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Unerwünschte Nachbarn

 

innichen drususkaserne 2Direkt neben dem Hotel Walter in Innichen werden in wenigen Monaten 40 Flüchtlinge Quartier beziehen. Was der Besitzer davon hält. Und welche Sorgen und Ängste auch nach dem Informationsabend bleiben.

von Silke Hinterwaldner

1972 hat Walter Fortarel damit begonnen, einen eigenen Betrieb in Innichen aufzubauen. Heute führt seine Familie direkt an der Pustertaler Straße ein kleines Hotel und ein Restaurant. Seit einigen Jahren denkt Walter Fortarel daran, den Betrieb zu erweitern, ein paar Hotelzimmer dazuzubauen. Immerhin: Noch in diesem Jahr wollte er mit den Umbauarbeiten beginnen.

Aber jetzt stellt er alles wieder in Frage.

Das hat einen einfachen Grund: In direkter Nachbarschaft zu seinem Hotel liegt die ehemalige Drususkaserne. Dort sollen bereits in wenigen Monaten 40 Flüchtlinge aus Afrika zumindest zeitweise untergebracht werden.

Für Walter Fortarel ist das ein Umstand, der untragbar ist.

Er fürchtet sich davor, dass die Gäste ausbleiben, dass die Kleinkriminalität steigt, dass man sich in Innichen und ganz besonders in der Nähe seines Betriebes nicht mehr sicher fühlen könnte.

All das hat er bei der Bürgerversammlung am Montagabend im Reschhaus in Innichen auch gesagt. Aber die Landesregierung wird wohl trotzdem an der Entscheidung festhalten und in diesem Nebengebäude der Kaserne die Flüchtlinge unterbringen.

„An dieser Entscheidung ist nicht mehr zu rütteln“, sagt auch Bürgermeisterin Rosmarie Burgmann. Seit zehn Tagen wissen die Innichner, dass nach Vintl und Bruneck auch bei ihnen ein Quartier für Flüchtlinge errichtet wird. Weitere im gesamten Pustertal werden dazukommen, fehlt doch noch Platz für rund 110 Flüchtlinge.

Bei der Informationsveranstaltung am Montag war schnell klar, welche Sorgen und Ängste die Innichner plagt. Dabei unterscheiden sich die Diskussionen dort nicht sonderlich von jenen in anderen Gemeinden, wo bereits Flüchtlinge untergebracht wurden. „Es wird sehr emotional debattiert“, sagt die Bürgermeisterin.

Aber im Großen und Ganzen verlief der Informationsabend mit Landesrätin Martha Stocker, Caritas-Chef Franz Kripp und Luca Critelli, dem Direktor der Abteilung Soziales, durchaus gesittet. Anwesend waren auch freiwillige Helfer aus Bruneck, die sehr eindrucksvoll über die Situation im dortigen Josefsheim berichteten. Ihr Appell: offen sein für Neues und den Menschen, die ankommen, eine Chance geben.

Aber viele tun sich damit in Innichen immer noch schwer. „Wir konnten auf manche Fragen eine Antwort geben“, sagt Bürgermeisterin Burgmann, „aber alle Sorgen und Ängste verschwinden damit nicht automatisch.“ Die Gemeinde wollte zumindest erreichen, dass mit der Ankunft der Flüchtlinge erst nach den Sommermonaten zu rechnen ist. Aber auch dafür bekam man keine festen Zusagen.

Zurück zu Walter Fortarel und seinem Hotel. „Wir leben hier vom Tourismus“, sagt er, „das ist die Grundlage für fast alle hier. Das dürfen wir nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.“ Er kann noch immer nicht verstehen, warum gerade in diesem Gebäude nahe der Kaserne in Innichen Flüchtlinge untergebracht werden sollen.

Er kann nicht verstehen, wieso man die Geburtenabteilung im Krankenhaus schließt und gleichzeitig hier viel Geld ausgibt, um den Flüchtlingen eine Unterkunft zu verschaffen. Und immer wieder stellt er sich die Fragen: „Wer übernimmt die Verantwortung, wenn etwas passiert? Wer kann uns Sicherheit garantieren? Wer bezahlt, wenn Schaden entsteht?“

 

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