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Mehr befristete Jobs

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In Südtirols Wirtschaft sehe es allgemein gut aus – so nehmen es die Arbeitnehmer selbst wahr. Fragt man jedoch nach ihrer persönlichen Situation, so erhält man andere Antworten.

von Ariane Perktold

Das Arbeitsförderungsinstitut AFI untersuchte die Stimmung der Südtiroler Arbeitnehmer im Sommer 2018. Das Ergebnis: „schön, aber wechselhaft“.

Die wirtschaftliche Situation Südtirols wird von den meisten Arbeitnehmern als positiv betrachtet – die persönliche Situation nicht unbedingt.

Im zweiten Quartal dieses Jahres waren in Südtirol 204.428 Arbeitnehmer beschäftigt. Innerhalb des letzten Jahres gab es Beschäftigungszuwachs in allen Sektoren. Einen ausschlaggebenden Zuwachs gab es bei den befristeten Jobs: Diese stiegen mit einem Plus von fast 11 Prozent deutlich stärker an als die unbefristeten mit einem Zuwachs von 0,7 Prozent.

Die Arbeitnehmer in der Landwirtschaft sind laut AFI zuversichtlicher als im Vorjahr. Die Landwirtschaft ist mit 8.287 unselbstständig Beschäftigten ein kleiner Sektor für Arbeitnehmer und zudem von Saisonarbeit gekennzeichnet: Fast 70 Prozent der Arbeitsverträge sind befristet.

Im Verarbeitenden Gewerbe sind zurzeit 32.921 Arbeitnehmer beschäftigt. In dieser Kategorie gab es innerhalb des letzten Jahres einen Zuwachs von 1.010 Personen. Fast 80 Prozent der Beschäftigten in diesem Sektor sind Männer. Das Arbeitsverhältnis ist in 85 Prozent der Fälle unbefristet. Laut Arbeitsförderungsinstitut beobachten die Arbeitnehmer eine positive Entwicklung: „Noch nie vorher hielten es die Arbeitnehmer im Verarbeitenden Gewerbe für so leicht, einen gleichwertigen Job zu finden.“

Im Baugewerbe sind derzeit 17.256 Arbeitnehmer tätig: 5,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Arbeitnehmer im Baugewerbe sind bezüglich der Entwicklung ihrer Branche die zuversichtlichsten Arbeitnehmer in Südtirol – zu ihrer persönlichen Situation geben sie jedoch die schlechtesten Einschätzungen ab. Viele befürchten, mit ihrem Lohn nicht über die Runden zu kommen.

Im Handelssektor ist die Situation vergleichsweise entspannt. Fast 14 Prozent der Südtiroler Arbeitnehmer, 28.455 Personen, sind beruflich im Handel tätig. Von diesen sind 80 Prozent fest angestellt. Die Beschäftigung hat in diesem Bereich innerhalb des letzten Jahres zugenommen. Auch in diesem Sektor sehen die Arbeitnehmer die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung positiv, im Bezug auf ihre eigene Branche schätzen sie die Situation aber nur sehr verhalten ein.

13 Prozent der Arbeitnehmer arbeiten im Hotel- und Gastgewerbe. Die Zahl von Beschäftigten, im Moment sind es 26.272, wächst: im Vergleich zum Vorjahr um fast 7 Prozent. Rund zwei Drittel der Arbeitnehmer haben einen befristeten Arbeitsvertrag: Diese Zahl steigt mit einem Wachstum von 11 Prozent deutlicher an als die der unbefristeten. Im Gastgewerbe gibt es schon seit geraumer Zeit die Tendenz dazu, feste Arbeitsverhältnisse durch befristete zu ersetzen. „Dieser Trend steht in der Kritik , über rein saisonale Erfordernisse hinauszugehen“, informiert das Arbeitsförderungsinstitut AFI.

Im Öffentlichen Sektor arbeiten rund 53.463 Südtiroler, also 26 Prozent der Arbeitnehmer. In dieser Branche kamen mit 985 Personen weniger neue Beschäftigte hinzu als in den anderen. „Entgegen der landläufigen Meinung von der festen Beamtenstelle sind 22,4 Prozent der öffentlichen Stellen befristet“, erklärt das Arbeitsförderungsinstitut. Die Arbeitnehmer fürchten in diesem Sektor zwar nicht, den Arbeitsplatz zu verlieren, sind aber besorgt, wenn es um darum geht, den Job zu wechseln.

Der Sektor Private Dienstleistungen ist laut AFI der „vielleicht prekärste Sektor der Südtiroler Wirtschaft“. Warum? Die Stimmung der 37.775 Arbeitnehmer geht in entgegengesetzte Richtungen: Auch hier wird die allgemeine wirtschaftliche Lage Südtirols als positiv bezeichnet, um den eigenen Arbeitsplatz mache man sich aber Sorgen. Fast 22 Prozent der Arbeitsverhältnisse sind befristet und haben im Jahresvergleich von 1.163 Einheiten auf 8.173 zugenommen. Laut Arbeitsförderungsinstitut bleibt auch hier die Frage offen: Sind befristete Anstellungen ein einfaches Mittel der Kostensenkung geworden?

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