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    Der typische Südtiroler

    Der typische Südtiroler

    In einer großen Erhebung hat das Landesstatistikinstitut ASTAT Südtirols Bevölkerung bis ins kleinste Detail analysiert. Wie die Südtiroler leben, welche Laster sie pflegen – und warum sie einmal im Monat auf die Waage schauen.

    Von Lisi Lang und Anton Rainer

    Aufwendiger als die Beantwortung der über 200 Fragen, die das Landesstatistikinstitut ASTAT den Familien stellte, war wohl nur ihre Auswertung. In der großen Mehrzweckerhebung der Haushalte für das Jahr 2014 wollten die Statistiker sämtliche Details aus dem Leben der Südtiroler wissen. Die TAGESZEITUNG hat sich die Tabellensammlung angeschaut – und das Leben des typischen Südtirolers rekonstruiert.

    Freizeit und Urlaub

    Der typische Südtiroler ist nicht gerade sportlich: Nur knapp 40 Prozent geben an, regelmäßig eine oder mehrere Sportarten zu betreiben. 30 Prozent der Südtiroler treiben gelegentlich Sport, bei den Jugendlichen (bis 17 Jahre) nur jeder Fünfte. 40 Prozent machten im vergangenen Jahr überhaupt keinen Sport – keine Spaziergange über zwei Kilometer, kein Schwimmen, kein Fahrradfahren. Knapp 40 Prozent der Südtiroler gönnten sich im letzten Jahr keinen längeren Urlaub. Besonders hoch sind diese Werte bei den Bauern (68,6 Prozent) und den über 65-Jährigen. 29 Prozent der Balkon-Urlauber blieben aus finanziellen Gründen daheim, 17 Prozent geben berufliche Gründe an.

    Gesundheit

    Grundsätzlich fühlen sich die Südtiroler gesund: 82 Prozent schätzen ihren Gesundheitszustand als gut bis sehr gut ein, nur 3 Prozent fühlen sich „schlecht“. Universitätsabsolventen fühlen sich durchschnittlich gesünder als Personen mit nur einem Grundschulabschluss – wohl auch aus Altersgründen. 3 Prozent der Südtiroler leiden an Diabetes, 14 Prozent an Bluthochdruck und 15 Prozent an einer Allergie.

    Essen und Trinken

    Trotz Mensa-Essen und Lunchbox: Für 73 Prozent der Südtiroler ist das Mittagessen die Hauptmahlzeit. Aber: Für Italiener ist das Abendessen mit knapp 15 Prozent fast doppelt so wichtig wie für Deutschsprachige. Nur 7,6 Prozent der Südtiroler lassen das morgendliche Frühstück sausen, mehr als 70 Prozent der Südtiroler essen mittags zu Hause. 13 Prozent der Südtiroler pfeifen auf die WHO und essen täglich Wurst, 48 Prozent mehrmals in der Woche. 21 Prozent essen nie Schweinefleisch. Für einen hohen Macchiato-Konsum spricht, dass 55 Prozent täglich Milch trinken. 11 Prozent der Südtiroler mögen keinen Fisch, 63 Prozent essen täglich Obst – und jeder Zehnte nascht täglich Süßigkeiten.

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    Alkohol und Nikotin

    Allen Warnungen zum Trotz: Ein Fünftel der Südtiroler will das Rauchen nicht aufgeben, 80 Prozent der Raucher paffen sogar täglich. Zigarre und Pfeife sind übrigens out, ebenso wie elektronische Zigaretten: 96 Prozent der Südtiroler haben noch nie an einer gezogen. Jeder zweite Raucher hat noch als Minderjähriger damit angefangen, zwei Drittel haben schon einmal versucht, „sofort und vollständig“ aufhören. Für 56 Prozent der Südtiroler ist dieser Kampf kein Thema: Sie haben noch nie geraucht.
    Nicht nur zwei Autostunden trennen uns von Bayern, auch beim Bierkonsum ist Südtirol gesünder: 45 Prozent trinken gar kein Bier, bei den Frauen sind es sogar 60 Prozent. 48 Prozent trinken zwar – aber niemals außerhalb der Mahlzeiten. Erfreuliche, aber geschönte Statistiken: Die jüngsten Teilnehmer der Befragung waren elf Jahre alt. 18 Prozent der Südtiroler hatten in den letzten 12 Monaten einen Rausch (Sechs und mehr Gläser).

    Nachhaltiges Leben

    Bio ist nur für wenige Südtiroler das Lebensmotto: Lediglich 14 Prozent kaufen regelmäßig Bio-Produkte, 23 Prozent überhaupt nie. Jeder Fünfte Südtiroler Konsument liest nie Lebensmittel-Etiketten, 14 Prozent gaben sogar an, „nie“ lokale Produkte zu kaufen. Wie das gehen soll? Ein Drittel der Südtiroler hat darauf keine Antwort – weil sie „regelmäßig“ auf Lebensmittel aus der Region achten. 73 Prozent achten besonders darauf, keinen Strom zu verschwenden, beim Wasser sind es 68 Prozent – und bemerkenswerte 89 Prozent werfen nie Müll auf die Straße. Dafür hätten sie vielleicht auch keine Zeit: Fast ein Drittel der Südtiroler versucht nach eigenen Angaben nie, die eigenen „lauten Verhaltensweisen“ beim Autofahren zu vermeiden. Hupen, Fluchen, auf die Tube drücken – kein Problem.

    Medien und Digitales

    Totgesagte Medien halten sich in Südtirol erstaunlich lang: 65 Prozent der Südtiroler hören täglich mehr als eine Stunde Radio und schauen mehr als zwei Stunden fern, Frauen übrigens fleißiger als Männer. 73 Prozent der Südtiroler informieren sich in Tageszeitungen über das politische Geschehen. Dagegen hat das Internet Nachholbedarf: Ein Drittel der Südtiroler war noch nie im Netz. Warum nicht? Weil man es (in dieser Reihenfolge) nicht braucht (32%), nicht mag (26%) oder sogar nicht kennt (20%). Von den Internetnutzern sind 52,3 Prozent Mitglieder in sozialen Netzwerken, 22 Prozent posten Kommentare zu politischen und sozialen Problemen. 40 Prozent der User googeln regelmäßig ihre Krankheiten im Internet – und trotzdem glaubt jeder Zweite nicht, dass er seinen Computer ausreichend vor Viren schützt.

    Hausarbeit

    28 Prozent der Männer machen überhaupt keine Hausarbeit, ein Viertel der Frauen steht hingegen mehr als 30 Stunden pro Woche bei Herd und Bügeleisen. 60 Prozent der Männer sagen übrigens, ihre Hausarbeit sei nur mit „wenig“ körperlicher Anstrengung verbunden. Dasselbe sagen nur 30 Prozent der Frauen.

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    Kommentare (21)

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