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    „Sind ja keine Delinquenten“

    Therme MeranDie Benutzer des hauseigenen Fitness-Studios der Therme Meran müssen als Zutrittsermächtigung seit Neuestem ihre Fingerabdrücke abliefern. Langjährige Abonnenten fühlen sich behandelt wie Schwerverbrecher, die Therme-Leitung spricht von einer Modernisierungsmaßnahme.
     
    von Karin Gamper

    Der Herr mittleren Alters ist seit vielen Jahren Stammgast des Fitness-Studios der Therme Meran. „Ich habe große Zweifel“, sagt er, „dass diese Methode legal ist.“

    Der Freizeitsportler bezieht sich auf die neue Regelung, wonach die Benutzer des hauseigenen Fitness-Clubs nur noch gegen Abgabe ihres Fingerabdruckes Zugang zu den Räumlichkeiten erhalten. Die Verordnung wurde vor einem Monat eingeführt. Auf Nachfrage wurde den verdutzten Dauerabonnenten beschieden, dass dies eine Folge des offenbar legeren Umgangs mit den Mitgliedskarten sei. „Scheinbar wurden die Pässe im Freundeskreis oder unter Familienangehörigen weitergereicht“, so der Fitness-Kunde. Nicht nur er fühlt sich behandelt wie ein Schwerverbrecher: „Wir fragen uns hier schon, ob die Therme da nicht zu weit geht und massiv Persönlichkeitsrechte verletzt“. Normalerweise, so der verärgerte Therme-Kunde, sei die Abnahme von Fingerabdrücken der Polizei vorbehalten:  „Wir sind ja schließlich keine Delinquenten“.

    Therme-Präsident Andreas Cappello rechtfertigt die Maßnahme damit, dass das gesamte Eintrittssystem der Therme veraltet war und deshalb modernisiert wurde. „Soviel ich weiß“, erklärt Cappello, „gehört der Eintritt mittels Fingerabdrücken zu den modernsten Methoden.“ Das Ganze sei „praktisch und für die Besucher eine Aufwertung“.

    Eine Verletzung der Privacy der Fitness-Studio-Besucher kann der Therme-Präsident nicht erkennen. „Dieser Aspekt wurde vorab genauestens gecheckt“, so Andreas Cappello, „wir haben die Fingerabdrücke nämlich gar nicht.“ Aber wer hat sie dann? „Sie sind nur auf dem chip gespeichert“, so der Therme-Präsident. Das alles klingt für die Dauerabonnenten allerdings wenig beruhigend  und insgesamt auch etwas unglaubwürdig. Denn wer kann schon garantieren, dass die Abdrücke nicht auf Abwege gelangen?

    Ein Anwalt, den die TAGESZEITUNG zum Fall befragt hat, würde dafür jedenfalls nicht die Hand ins Feuer legen. „Wer stellt sicher, dass sich kein Hacker ins System einklinkt?“ Wenn es sich um einen Club handelt, so kann der Zugang mittels Fingerabdrücken legitim sein, da die Abgabe ja auf freiwilliger Basis beruht. Aber es müssten auch weitere Punkte bedacht werden: „Wenn ich am 1. Jänner ein Jahresabo erwerbe und am 1. Februar wird der Fingerabdruck zur Zugangsvoraussetzung, so ist das nicht in Ordnung“. Der Anwalt würde daher „lieber beim guten alten Mitgliedsausweis mit Foto“ bleiben.

    Noch sind in der Therme die Fingerabdrücke nur für den Besuch des Fitness-Studios abzuliefern. Andreas Cappello: „Ich denke, dass es auch dabei bleiben wird, weil sich dieses System nur für Dauerkunden eignet, die im Schwimmbereich kaum vorkommen“.

    Doch wer weiß: Wenn es praktisch ist, wird der Mensch auch beim Baden gläsern.

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