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„Allen sehr nahe gegangen“

Geburtshilfe-Primar Herbert Heidegger über den mysteriösen Tod eines neugeborenen Mädchens im Meraner Krankenhaus.

Tageszeitung: Herr Primar, weiß man inzwischen mehr über den unerklärlichen Tod des Babys im Kreißsaal in Meran vor wenigen Tagen?

Herbert Heidegger: Nein, leider nicht. Im Zuge der Autopsie werden auch histologische Untersuchungen vorgenommen, die längere Zeit dauern. Bis dahin sind keine gesicherten Erkenntnisse möglich.

Wie häufig sind solche Fälle?

In dieser Form sind sie sehr selten. In München, wo eine der größten und bekanntesten Frauenkliniken steht, gab es zwei ähnlich gelagerte Fälle. Dort haben sich die Lungen aus genetischen Gründen nicht richtig ausbilden können. Aber das ist wie gesagt reine Hypothese. In diesem konkreten Fall am Meraner Krankenhaus handelte es sich um eine ganz normale Schwangerschaft und Spontangeburt, das Kind war im Ultraschall sehr genau kontrolliert worden und es waren auf den ersten Blick auch keine Fehlbildungen feststellbar.

Die Staatsanwaltschaft untersucht nun die näheren Umstände …

Ja, und das ist auch ganz in unserem Sinne. Auch wir möchten verstehen, was hier geschehen ist. Das gesamte Team ist schockiert, weil wir es uns nicht erklären können. Die Stimmung ist gedrückt. Dieser plötzliche Tod des Kindes ist allen sehr nahe gegangen. Wir haben auch gemeinsam darüber diskutiert, ob wir etwas falsch gemacht haben und sind alle Abläufe noch einmal durchgegangen. Aber ich wüsste nicht, was wir anders hätten machen sollen. Die Schwangerschaft war völlig normal, die Geburt ebenso und es waren sofort mehrere sehr erfahrene Neonatologen an Ort und Stelle.

Glauben Sie, dass die weiteren Laboruntersuchungen definitiv Klarheit über die Todesursache geben werden?

Ich hoffe es, es wäre sehr wichtig für alle Beteiligten. Für uns als Team ebenso wie natürlich für die Familie, die schwer traumatisiert ist. Der Tod des Kindes ist für eine Mutter das schlimmste, das passieren kann. Ich verstehe ihr Bedürfnis nach Aufklärung daher sehr wohl und unterstütze es auch.

Interview: Karin Gamper

LESEN SIE IN DER HEUTIGEN PRINT-AUSGABE: 

Karin hat in der 34. Schwangerschaftswoche ihr Kind verloren. Die Sternenmutter erzählt, wie sie mit diesem Schicksalsschlag umgeht. 

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