewonnen. Es geht immer um die Mannschaft, um den Verein. Wenn die Konditionen passen und wir davon überzeugt sind, dass ein Verkauf Morosinis für den Verein Sinn macht, dann geht er. Wir machen keine sinnlosen Operationen.

Morosini ist aber der Publikumsliebling …

Das verstehe ich schon, aber im Fußball muss man wie in einem normalen Betrieb handeln, und zwar emotionslos und zum Wohle des Vereins.

Der FCS sagt also nicht: So, jetzt machen wir Kasse und stufen unsere Ziele zurück?

Nein, wir haben in den letzten Jahren immer bewiesen, dass wir einen Schritt nach vorne machen. Wenn ein Spieler geht, dann wird man mit dem Geld, das man lukriert, den Kader verbessern und weiterentwickeln. Ich kann den Fans nur sagen: Unser Anspruch ist und bleibt, vorne mitzuspielen.

Monza will binnen zwei Jahren von der Serie C in die Serie A aufsteigen, Silvio Berlusconi pumpt zwischen 15 und 20 Millionen in die Mannschaft …

Jeder kann mit seinem Geld machen, was er will.

Morosini zählt beim FCS mit einem Jahresgehalt von rund 60.000 Euro zu den Spitzenverdienern …

Über Geld rede ich nicht …

Bei Monza könnte er das Dreifache verdienen, man hört von einem Angebot von über 200.000 Euro netto im Jahr. Das muss ein 28-Jähriger notgedrungen Ja sagen …

Wenn ein Verein das Geld hat, solche Summen zu zahlen, dann bitteschön. Monza ist in unserer Liga wie Real Madrid oder Barcelona in Europa. Die kaufen das Beste vom Besten, egal was es kostet. Wir beim FCS sind in der luxuriösen Situation, eine Mannschaft zu haben, die etwas wert ist. Ich darf daran erinnern, dass 90 Prozent der Spieler uns gehören. Wenn man uns für Morosini 150.000 Euro bietet, dann werden wir entscheiden, ihn zu behalten. Wenn ein Verein ein Stück über 500.000 Euro bietet, werden wir das Angebot neutral bewerten. Dasselbe gilt für andere Spieler …

Für welche?

Für Mario Ierardi, der meiner Überzeugung nach irgendwann in der Serie A spielen wird. Oder für Simone Mazzocchi. Wir haben Spieler wie Turchetta oder Vinetot. Wir haben gute Karten in der Hand.

 

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