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Erschöpfte Pfleger

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Das Arbeitsförderungsinstitut AFI hat eine landesweite arbeitspsychologische Erhebung durchgeführt, in der die Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte in den Südtiroler Senioren- und Pflegeheimen untersucht wurden.

Das Ergebnis der Untersuchung zeigt, dass 60 Prozent aller Pflegekräfte zufrieden sind mit ihrer Arbeit und das Gefühl haben sich verwirklichen zu können, außerdem wurde das Arbeitsklima weitgehend positiv bewertet. Als größtes Problem und Risiko, wird die Erschöpfung und das Ausgebrannt-Sein infolge einer intensiven und gründlichen Arbeit genannt. In Zahlen bedeutet das: „32 Prozent der Pfleger weisen erhöhte Erschöpfungswerte und weitere 16 Prozent erhöhte körperliche Stress-Symptome auf“, erklärt AFI-Direktor Stefan Perini. Vor allem jüngere Pflegekräfte weisen diese Erschöpfungszustände auf, 37 Prozent der unter 30-Jährigen geben zudem an, dass sie ihren Beruf gerne wechseln würden. Der Zeitdruck und die Arbeitsmenge seien eine zusätzliche Belastung. 40 Prozent der Pflegekräfte stufen diese Belastung als hoch ein.

Wenn es um Verbesserungsmöglichkeiten der Arbeitsbedingungen in Seniorenwohnheimen geht, erwähnen Fachpersonen vor allem den Handlungsspielraum, abwechselnde Arbeitsaufgaben, die Art der Weitergabe von Informationen im Betrieb und die Planbarkeit von Arbeits- und Freizeit.

Der Einsatz des vom Gesetz vorgesehenen psychophysischen Erholungsurlaubs sei in der Praxis aus diversen, vor allem organisatorischen und verwaltungstechnischen Gründen oft nur schwer möglich. AFI-Direktor Stefan Perini ist überzeugt, dass es mehr Personal und weniger Bürokratie brauche, denn gute Pflege sei davon abhängig, wie viel Zeit eine Pflegekraft „am Mensch“ verbringen kann.

„Die Qualität der Pflege steht und fällt mit den Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte“, betont Stefan Perini. Der Personalschlüssel müsse an neue Gegebenheiten und Situationen angepasst werden. Außerdem sei es wichtig, so Perini, die Gründe für den häufigen Wunsch nach einem Berufswechsel bei den jungen Fachkräften zu verstehen, um in angemessener Art und Weise gegensteuern zu können.

Soziallandesrätin Martha Stocker betont, dass die Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte optimal gestaltet werden müssen, damit diese ihre Arbeit mit Hingabe verrichten können: „Der wahre Goldschatz für den gesamten Pflegebereich sind die Menschen, die täglich so viel Wertvolles leisten. Gute, professionelle Pflegekräfte sind eine wichtige Ressource für unsere alternde Gesellschaft.“ Die Landesrätin unterstreicht, dass Abläufe und Prozesse genau beobachtet und immer wieder den Anforderungen angepasst werden müssen. „Dazu müssen wir sowohl in ihre Aus- und Weiterbildung als auch in Organisationsentwicklung in den Strukturen investieren“, so Martha Stocker.

 

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Kommentare (4)

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  • kira2000

    Na dann Frau Stocker, gehen Sie‘s an – ein bisschen Zeit haben Sie ja noch, denn in den letzten Jahren ist nicht viel verbessert worden!

  • ahaa

    Als ich ein Kind war,kostete die erste Hilfe nichts.Es war die Rede das auch der Zahnarzt von der Krankenkasse ùbernommen wird.Wie z..B. in Oesterreich.Und dann kam der Saurer und Co und versauten alles! Stocker fùhrte es weiter!

  • herrbergsteiger

    statt Krankenschwester/Pfleger besser zu entlohnen und damit diesen Berufszweig attraktiver zu gestalten, holen die Verantwortlichen Pflegepersonal aus Rumänien und Bulgarien etc. gerade so, als ob diese Länder ihr Pflegepersonal nicht selber benötigen würden.

    Es gibt bei uns kaum einen Berufszweig, der im Verhältnis zu erbrachten Leistung und Verantwortung so miserabel entlohnt wird.

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