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Der Weiterbildungs-Papst

Hans Kopfsguter hat als leitender Landesbeamter im Kulturassessorat die Weiterbildung in Südtirol und die damit verbundenen Bereiche entscheidend mitgeprägt. Ein Nachruf von Franz Berger.

In der kirchlichen Hierarchie brachte er es nur bis zum Diakon, wobei für ihn der Dienst als Diakon in der Dompfarre Bozen nach einem langen Berufsleben nicht als „nur“ empfunden wurde, sondern als Erfüllung eines Lebenstraums.

Im Südtiroler Bildungsbereich kann er gut und gerne als „der Weiterbildungspapst“ bezeichnet werden.

Die Rede ist von Hans Kopfsguter, der am 3. Dezember 2021 im Dom von Bozen verabschiedet wurde.

Er hat in seinen Jahren als leitender Landesbeamter im Kulturassessorat die Weiterbildung in Südtirol und die damit verbundenen Bereiche wie das öffentliche Bibliothekswesen, die Medienarbeit, die Jugendarbeit usw. einschneidend erneuert und neu aufgestellt. Er war der Kopf einer neuen und – wie man heute gerne sagt – nachhaltigen Weiterbildungsära, die anfangs der 70-er Jahre begann. Er hat eine rückwärtsgewandte Bildungs- und Kulturpolitik weithin umgepolt und nach vorne ausgerichtet.

In seinem Leben hat Hans Kopfsguter die Erfahrungen von drei bis vier Generationen erlebt, angefangen von den Generationen „Stubenvoll“ und „Katakombenschule“.  Er wuchs mit 13 Geschwistern auf einem Hof in Niederdorf auf, besuchte anfangs noch zwei Jahre die italienische „scuola elementare“ und parallel dazu die Katakombenschule. Nach der Volksschule wäre er gerne Studieren gegangen; das war aber aus finanziellen Gründen nicht möglich.

So musste Hans die Zeit des „Aufbruchs“ in den 50-er und 60-er Jahren auf seine Weise gestalten. Er machte eine Schneiderlehre, die er 1959 mit der Meisterprüfung abschloss, und arbeitete hernach zwei Jahre lang als Berufsschullehrer in Brixen und Bozen. In dieser Zeit war er auch Diözesanjugendführer und als solcher sonntags viel in den Pfarreien unterwegs. Mit seinem selbst verdienten Geld finanzierte er sich dann den Besuch des vierjährigen Abendgymnasiums in Innsbruck, das er 1965 mit der Reifeprüfung abschloss. Nun konnte sich Hans endlich den Traum eines akademischen Studiums erfüllen.

Er studierte ab 1965 in Innsbruck und Salzburg Philosophie und Theologie sowie Psychologie und Pädagogik und schloss diese Studien 1970 mit dem Magister der Theologie und dem Doktor der Philosophie ab. Inzwischen hatte er mit seiner geliebten Margret auch eine Familie gegründet.

Mit dem 1. Jänner 1971 begann für Dr. Hans Kopfsguter ein neuer Lebensabschnitt und für das Assessorat für deutsche Schule und Kultur eine neue Ära, eine Zeit des „Aufbaus“.  Wer dem Kulturassessor Anton Zelger empfohlen hat, diesen frisch gebackenen Akademiker mit dem Aufbau der Erwachsenenbildung in Südtirol zu beauftragen, weiß ich nicht. Es war jedenfalls ein guter Tipp. Mit Kopfsguter hatte Zelger nun jemand im Haus, der absolut loyal war, dem er voll vertrauen konnte, der ihm aber geschickt und gezielt neue Sichtweisen erschloss und neue Türen öffnete.

Zunächst waren dies die Türen zu den Bereichen Weiterbildung, Jugendarbeit und öffentliches Bibliothekswesen. Diese Bereiche konnte Hans Kopfsguter in seinem „Referat für Weiterbildung“ sehr autonom aufbauen. Er suchte und fand dazu geeignete Leute wie Isidor Trompedeller für die Weiterbildung, Herbert Denicolò für die Jugendarbeit sowie Luis Egger und mich für die Büchereistelle.

Wie gut Kopfsguter den Landesrat Anton Zelger führen konnte, habe ich öfters erlebt, einmal schon im Herbst 1975, meinem ersten Jahr in der Kulturabteilung. Ich wollte zu einer größeren Bibliothekstagung nach Trient fahren, stieß aber bei LR Zelger auf kein Verständnis dafür. Kopfsguter überzeugte ihn aber und genehmigte diese Dienstreise. Und als wir 1977 mit der Beratung der Schulbibliotheken beginnen wollten, unterstützte uns Kopfsguter bei diesem Vorhaben, obwohl der Landesrat sehr skeptisch war und dem Schulamt nicht in die Quere kommen wollte. Im Laufe der Jahre war der Einfluss von Hans Kopfsguter auf den Kulturassessor Zelger in manchen Bereichen so weit angewachsen, dass wir den Eindruck hatten, dass eigentlich er die Bildungspolitik mache. Bei einem Törggelen sagten wir daher einmal zum Hans „Warum lässt du in der Öffentlichkeit immer den Landesrat glänzen und verschwindest im Hintergrund, wo doch eigentlich du alles machst?“ Seine Antwort war typisch: „Merkt euch, wenn die Sonne aufgeht, geht der Mond unter.“

Als Chef war Hans Kopfsguter einmalig. Er gab die großen Ziele und die roten Linien vor. Er vermittelte, dass die Verwaltung im Dienst der Menschen zu stehen hat und nicht umgekehrt. Im Übrigen vertraute er uns und ließ uns arbeiten. Er förderte unsere Fortbildung in großzügiger Weise, genehmigte Dienstreisen zu Fortbildungsveranstaltungen und Tagungen im Ausland und in andere Regionen. Er unterstützte unsere Kontakte zu ähnlichen Stellen in Österreich, Deutschland, der Schweiz und in Italien. Als ich mit der Organisation von Studienreisen begann und mit der Zeit immer entferntere Länder ansteuerte (Belgien, Niederlande, Dänemark), sagte er nie „Nein.“ Er war ein äußerst offener Mensch und wusste, dass man überall etwas lernen konnte.

In der Zeit als Abteilungsdirektor im Assessorat für Schule und Kultur von 1979 bis 1994 und im anschließenden Jahr als Ressortdirektor hat er bei aller Loyalität zum jeweiligen Landesrat und bei allem Respekt vor Gesetzen und Verwaltungsprozeduren immer den Dienst am Bürger in den Vordergrund gestellt und die Politik und Verwaltung nie als Selbstzweck gesehen. Ich glaube und hoffe sehr, dass dieser Geist in den Räumen der Kulturabteilung stärker nachhält als der Rauch, den der passionierte Zigarettenraucher Hans Kopfsguter dort seinerzeit verbreitet hat.

Resümee: Hans Kopfsguter verdient es, als Pionier einer offenen und nachhaltigen Bildungsarbeit in Südtirol in Erinnerung zu bleiben, kurzum als „der Weiterbildungspapst.“

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