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Vom Geheimtipp zur Tourihölle

Screenshots: ZDF/Auslandsjournal

Alles andere als einsam: Wie es der Pragser Wildsee in das ZDF Auslandsjournal geschafft hat. Und warum Bürgermeister Friedrich Mittermair trotz allem mit dem Start der Straßensperre zufrieden ist.

von Silke Hinterwaldner

Auf Instagram ist immer nur die schöne Seite zu sehen: smaragdgrünes Wasser, schunkelnde Fischerboote und eine beeindruckende Bergkulisse. Das ist es denn auch, was tägliche tausende Tagestouristen am Pragser Wildsee suchen.

Aber die Realität ist eine andere: Immer mehr Leute kommen zum See, viele von ihnen wollen nur ein schönes Bild knipsen, es auf Instagram posten, um im besten Fall ein paar Follower dazuzugewinnen. Die Schattenseiten dieses Selfie-Tourismus hat am Mittwoch das ZDF Auslandsjournal aufgegriffen. Redakteurin Julia Lösch hat sich das Thema „wie Traumorte vom Geheimtipp zur Tourihölle werden“, zu eigen gemacht und ist zum Pragser Wildsee aufgebrochen.

Ihre Schlussfolgerung: Nichts ist dort mehr, wie es einmal war. In der Früh um 6.00 Uhr ist es noch ruhig und einsam am See, aber am Vormittag rollt die Besucherwelle an. Dass der Pragser Wildsee zu einem Lieblingsort für Blogger und Instagramer geworden ist, lässt sich in den sozialen Netzwerken leicht verfolgen: Mittlerweile 150.000 Fotos vom Pragser Wildsee gibt es allein auf Instagram.

Das Auslandsjournal hat auch einige der 650 Pragser zu Wort kommen lassen: Unter ihnen Landwirt Gerhard Kammerer, der beklagt, dass diese Touristen kein Geld dalassen, sondern nur Stau, Luftverschmutzung und Müll. Gastwirt Armin Hinterhuber meint, dass der Pragser Wildsee mittlerweile zum Disneyland verkommen ist, das hat nicht mehr viel mit erholsamen Urlaub zu tun.

Friedrich Mittermair hat mittlerweile Erfahrung mit all den Schattenseiten seiner Tourihölle gemacht. Der Bürgermeister von Prags zerbricht sich seit Jahren den Kopf darüber, was er mit den vielen Autos und den zahllosen Leuten machen soll. Seit vorgestern ist der neue Plan Prags in Kraft. Mit diesem Konzept sollen die großen Ströme an Tagestouristen einigermaßen in geregelte Bahnen gelenkt werden. Auch wenn es nach dem Start der Verkehrssperre am 10. Juli einiges an Kritik gab – das Tagblatt sprach von einem „holprigen Beginn“ – ist der Bürgermeister zufrieden.

„Immerhin“, sagt Mittermair, „ist es nicht unsere Aufgabe dafür zu sorgen, dass die Parkplätze voll sind. Wir haben uns um die Lebensqualität von Einheimischen und Gästen vor Ort zu kümmern.“  Er kündigt an, dass es im Laufe des Sommers keine großen Änderungen am Plan Prags geben werde. Mittermair: „Es braucht keine großen Verbesserungen, höchstens einige kleine Anpassungen organisatorischer Art.“ So könnte an Spitzentagen ein weiterer Shuttlebus am Vormittag nötig werden.

Stau, lange Wartezeit, um einen Platz im Bus zu ergattern und viele Autos, die am Parkplatz keinen Platz mehr finden: Am 10. Juli gab es Postkartenwetter in Prags, das hat freilich viele Besucher in das Tal gelockt. Tags darauf hatte der Wetterbericht Wolken angekündigt und schon blieb der große Ansturm aus.

„Das ist von Tag zu Tag sehr unterschiedlich“, sagt Bürgermeister Mittermair. Er rechnet aber damit, dass heuer noch mehr Touristen zum Pragser Wildsee kommen werden als in den vergangenen Jahren. Einen Vorgeschmack darauf haben die Pragser bereits im Herbst vergangenen Jahren erhalten. Nicht nur im Sommer, sondern bis zu Allerheiligen Anfang November, sind die Tagesausflügler zum See gepilgert: An diesen Tagen im November gab es am See keinen Platz mehr für das Auto. Der Trend hat sich im Frühjahr fortgesetzt: An schönen Wochenenden im Mai und im Juni war es am Pragser Wildsee „brutal voll“, wie der Bürgermeister sagt. Deshalb: Dass der Ansturm auf den Pragser Wildsee nachlässt, ist auch heuer nicht zu erwarten.

 

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (21)

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  • andreas

    Hochmut kommt vor den Fall.
    Wo ist das Problem, wenn Leute hinfahren, um ein paar Fotos zu machen?
    Erwarten der Landwirt und der Gastwirt, dass sie Wegezoll zahlen?

    Schon das alte Rom ging wegen Dekadenz und Selbstgefälligkeit unter.
    Also, auf, auf Südtirol, noch mehr von dem dämlichen Gequatsche, dass die Touristen nur nerven, dass sie kein Geld da lassen oder dass sie nur Staus verursachen und sie werden schneller als erwartet nicht mehr kommen.

  • @alice.it

    Dem Plan des BM Friedrich Mittermair, an Spitzentagen einen weiteren Shuttlebus am Vormittag einzusetzen, ist durchaus sinnvoll. Für den Rest kann man sagen, dass die neue Verkehrsregelung, also Schließung der Straße zum Wildsee von 10 bis 15 Uhr, ihre Wirkung zeigt. Im Tal ist es auf Anhieb unvergleichlich ruhiger geworden, die Motorradkolonnen sind Vergangenheit, so auch die wild zugeparkten Wiesen längs der Straße zum See und zur Plätz Wiese. Ein Lob diesem durchsetzungsstarken Bürgermeister und seinen Mitarbeitern!

  • asterix

    Die Geister die ich rief, ich werde sie nicht mehr los. Frei aus dem Zauberlehrling. Südtirol wird viel zu schnell und rücksichtslos touristisch vermarktet. Um nicht zu sagen verscherbelt. Alles und jedes wird dem schnellen Gewinn geopfert. Nachkommende Generationen werden fluchen.

    • george

      Ja, jene Bewegungen, die sich schon in der Vergangenheit für eine gemäßigte Gangart und eine ausgewogene Entwicklung mit ökosozialem stabilem Lebeneinkommen eingesetzt haben, habt ihr leider nie als Wähler ordentlich unterstützt und seid nicht dahinter gestanden, wann es galt der überheblichen herrschenden Kaste immer wieder die Grenzen aufzuzeigen und auch heutzutage unterstützt noch allzu viel und gerne jene, die keine Grenzen kennen, bis ihnen die Natur diese selbst setzt. Allerdings erwischt es dann meist und noch stärker jene, die eigentlich nicht an diesem Geprasse beteiligt sind und dieses als Götzen anbeten.

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