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„Das war absehbar“

schuler kastLandesrat Arnold Schuler zeigt sich über die Sperrung des Latschander Waalweges durch einen Kastelbeller Bauer nicht verwundert. Was er zum Vinschger Präzedenzfall sagt.

von Karin Gamper

Über die Vorgeschichte hat TAGESZEITUNG Online gestern berichtet: Ein Landwirt aus Kastelbell untersagt seit Mitte April den Durchgang durch seine Obstplantage. Weil das betreffende Grundstück am Latschander Waalweg liegt, ist die durchgehende Begehbarkeit des beliebten Spazierweges nicht mehr möglich. Der Waalweg muss umgeleitet werden, was bereits zu ersten Protesten geführt hat. Der Obstbauer beruft sich u.a. auf die neuen Spritzmittel-Bestimmungen und die damit zusammenhängenden Abstands- und Wiedereintrittszeiten.

Kurzum: der Bauer möchte sein Grundstück in Ruhe bewirtschaften und beim Ausbringen der Pestizide nicht mit Wanderern kollidieren.

Agrarlandesrat Arnold Schuler zeigt sich überhaupt nicht verwundert über das Vorgehen des Bauern. „Es war zu erwarten, dass es früher oder später dazu kommen würde“, sagt Schuler. Die Möglichkeit, dass die Bauern Durchgangsverbote verhängen, sei bei allen Aussprachen über den Spritzmittel-Einsatz thematisiert worden. „Ich habe alle Hände voll zu tun gehabt, die Landwirte zu besänftigen und von diesem drastischen Schritt abzuhalten“, so Schuler, der glaubt, dass die Sperrung von Wanderwegen zum Nachteil aller sei.

Der Landesrat sagt allerdings auch klar und deutlich: „Die Angriffe auf die Landwirtschaft haben ein nicht mehr annehmbares Ausmaß angenommen“. Während im städtischen Bereich und bei der Bekämpfung der Tigermücke der Einsatz von Pestiziden anstandslos geduldet wird, werde auf die Obstbauern aus vollen Rohren geschossen. „Ich kann daher den Frust der Landwirte sehr gut verstehen“, sagt der Landesrat, der betont: „Bisher haben alle vernünftig nebeneinander ein Auskommen gehabt und alle – Tourismus, Landwirtschaft, Gesellschaft – haben voneinander profitiert“.

Nun müsse Südtirol aufpassen, dass man nicht Regeln erlasse, die keinen Spielraum mehr lassen. „Wenn alle Bauern ihre Grundstücke sperren, dann haben wir ein Problem“, so Schuler. Denn: Viele Wanderwege in Südtirol verlaufen mitten durch Obstplantagen oder gar unter Rebanlagen hindurch. „Gerade das macht den Reiz des Landes aus“, so Schuler, dessen Assessorat derzeit an der Umsetzung des staatlichen Interventionsplans arbeitet.

Für Schuler lautet die Frage jetzt: Wie kommen wir in Zukunft alle miteinander aus? Und er meint abschließend: „Wenn wir hier keine Lösung finden, dann wird’s schwierig“.

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