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Die Rache des Mandanten

Anschlag auf die Rechtsanwaltskanzlei Wörndle & Partner in Klausen: Ein Lieferwagen krachte am Sonntagabend in die Büroräumlichkeiten. Die Hintergründe. 

von Erna Egger 

Es ist seit Tagen das Stadtgespräch in Klausen: Seit vorvergangenen Sonntagabend sind die beiden großen Fensterscheiben sowie die Mauer und die Heizung bei der Rechtsanwaltskanzlei Wörndle & Partner im Ortsteil Langrein zertrümmert. Ein Gewaltakt war verübt worden. Notdürftig wurde die Öffnung mit einer Holzwand abgesperrt.

Was war geschehen?

Der Anwalt Christian Untermarzoner will sich zu den Vorfällen nicht äußern. „Dazu gibt es nichts zu sagen“, blockt er ab und ist zu keiner weiteren Auskunft bereit.

Die Ereignisse am vorvergangenen Sonntag dürften ihn schockiert haben.

Gegen 20.00 Uhr hat – laut Informationen der TAGESZEITUNG – eine Person vor der Kanzlei einen Lieferwagen abgestellt und das Gaspedal mit einem Besenstiel blockiert. Fahrerlos krachte das Fahrzeug dann mit voller Wucht in die Kanzlei. Auch eine Mauer in Höhe von rund 50 Zentimetern konnte den Schwung nicht abbremsen. Die beiden großen Fensterscheiben der Kanzlei wurden zertrümmert, die Mauer eingedrückt und die Heizung zerstört. Am Fahrzeug entstand Totalschaden.

Ein Nachbar, aufgeschreckt durch den lauten Krach, verständigte schließlich den Anwalt per Telefon und ließ ihn wissen, dass „ein Lieferwagen in seiner Kanzlei steckt“.

Als Anwalt Christian Untermarzoner wenig später selbst vor Ort eintraf, bot sich ihm ein Bild der Verwüstung. Er erstatte bei den Carabinieri Anzeige. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Der Lieferwagen wurde beschlagnahmt und abgeschleppt. Eine Baufirma hat noch am Sonntagabend das große Loch mit Holzwänden abgeriegelt.

Aber wer steckt hinter dem Anschlag? Unter Verdacht steht zurzeit der Besitzer des zerstörten Lieferwagens, der seitdem scheinbar nicht mehr auffindbar ist. Dabei handelt es sich um einen Eisacktaler Unternehmer, dessen Tischlereibetrieb mittlerweile in Konkurs gegangen ist.

Untermarzoner hat den Unternehmer vor Gericht anwaltlich vertreten.

Es ging um eine Zahlungsforderung von 150.000 Euro, die ein Kunde aus Ratschings nicht begleichen wollte.

Der Unternehmer hat den Prozess nicht nur beim Bozner Landesgericht, sondern auch in zweiter Instanz, beim Oberlandesgericht in Trient, verloren.

Untermarzoner hat daraufhin sein Mandat zurückgelegt.

Der Zorn des Handwerkers über den ungünstigen Prozessausgang richtete sich schließlich gegen den Anwalt.

Er hat deshalb die Anwaltskammer ersucht, gegen Christian Untermarzoner Disziplinarmaßnahmen einzuleiten. Die Kammer hat den Antrag nicht weiter behandelt.

Jetzt wird vermutet, dass der Mann seinem Zorn am Sonntagabend mit recht unorthodoxen Aktionen Luft gemacht hat.

Er wird verdächtigt, seinen Lieferwagen manipuliert zu haben, der infolge in die Kanzlei in Klausen gerast ist.

Der Sachschaden wird auf rund 10.000 Euro geschätzt. Verletzt wurde glücklicherweise niemand. Ein großes Glück, zumal sich die Kanzlei ebenerdig in einem Kondominium mitten in einer Wohnsiedlung befindet.

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