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Tiroler del Sud

Der Toponomastikexperte der STF, Cristian Kollmann, trauert der guten, alten Zeit nach, in der die SVP noch die Abschaffung des Begriffes „Alto Adige“ forderte.

von Artur Oberhofer

Cristian Kollmann sagt es mit Sarkasmus: „Heute wird die Forderung nach der Abschaffung des Begriffes ,Alto Adige‘ nicht nur von den italienischen Parteien, sondern auch von Teilen der Südtiroler Volkspartei als Provokation empfunden.“ Früher, so der Toponomastikexperte der Süd-Tiroler Freiheit, sei es in den Reihen der SVP anders gewesen. „Auch die SVP wollte einmal ,Alto Adige‘ abschaffe.“

Cristian Kollmann liefert auch den Beweis für seine These.

Dabei handelt es sich um ein Dokument aus dem fernen Jahr 1958. Es geht um den „Südtiroler Entwurf eines Autonomiestatuts für die Region Südtirol-Tirolo del Sud“, der von den drei Südtiroler SVP-Parlamentariern Toni Ebner, Otto von Guggenberg und Karl Tinzl am 4. Februar 1958 im italienischen Parlament eingebracht wurde.

Im Gesetzentwurf, der aus insgesamt 13 Kapiteln besteht, ist Kapitel 1 in den Augen von Cristian Kollmann besonders interessant. Es trägt den Titel „Errichtung der Region Südtirol-Tirolo del Sud“.

Artikel 1 dieses Kapitels besagt:

„Südtirol (Tirolo del Sud), umfassend das Territorium der Provinz Bozen, wird laut vorliegendem Statut als autonome Region mit Rechtspersönlichkeit innerhalb der italienischen Republik errichtet. […].“

Unter Artikel 2 heißt es:

„Die Region Südtirol (Tirolo del Sud) hat die Stadt Bozen (Bolzano) zur Hauptstadt.“.

Explizit hervorheben möchte  Kollmann den zum Gesetzesentwurf gehörigen Bericht, da in diesem klar die Abschaffung der Bezeichnung „Alto Adige“ gefordert werde. Punkt a) lautet nämlich:

„Die Provinz Bozen wird zur autonomen Region mit Sonderstatut erhoben – das heißt natürlich jenes Gebiet, das heute die Provinz Bozen umfasst –, und zwar mit dem historischen und der Sprache der Mehrheit der Bevölkerung dieses Gebietes entsprechenden Namen unter Abschaffung der Bezeichnung ‚Alto Adige‘ napoleonischer Erfindung, womit endlich die Erinnerung an das faschistische Verbot, den Namen ‚Südtirol‘ zu gebrauchen, ausgemerzt wird.“.

In der Tat sei der deutsche Name „Südtirol“ im Jahr 1958 noch verboten  gewesen – von „Tirolo del Sud“ oder „Sudtirolo“ ganz zu schweigen. Erst zugelassen war „Südtirol“ mit dem Inkrafttreten des 2. Autonomiestatuts im Jahr 1972, und zwar als Teilbezeichnung für die Region, die bis dahin auf Deutsch „Trentino-Tiroler Etschland“ hieß (zu sehr hätte das Element „Süd“ an die Teilung Tirols erinnert), so Kollmann.

Cristian Kollmann lobt die Initiative von Tinzl & Co.: „Trotz des Verbots von ,Südtirol‘ ließ man es sich von offizieller politischer Seite Südtirols nicht nehmen, diesen Namen bereits vor 1972 zu gebrauchen und für dessen amtliche Einführung zu kämpfen, ebenso für die Abschaffung von ,Alto Adige’.“

All dies erinnere sehr stark an die wieder aufgeflammte „Alto Adige-Sudtirolo“-Diskussion, findet Kollmann. Was den STF-Mann dabei um so mehr wundert: „Früher war es noch die SVP, die sich gegen die faschistische Toponomastik stark machte. Heute sind wir es. Die SVP will uns heute deswegen als Provokateure diskreditieren, also als etwas, was sie früher selbst war.“.

 

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (12)

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  • marting.

    die Südtirol Verräter Partei verrät Südtirol
    und gleichzeitig stopfen sie sich die Taschen voll und bekommen von Italien einen Judaslohn. die Alten würden sich schämen!

  • prof

    marting,welcher Partei gehöhrst eigentlich an, da du bei jedem Kommentar die SVP und den LH beleidigst??

  • mannik

    Kollmann, Tinzl & Co. haben aber nirgends zweifelhafte Plakate aushängen lassen oder Müllsäcke benutzt… also hatten sie, wenn Sie sie als Provokateure bezeichnen, schon ein anderes Niveau.

  • franz1

    Die „Walschzugehörigkeit“ bekommt unseren „Möchtegern-Politikern“ besonders gut.
    Brauchts nur die Tabellen in der Neuen Tageszeitung ansehen, dann wird es schwierig bis unmöglich dem „Walschen-Stiefel“ den Rücken zu kehren.
    Bei diesen Abfindungen sind alle Parteien auf ein und derselben Linie, abgs. TK, fragt sich wie lange noch??

  • herrbergsteiger

    Ital. Nationalisten/Faschisten (und später auch Nazis) wollten den Namen „Alto Adige“ für Südtirol, um das eroberte „Hochetsch“ möglichst schnell u restlos zu italienisieren. Nichts sollte mehr an Tirol erinnern.

    Wer heute das „Alto Adige“ durch „Südtirol-Tirolo del Sud“ ersetzen will, ist ein was?
    Ja natürlich, ein ewiggestriger „Völkischer“, ein reaktionärer Nationalist u ähnliches mehr.
    Mit dieser Meinung stehen die Faschisten heute nicht mehr alleine dar.
    Warum nicht a bissl Faschismus, wenn’s hilft?
    Touristiker: Bitte kann’s auch a bissl mehr sein?

  • herrbergsteiger

    Ital. Nationalisten/Faschisten (und später auch Na.zis) wollten den Namen „Alto Adige“ für Südtirol, um das eroberte „Hochetsch“ möglichst schnell u restlos zu italienisieren. Nichts sollte mehr an Tirol erinnern.

    Wer heute das „Alto Adige“ durch „Südtirol-Tirolo del Sud“ ersetzen will, ist ein was?
    Ja natürlich, ein ewiggestriger „Völkischer“, ein reaktionärer Nationalist u ähnliches mehr.
    Mit dieser Meinung stehen die Faschisten heute nicht mehr alleine dar.

    Warum nicht a bissl Faschismus, wenn’s hilft?
    Touristiker: Bitte kann’s auch a bissl mehr sein?
    Ja bitte, gerne …

  • josef.t

    Es war wohl Magnago und dann Durnwalder, die das „Mögliche“
    herausholten und mit ihrem „diplomatischen Geschick“ eine
    Autonomie für alle Südtiroler aushandelten, die auf dem Planeten
    einmalig ist ?
    Sicher sind 90 %, vielleicht auch mehr der Landsleute, damit
    zufrieden ?

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