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„Ich war es nicht“

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In Klausen ist ein fahrerloser Lieferwagen in die Anwaltskanzlei Wörndle & Partner gerast. Nun ist Werner Kiem aus Villnöß ins Visier der Ermittler geraten: Der ehemalige Besitzer einer Tischlerei bestreitet aber, den Anschlag verübt zu haben.    

Von Erna Egger  

„Ich habe (nach dem TAGESZEITUNG-Artikel) schon viele Anrufe und WhatsApp-Mitteilungen erhalten. Alle haben mich gefragt, was ich angestellt hätte. Ich war es aber nicht“, stellt Werner Kiem klar.

Und noch etwas will er betonen: „Ich war zu jeder Zeit auffindbar. Ich habe jeden Tag in meinem Bett geschlafen.“

Werner Kiem aus Villnöß wird verdächtigt, einen Anschlag auf die Anwaltskanzlei Wörndle & Partner verübt zu haben.

Die Anhaltspunkte: Bis vor wenigen Monaten leitete Kiem einen Tischlereibetrieb. In den guten Jahren machte die Firma jährlich einen Umsatz von vier bis fünf Millionen Euro, letzthin reduzierte sich der Umsatz auf ein bis zwei Millionen Euro jährlich. 

„Ich war vorwiegend im Ausland tätig, speziell in der Hotellerie in München“, so Kiem. Er nennt nur einige Prjekte: „Ich habe beispielsweise im Bayrischen Hof oder im Edelrestaurant Tantris Aufträge ausgeführt.“ In der Allianz Arena hat er zwei Räume eingerichtet. In Berlin hat er ein Hotel mit 360 Zimmern ausgestattet. 

Dann ist der Betrieb in finanzielle Schwierigkeiten geraten, seit 16. März 2018 ist Firma Kiem Innenausbau in Konkurs.

An diesen Entwicklungen gibt er auch dem Anwalt Christian Untermarzoner von der Anwaltssozietät Wörndle & Partner die Schuld. Untermarzoner hat Kiem in einem Streitfall vor Gericht vertreten. 

Dabei ging es um eine beanstandete Lieferantenschuld, wobei der Tischler einem Subunternehmen einen Teil der Zahlungen streitig machen wollte, da dieser bestehende Mängel nicht behoben hat. 

„Doch das 180 Seiten umfassende Faszikel war beim Prozess – wie auch aus dem Urteilsspruch hervorgeht – nicht in den Akten“, so Kiem. 

Der Unternehmer hat den Prozess nicht nur beim Bozner Landesgericht, sondern auch in zweiter Instanz, beim Oberlandesgericht in Trient verloren.

Untermarzoner hat daraufhin sein Mandat zurückgelegt. 

„Aufgrund dieser Sache ist mein Unternehmen heute in Konkurs und ich bin ein Wrack geworden“, behauptet Kiem.

Weil er sich nicht korrekt vertreten fühlte, wollte Kiem bei der Anwaltskammer Disziplinarmaßnahmen gegen Untermarzoner erreichen – wegen des Honorars. Die Anwaltskammer hat den Antrag jedoch archiviert. 

Jetzt wird der Unternehmer verdächtigt, seinem Zorn auf eine andere Art und Weise Luft gemacht zu haben.

Am Sonntagabend, gegen 20.00 Uhr, hat eine Person vor der Kanzlei Wörndle & Partner einen Lieferwagen abgestellt und das Gaspedal mit einem Besenstiel blockiert. Fahrerlos krachte das Fahrzeug dann mit voller Wucht in die Kanzlei. Die beiden großen Fensterscheiben wurden zertrümmert, die Mauer eingedrückt und die Heizung zerstört. Das Fahrzeug erlitt einen Totalschaden. Der Sachschaden wird auf rund 10.000 Euro geschätzt.

Untermarzoner wurde von einem Nachbarn avisiert. Als der Anwalt wenig später selbst vor Ort eintraf, bot sich ihm ein Bild der Verwüstung. Er erstatte bei den Carabinieri Anzeige. Der Lieferwagen wurde beschlagnahmt und abgeschleppt. Eine Baufirma hat das große Loch notdürftig mit Holzwänden abgeriegelt.

Unter Verdacht steht nun der Besitzer des zerstörten Lieferwagens.

Am Dienstagnachmittag wurde Kiem in die Kaserne der Carabinieri zitiert: „Es war ein kurzes Gespräch. Nach 15 Minuten war ich wieder weg“, sagt der Tischler gegenüber der TAGESZEITUNG.

Hat er den Anschlag verübt? „Ich war es nicht“, betont er. „Ich weiß auch nicht, ob es mein Lieferwagen war. Man hat mir zwar das Autokennzeichen gesagt, aber wer weiß dieses schon auswendig. Ich weiß es nicht.“

Außerdem: „Wie hätte ich den Anschlag verüben sollen? Mein Betrieb ist in Konkurs, die Finanzwache hat mir meinen Lieferwagen von Amts wegen schon vor zwei Monaten beschlagnahmt. Ich weiß nicht mal, wo das Auto abgestellt wurde.“

Dass nun gerade er ins Visier der Ermittler geraten ist, ärgert ihn besonders: „Aber ich werde um mein Recht kämpfen“, so der Tischler. 

Sein Resümee: „Der Schwächere verliert und wenn es notwendig ist, versucht man ihm noch einen Anschlag anzulasten, um ihn aus dem Weg zu räumen.“

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