Du befindest dich hier: Home » Chronik » Das verrückte Wetterjahr

Das verrückte Wetterjahr

Der Gitschberg im Satellitenbild (Foto: lpa)

Der Gitschberg im Satellitenbild (Foto: lpa-Copernicus Sentinel Data 2015)

Das Jahr 2015 geht in Südtirol teils als wärmstes, teils als zweitwärmstes Jahr in die Messgeschichte ein.

Das Jahr 2015 geht in Südtirol teils als wärmstes, teils als zweitwärmstes Jahr in die Messgeschichte ein. Die Temperaturen lagen landesweit um ein bis eineinhalb Grad Celsius über dem langjährigen Mittel von 1981 bis 2010. Außergewöhnlich waren heuer nicht nur die Temperaturen, sondern auch die Sonnenscheindauer, die in Bozen 2500 Stunden betrug, heißt es vom Landeswetterdienst.

Bei den Temperaturen erreichten Bozen und Meran 2015 mit einer Jahresmitteltemperatur von 13,9 Grad Celsius bzw. 13,1 Grad Celsius Platz 1 ex aequo mit dem Jahr 2014. In Toblach war es heuer sogar noch wärmer als im vergangenen Jahr. In Brixen liegt 2015 in punkto Temperaturen auf Platz 2.

„Zehn Monate waren heuer zum Teil deutlich zu mild, der Oktober verlief durchschnittlich temperiert und nur der September war etwas kühler als im Mittel“, resümiert der Meteorologe Dieter Peterlin.

Ein einzelnes Jahr reiche als Beweis für den Klimawandel allerdings nicht aus, aber der Trend hin zu wärmeren Jahren zeige sich auch in Südtirol deutlich, so Peterlin. Vier der fünf wärmsten Jahre seit Messbeginn im Jahr 1850 wurden im aktuellen Jahrzehnt gemessen.

Der Jahresniederschlag lag im Norden nahe dem langjährigen Durchschnitt. Im Etschtal und Unterland fiel hingegen um 20 bis 30 Prozent weniger Regen als üblich. Besonders dazu beigetragen hat die ungewöhnlich lange Trockenheit, die bereits seit Ende Oktober anhält. Im Raum Bozen hat es seit dem 30. Oktober keinen messbaren Niederschlag mehr gegeben. „ Das ist damit die längste durchgehende Trockenheit seit dem Winter 1992/93“, so der Meteorologe Peterlin. Damals wurde der Rekord von 103 aneinanderfolgenden Tagen ohne Niederschlag erreicht.

05-HitzeSüdtirols höchste Temperatur betrug 38,3 Grad Celsius und wurde vom Wetterdienst des Landes an gleich zwei Tagen in Bozen gemessen, am 21. Juli und 7. August. Der kälteste Tag im Jahr 2015 war der 31. Jänner mit einem Tiefstwert von -17,3 Grad Celsius in Welsberg. Noch kälter war es am 08. Februar im Hochgebirge, auf Südtirols höchster Wetterstation am Wilden Freiger (3400 Meter Meereshöhe) wurden -24,6 Grad Celsius gemessen.

Außergewöhnlich waren laut Landeswetterdienst in diesem Jahr nicht nur die Temperaturen, sondern auch die Sonnenscheindauer. Mit fast 2500 Stunden in Bozen schien die Sonne heuer länger als sonst – um 300 Stunden mehr als im trüben Vorjahr.

Der Jänner 2015 war in ganz Südtirol überdurchschnittlich mild. Der Höhepunkt wurde am 10. des Monats mit einer Temperatur von 21,0 Grad Celsius an der Wetterstation Latsch erreicht. Das ist die höchste Jännertemperatur in Südtirol seit Beginn der Aufzeichnungen.

Im Februar setzte sich der milde Winter fort. Zu Beginn des Monats gab es im sonst so trockenen Vinschgau ein markantes Schneefallereignis. Die Niederschlagsbilanz war im gesamten Winter ausgeglichen, aufgrund der teils höheren Schneefallgrenze lag Ende Februar in 2000 Metern Höhe jedoch weniger Schnee als üblich.

Im März verdunkelte sich der Himmel. Der Neumond schob sich am 20. März zwischen Erde und Sonne und sorgte in Südtirol für eine partielle Sonnenfinsternis mit einer Abdunkelung bis zu 65 Prozent. Im Großteil des Landes war das Naturschauspiel gut zu beobachten.

Auf einem milden März folgte ein ebenso überdurchschnittlich temperierter April. Niederschläge blieben eine Seltenheit.

Nach den zwei trockenen Frühlingsmonaten März und besonders April verlief der Mai wieder regnerisch. Ein spätes Schneefallereignis fand am 20. des Monats am Brenner und Umgebung statt.

Nachdem bereits alle fünf Monate überdurchschnittlich mild waren steigerte sich das ganze im zweitheißesten Sommer (Juni, Juli und August) seit Messbeginn. Drei extreme Hitzwellen ließen einige Wetterrekorde purzeln. In Bozen wurden 22 Tage mit über 35 Grad Celsius gemessen, im Sommer 2003 waren es hingegen „nur“ 21 Tage. Auch bei den Tropennächten wurde heuer ein neuer Rekord gebrochen:

In der Landeshauptstadt gab es 29 Nächte mit einer Tiefsttemperatur nicht unter 20 Grad Celsius, der bisherige Spitzenreiter war der Sommer 2010 mit 23 Tropennächten. Die wärmste Nacht war jene auf den 16. Juli mit 25,7 Grad Celsius. Mit der Hitze gab es im Sommer auch eine ungewöhnlich hohe Anzahl von Gewittern. Das Blitzortungssystem verzeichnete in ganz Südtirol 52.000 Einschläge. Das waren fast drei Mal so viele wie im vergangenen Sommer und auch deutlich mehr als in den Jahren zuvor.

kein Schnee podiniDie lange Serie warmer Monate wurde im September unterbrochen, der erste „zu kühle“ Monat seit einem Jahr. Im September kam es zu zwei Wetterereignissen, die in ihrer Stärke und Auswirkung laut Wetterdienst für diesen Monat eher ungewöhnlich sind. Am 14. des Monats bildete sich eine Gewitterlinie, an der Wetterstation Pens wurde 113 Millimeter Niederschlag aufgezeichnet. Am 23. September folgte dagegen ein Wintereinbruch mit dem ersten Schneefall in höhere Lagen (Brenner, Innichen, St. Vigil am Enneberg).

Ein durchschnittlicher Monat in jeglicher Hinsicht war der Oktober. Sowohl Temperaturen als auch Niederschläge lagen im Bereich der langjährigen Mittelwerte.

Mit dem November begann eine außerordentliche Trockenperiode. Im Raum Bozen hat es das letzte Mal am 30. Oktober geregnet, aber auch im restlichen Land fielen seit zwei Monaten nur wenige Millimeter Niederschlag. Sowohl November als auch Dezember waren dabei laut Peterlin milder als im Durchschnitt. In den höheren Lagen erreichten die Temperaturen ein Rekordniveau.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
Clip to Evernote

Kommentar abgeben

Du musst dich EINLOGGEN um einen Kommentar abzugeben.

2013 ® © Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH/Srl - Alle Rechte vorbehalten. Impressum | AGB | Cookie Hinweis

Nach oben scrollen