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„Schrei nach Hilfe“

„Schrei nach Hilfe“

Nun meldet sich auch Bischof Ivo Muser zu Wort: Europa brauche gemeinsame Lösungen und keine neuen Grenzen.

Am Brenner sind die Bagger aufgefahren.

Nun meldet sich auch Bischof Ivo Muser zu Wort: Europa brauche gemeinsame Lösungen und keine neuen Grenzen, so der Oberhirte.

In einer Aussendung am Mittwoch schreibt der Bischof:

„Wenn Menschen in ihrer Heimat eine Zukunft erkennen könnten, würden sie sich nicht auf den lebensgefährlichen Weg in Richtung Europa machen. Deshalb gilt es verstärkt in die Hilfe in ihren Heimatländern zu investieren und Rahmenbedingungen zu schaffen, damit sie im eigenen Land in Frieden und in Freiheit leben können.
Die Flüchtlingsströme aus Ländern, wo ein Leben in Frieden und Freiheit nicht möglich ist, sind keine Welle für einige Monate, sondern eine Massenbewegung für Jahre. Dass vielerorts Ängste, Ratlosigkeit und Überforderung im Umgang mit den Flüchtlingen aufkommen, ist verständlich. Diese Ängste dürfen aber nicht als politisches Feindmittel benutzt werden. Einfache Lösungen gibt es nicht. Ich bin fest davon überzeugt, dass nur ein gesamteuropäischer Einsatz das Flüchtlingsproblem löst.

Flüchtlingshilfe, eine europäische Herausforderung

Für Europa ist diese Herausforderung machbar. Wenn sich einzelne Länder einigeln und damit die gemeinsame Verantwortung an einige wenige abschieben, werden es diese wenigen aber auch nicht mehr schaffen. Entweder wir bewältigen diese Herausforderung gemeinsam, dadurch dass wir sie als eine europäische Angelegenheit betrachten, oder wir scheitern daran, weil nur auf das Interesse des eigenen Staates geschaut wird und damit einzelne Mitgliedsstaaten der EU allein gelassen werden.

Grenzzäune, nationalstaatliche Interessen, die Unterscheidung zwischen uns und den anderen, zwischen den Einheimischen und den Fremden, schüren Ängste und bauen Barrieren in unseren Köpfen und Herzen auf. Meine Sorge bei den geplanten Initiativen am Brenner ist in erster Linie nicht jene, dass darunter die Wirtschaft und der Tourismus leiden könnten, sondern es geht mir um jene Frauen, Männer, Kinder auf der Flucht, die unsere Hilfe brauchen. Ihr Schrei nach Hilfe – ihre Flucht ist nichts anderes! – verlangt unser offenes Ohr, unser offenes Herz. Was bringt es uns, ein „Jahr der Barmherzigkeit“ zu feiern, wenn wir hartherzig gegenüber dem Nächsten sind?!

Flüchtlingshilfe, ein Auftrag für uns als Christen

Menschen in Not muss geholfen werden. Das ,Wie‘ gilt es sachlich und nüchtern anzugehen.

Nachhaltige Flüchtlingshilfe beginnt aber zuerst beim Bewusstsein, dass diese Flüchtlinge unsere Mitmenschen sind, die unsere Hilfe brauchen. Von Herzen danke ich deshalb allen, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren und sich dieser Herausforderung stellen – vor allem die Diözesancaritas und der Verein „Volontarius“ leisten hier einen segensreichen Dienst. Aber auch zahlreiche Ehrenamtliche zeichnen sich in den Pfarreien durch ihren Einsatz für die Flüchtlinge aus.

Ein besonderer Dank gilt auch den Verantwortlichen in Gesellschaft und Politik, die besonnen, ohne populistische Sprüche und in der Haltung der Solidarität sich dieser Herausforderung stellen.

Es ist die spezifische Aufgabe der Politik, tragfähige Strukturen und zukunftsfähige Integrationsmodelle anzubieten. Als Ortskirche werden wir weiterhin unseren Beitrag leisten und tun dies mit ganzer Überzeugung.

Als Christinnen und Christen ist es unser Auftrag, uns um diese Menschen in Not zu kümmern, denn gelebte Nächstenliebe ist die ,Identitätskarte der Christen‘, ist Wesens- und Lebensäußerung der Kirche. Eine tragfähige Flüchtlingshilfe ist ein Gebot der Stunde, ein Gebot unseres Glaubens.“

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