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    Der Seiltänzer

    Der Seiltänzer

    Slackliner Benjamin Kofler über seinen Versuch, beim Straßenkunstfestival „Asfaltart“ über die Dächer Merans zu balancieren und damit einen Weltrekord aufzustellen.

    TAGESZEITUNG Online: Herr Kofler, was haben Slackliner und Straßenkünstler gemeinsam?

    Benjamin Kofler: Richtige Künstler sind wir zwar nicht, aber Slacklining hat viel mit Akrobatik zu tun. Und Akrobatik wiederum ist fester Bestandteil von Asfaltart. Wir sind ein bisschen wie moderne Seiltänzer.

    Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine Slackline zwischen der Meraner Pfarrkirche und dem Pulverturm zu begehen?

    Ich bin bereits vor zwei Jahren bei Asfaltart aufgetreten, damals auf einer zirka 30 Meter langen Slackline zwischen dem Kurhaus und der gegenüberliegenden Straßenseite. Heuer haben die Asfaltart-Organisatoren vorgeschlagen, zum zehnjährigen Jubiläum eine Slackline zwischen dem Pfarrturm und dem Zenoturm zu spannen. Wir haben uns die Strecke angeschaut, diese besprochen und um eine Genehmigung angesucht. Erst später haben wir etwas recherchiert und herausgefunden, dass es die bisher längste Highline im urbanen Raum ist.

    Sie sind auf zirka 70 Meter Höhe unterwegs. Ist es für Sie ein Unterschied, ob Sie zwischen zwei Bergspitzen balancieren oder zwischen zwei Bauwerken?

    Das kommt darauf an. Die Höhe selbst ist nicht ausschlaggebend. Sie wirkt jedoch zwischen zwei Bauwerken oder z.B. bei der Überquerung einer Schlucht extremer, weil man sich seitlich auf nichts fixieren kann. Dadurch nimmt man die Höhe intensiver wahr. Auch die Streckenlänge ist in Meran extremer. Ich brauche schätzungsweise 20 bis 30 Minuten, um von einem Turm zum anderen zu gelangen. Die ganze Zeit konzentriert zu bleiben ist eine Herausforderung.

    Haben Sie den Segen des Dekans?

    (lacht). Ich hoffe es. Mit ihm persönlich habe ich nicht gesprochen, aber der Pfarrausschuss ist begeistert.

    Sind Sie gesichert?

    Ja, neben der Slackline selbst wird getrennt ein Sicherungsseil gespannt. Sollte ich abstürzen, falle ich maximal drei Meter.

    Wo trainieren Sie?

    Am Wochenende in den Bergen.

    Was ist Ihr bisheriger persönlicher Rekord?

    Zirka 115 Meter Länge und 500 Meter Höhe.

    Haben Sie ein mulmiges Gefühl, wenn Sie an die vielen Zuseher denken?

    Nein, im Gegenteil. Wenn mir viele Menschen zusehen, motiviert mich das.

    Interview: Karin Gamper

    Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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