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Agenda für Südtirol

Patrizia Balzamà (Vizepräsident SHV-CNA), Günther Schwienbacher (Direktor SHV-CNA), Claudio Corrarati (Präsident SHV-CNA), Maurizio Gianpietro (Verantwortlicher GLS Corriere espresso Bozen)

Der Handwerkerverein SHV-CNA hat die Agenda für Südtirol 2019 vorgestellt und fordert, dass die neue Landesregierung die KMU unterstützen muss.

Weniger Steuern, weniger Bürokratie, Unterstützung zum Erhalt von Krediten, Ausschreibungen in Lose und Gewerke aufgeteilt, ein neues Projekt für Warenzulieferung in den Städten: Das sind die wichtigsten Themen, die durch die Spitzenvertreter der SHV-CNA Südtiroler Vereinigung der Handwerker und kleinen Unternehmen im Laufe einer Pressekonferenz vorgestellt worden sind.

Claudio Corrarati und Günther Schwienbacher, Präsident und Direktor der Vereinigung haben die Südtiroler Situation umrissen: „Man kann eine Verbesserung des BIP im Laufe des Jahres 2018 um 2,1 mit der Perspektive eines weiteren Zuwachses für 2018 von +2% vermerken. Die Anzahl der in der Handelskammer eingetragenen Betriebe ist stabil: Neueinschreibungen und Austragungen kompensieren sich. Anzumerken ist, dass die Zahl der Jungunternehmer um 1,3% und jene der ausländischen Unternehmer um 1,8% angewachsen ist. Das Handwerk verzeichnet einen Zuwachs von 643 Unternehmen, davon kommen 56% aus dem erweiterten Bauwesen: Baufirmen, Maurer, Maler, Anlagenbauer, Bodenleger und weitere Fachberufe. Besorgnis erregen hingegen die Daten des Kreditwesens: Kredite für Familien und mittelgroße Unternehmen wachsen, während jene für Betriebe mit weniger als 20 Mitarbeitern stagnieren. Die Arbeitslosigkeit ist mit 2,8% ein klarer Indikator für eine gesunde Wirtschaft in Südtirol.“

Davon ausgehend hat die Vereinigung die Agenda für Südtirol für die neue Landesregierung verfasst.

Bezüglich der Steuern hat der Präsident Corrarati die Aufmerksamkeit auf weitere Steuerentlastungen gerichtet, die IRAP sollte reduziert und die Einkommensgrenze für die Entlastung der regionalen Zusatzsteuer erhöht werden. Er forderte auch die Reduzierung der GIS auf Betriebsimmobilien, gleichzeitig mit einer homogenen Anwendung der GIS auf alle Betriebsgebäude und Wirtschaftsbereiche.

Die Vereinfachung der Bürokratie kann laut der SHV-CNA über zwei Aktionen erreicht werden: Eine Neuordnung des Gesetzesdschungels mittels Einheitstexten in den verschiedenen Bereichen, um so Bestimmungen, die in den unterschiedlichsten Gesetzen verstreut sind zusammenzuführen und die Einrichtung eines Büros, das für alle öffentlichen Körperschaften und Betriebe gleiche Regeln für Bürger und Unternehmen vorsieht, die bei Ausschreibungen oder Ansuchen, um gewisse Dokumente oder Dienstleistungen zu erhalten, gelten.

Das Thema der öffentlichen Beiträge betrifft die Forderung nach Aufstockung des Plafonds für Ausschreibungen von Beiträgen für Kleinst- und kleine Unternehmen, da ja die jährlich vorgesehenen sechs Millionen (2017 und 2018) für viele Ansuchen hinten und vorne nicht reichten. „Um den KMU den Zugang zu Krediten zu ermöglichen, sieht unser Vorschlag vor, dass im Dreijahreshaushalt ein Betrag für die eventuelle Deckung der Verluste der Garantiekonsortien, insbesondere Garfidi, vorgesehen wird, da dieses die kleinen Betriebe aus allen Wirtschaftsbereichen unterstützt“, so Corrarati. Die SHV-CNA fordert auch einen territorialen Pakt zwischen Land, Garantiekonsortien und Banken, um für die kleinen Betriebe die Bedingungen für den Zugang zu Krediten zu verbessern.

„Die Vorschläge zu den öffentlichen Ausschreibungen gehen von der Feststellung aus, dass es 553 Einrichtungen gibt, die Ausschreibungen tätigen und alle unterschiedliche Regeln anwenden. Wir fordern, die Vorgangsweisen über die Landesagentur für Ausschreibungen zu vereinheitlichen und eine Kampagne der Sensibilisierung zu starten, damit die ausschreibenden Einrichtungen, sich auf die bestehenden Bestimmungen stützen und die Ausschreibungen in funktionale Lose aufteilen, damit auch lokale kleine und mittlere Unternehmen erfolgreich an den Ausschreibungen für Arbeiten, Dienstleistungen und Lieferungen teilnehmen können“, betont Corrarati.

Die Handwerkervereinigung setzt auf eine Green Economy. „Deswegen fordern wir, dass im Dreijahreshaushalt des Landes strukturell ein Betrag vorgesehen wird, der notwendig ist, um weiterhin die Vorauszahlung des Steuerbonus für energetische Sanierungen und die Renovierung von Gebäuden zu sichern“, so der Verband. Nur so könne ein „grünes“ Bauwesen weiterhin abgesichert werden. Außerdem wird darauf aufmerksam gemacht, dass es notwendig ist, eigene Finanzierungen über die Einnahmen der A22 und gemeinschaftliche Fonds vorzusehen, die dem Austausch der Betriebsfahrzeuge der Dieselklassen Euro 2, 3, 4 und 5 absichern, da diese zwischen 2019 und 2013 nicht mehr fahren dürfen, da sie zu viel NOx ausstoßen.

Zur Warenzulieferung in den Städten hat die SHV-CNA erst kürzlich der Stadtgemeinde Bozen ein neues Projekt vorgestellt, welches Delivery Points in allen Stadtvierteln vorsieht. Hierzu könnten leerstehende Geschäftsräume, die der Gemeinde, dem WOBI oder anderen Körperschaften gehören, verwendet werden. Im Stadtzentrum hingegen könnte im Unterstock des Walterparks ein Verteilzentrum entstehen. Die Waren können von hier aus mit Elektrofahrzeugen verteilt und eingesammelt werden. Die entsprechenden Fahrzeuge sollten vermietbar sein und über gemeinschaftliche Fonds oder die A22 finanziert werden. Dabei sollten auch Alperia und STA miteinbezogen werden. Außerdem fordern wir eine Neuordnung der Lieferzeiten, insbesondere für Lebensmittel.

„Es braucht einen neuen Aufschwung für die duale Lehrlingsausbildung gerade unter den italienischsprachigen Jugendlichen und Eltern, Berufsmatura auch für italienischsprachige Lehrlinge, Schulversuche mit mehrsprachigen Klassen auf allen Ebenen“, so der Direktor Günther Schwienbacher. Im Bereich der Weiterbildung der Mitarbeiter ziele man auf eine Ausweitung der Angebote in Richtung neuer Berufe und eine bessere Nutzung der verschiedenen Fonds, mit der Perspektive in Südtirol einen einzigen Fonds für sämtliche Wirtschaftsbereiche zu schaffen.

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