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    Nach dem alten Hans …

    gruene-karussellBei den Grünen läuft die Suche nach KandidatInnen für die nächsten Landtagswahlen bereits auf Hochtouren. Wie das grüne Spitzen-Trio für 2018 aussehen könnte. Und: Wer die interessantesten Newcomer sind.

    von Artur Oberhofer

    Sie gehört zweifelsfrei zur Kategorie der Unterschätzten. Zwar zog Brigitte Foppa im Herbst 2013 mit einem Bomben-Vorzugsstimmenergebnis (9.270 Stimmen) in den Südtiroler Landtag ein. Doch nur wenige ParteifreundInnen trauten der Politikerin aus Montan zu, dass sie zur unbestrittenen grünen Leitwölfin wachsen könnte. Der Tenor hinter vorgehaltener Hand war damals: Eine fleißige Gemeinderätin (in der Landeshauptstadt Bozen), aber ob das für das Hohe Haus reicht?

    Brigitte Foppa hat die Skeptiker und Nörgler in den eigenen Reihen eines Besseren gelehrt. Die 48-jährige, gelernte Weiterbildungs- und Lernberaterin ist inzwischen die unangefochtene Nummer 1 bei den Grünen. Kompetent. Schlagfertig. Kreativ. In Medienauftritten souverän. Brigitte Foppa ist die Oppositionspolitikerin, die am sichersten im Sattel sitzt. „Sie hat einen ausgezeichneten Job gemacht“, heißt es aus ihrer engsten Umgebung gleichlautend.

    Somit ist jetzt schon klar: Brigitte Foppa, die Mutter zweier Kinder ist, wird bei den Landtagswahlen 2018 die Spitzenkanditen der Grünen sein.

    Und es gibt einen zweiten Fixpunkt: Hans Heiss, der bei den Wahlen 2013 über 12.700 Vorzugsstimmen bekommen hat, macht definitiv Schluss. „Ich werde 2018 mit absoluter Sicherheit nicht mehr antreten“, sagt der Historiker gegenüber der TAGESZEITUNG. Der 64-Jährige wird jedoch aktiv an der KandidatInnen-Suche mitmischen. So hat sich Hans Heiss fest vorgenommen, seinen Kollegen Riccardo Dello Sbarba zu beknien.

    Der Hintergrund: Bei den Grünen gibt es keine Mandatsbeschränkung, aber dennoch gab es bereits 2013 einen sanften Druck auf Dello Sbarba, er möge, bitteschön, Jüngeren Platz machen.

    Nun ist die Situation folgende: Riccardo Dello Sbarbas Wunsch wäre, nach drei Amtsperioden seine politische Laufbahn zu beenden, heißt es aus seinem engsten Umfeld. Allerdings: Das grüne Boot hat längst eine deutsche Schlagseite, es gibt keine/n logische/n NachfolgerIn für Dello Sbarba, auch wenn die Bozner Gemeinderätin Chiara Rabini und auch Stadträtin Maria Laura Lorenzini, so heißt es, durchaus Ambitionen hätten, als italienische „Quotenfrauen“ in den Landtag einzuziehen.

    Hans Heiss sagt denn auch ganz offen: „Riccardos Rolle als italienischer Mandatar ist für uns Grüne enorm wichtig, er hat (mit 8.431 Vorzugsstimmen) mehr Stimmen bekommen als Cristian Tommasini und Roberto Bizzo, es wäre mein Herzenswunsch, ihn nochmals zu beknien“, so Heiss.

    Riccardo Dello Sbarba, der aus Volterra in der Toskana stammt, ist inzwischen 62 Jahre alt.

    Nach derzeitigem Stand der Dinge könnten also zwei der drei amtierenden Grünen-Mandatare 2018 erneut antreten.

    Aus dem engsten Umfeld von Brigitte Foppa verlautet, dass sie und Hans Heiss insbesondere im bürgerlichen Lager fischen wollen.

    Hans Heiss hat einen persönlichen Wunschkandidaten für seine Nachfolge, auch wenn er das nicht so offen sagt: Es ist der ehemalige Klimahaus-Macher und Grünen-Kandidat bei den Wahlen in Bozen Norbert Lantschner.

    Hans Heiss sagt nur soviel: „Norbert Lantschner wäre sicher ein guter Kandidat., mit dem wir bereits bei den Gemeinderatswahlen gut aufgestellt waren.“ Und er fügt noch hinzu: „Wir sind auf der Suche nach KandidatInnen, die die bürgerliche Aura abdecken, die der alte Hans eingenommen hat.“

    Brigitte Foppa, Riccardo Dello Sbarba und Norbert Lantschner: So könnte also das grüne Spitzentrio für 2018 heißen.

    An grünen Stammtischen wurde auch spekuliert, dass der Meraner Bürgermeister Paul Rösch in die Landespolitik wechseln könnte. Hans Heiss hält dies für „sehr unwahrscheinlich“. Hans Heiss hofft, dass Rösch 2020 wieder für das Bürgermeister-Amt kandidiert und spendet Weihrauch in den Westen: „Paul Rösch sieht sich seiner Stadt und seinen WählerInnen verpflichtet und ist für Meran unverzichtbar.“

    Er als „Elder Statesman“, so Hans Heiss, wolle in den nächsten Monaten gemeinsam mit Brigitte Foppa versuchen, „sorgfältig eine Liste zu komponieren, die auch die junge und neue Generation widerspiegelt“.

    Das bedeutet im Umkehrschluss: Grüne Seit-jeher-Kandidaten wie Rudi Benedikter sind nicht gefragt. Wohl aber die jüngeren Kaliber. So drängt in Bozen der grüne Gemeinderat Tobias „Tobe“ Planer (der 2013 mit über 2.600 Vorzugstimmen erster Nichtgewählter war) in den Landtag. Auch der Meraner Gemeinderat Johannes Ortner gilt in der grünen Kommandozentrale als „interessante und erfrischende Präsenz“. Hans Heiss schweben Typen vor, die sich – wie er schmunzelnd sagt – „so zwischen Hippy, Piraten und Grillini bewegen“.

    Es gibt Grünen-Aktivisten, die sich auch vorstellen könnten, dass der ehemalige TAGESZEITUNG-Journalist Christoph Franceschini, der jahrelange Oppositionserfahrung im Eppaner Gemeinderat hat, im reifen und abgeklärten Alter die Fronten wechseln könnte. Doch Franceschini winkt ab: „Nein, danke! Ich kann darüber nur lachen.“

    Ähnliches gilt für Florian Kronbichler, den Ex-Journalisten, den es mit dem SEL-Ballon in die Abgeordnetenkammer getragen hat.

    Doch auch Kronbichler erklärt, er wollte nicht für Landtag kandidieren.

    Auf Anfrage der TAGESZEITUNG erklärte er, sein Ausflug in die Politik sei eine „einmalige Erfahrung“.

    Florian Kronbichler wörtlich:

    „Ich habe mich bemüht und ich habe mich für jeden Tag meines Parlamentarierlebens gefreut. Das tue ich weiterhin, ob die Legislatur bald aufhört oder bis zu ihrem natürlichen Ende findet, egal. Dann kandidiere ich nicht mehr. Gründe dafür nenne ich keine, dann man soll nie begründen, wenn man Nein sagt.“

     

     

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