Du befindest dich hier: Home » Gesellschaft » „Moderna ist besser“

„Moderna ist besser“

Foto: Sabes/ 123RF.com

Bei der Massenimpfung am Wochenende setzt der Sanitätsbetrieb auf den Impfstoff von Moderna. Koordinator Patrick Franzoni erklärt, warum Bedenken diesbezüglich unbegründet sind.

Tageszeitung: Herr Franzoni, der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn hat Moderna als Rolls Royce unter den Corona-Impfstoffen bezeichnet, während er Pfizer mit Mercedes verglichen hat. Kann man diesen Vergleich so stehen lassen?

Patrick Franzoni: Ganz so würde ich es nicht stehen lassen, aber es stimmt, dass in Studien belegt wurde, dass Moderna länger schützt als Pfizer. Moderna ist ein Impfstoff, der in Südtirol leider nicht besonders oft verimpft wurde. Das ist schade, weil man sich vor allem bei Leuten, die den Schutz brauchen, es sich nicht leisten kann, dass dieser nach vier oder fünf Monaten verfällt.

Wie gut schützt Moderna bei der Auffrischimpfung?

Unabhängig davon, welchen Impfstoff man zuerst bekommen hat, wird dringend dazu geraten, einen mRNA-Impfstoff, also Pfizer oder Moderna, bei der Auffrischung zu verwenden. In Studien hat sich gezeigt, dass Moderna eine gute immunogene Reaktion hervorruft, wenn zuvor Pfizer geimpft wurde. Das ist dann eine sogenannte Kreuz-Impfung. Studien aus dem Singapur besagen, dass die Antikörperproduktion nach einem Booster von Moderna um rund zehn Prozent höher ist, als nach einem Booster von Pfizer. Die Booster-Impfung mit dem Imfpstoff von Moderna nach einem primären Impfzyklus mit Pfizer verringert das Infektionsrisiko um 72 Prozent. Bei einer Booster-Impfung mit Pfizer sinkt das Infektionsrisiko um 62 Prozent. Bei einer Auffrischimpfung erhält man übrigens nur die halbe Dosis Moderna.

Bei der Massenimpfung soll nur der Impfstoff von Moderna zum Einsatz kommen. Warum?

Zum einen liegt das an den besagten Studien, die zeigen, dass Moderna besser vor Infektionen schützt. Man muss daran denken, dass die meisten Personen entweder den Impfstoff von Pfizer oder den Impfstoff von AstraZeneca erhalten haben. Bei beiden schützt eine Auffrischung mit Moderna deutlich besser. Zum andern hat das aber auch logistische Gründe. Der Impfstoff von Pfizer muss vorbereitet werden: Die Ampulle muss verdünnt und aufgezogen werden. Diese Prozesse brauchen Zeit und müssen genau gemacht werden, ansonsten könnte ein Teil der mRNA verloren gehen. Moderna hat dieses Problem nicht, diese können direkt aus der Ampulle gezogen und verimpft werden. Es braucht bei Moderna also keine Vorbereitungszeit. Unsere Absicht ist es, am Wochenende so viele Menschen wie möglich zu impfen. Bei einem solchen Event eignet sich Moderna deutlich besser als Pfizer.

Was erwarten Sie sich von der Massenimpfung?

Wie wir durch den Winter kommen, hängt von zwei Variablen ab. Auf der einen Seite geht es darum, wie viele Leute sich erstimpfen lassen, auf der anderen Seite hängt es davon ab, wie viele Leute sich boostern lassen. Die Studien zeigen, dass ein Booster nach sieben bis zehn Tagen einen guten Schutz gegen das Virus bietet. Es ist also sehr wichtig, dass sich auch jene Personen daran beteiligen, die ihren Impfzyklus abgeschlossen haben, denn zu Weihnachten, kommt es üblicherweise zu sehr vielen Infektionen. Durch die Auffrischung verhindert man also Ansteckungen zu Weihnachten. Das ist extrem wichtig.

Ist es möglich, sich bei der Massenimpfung dennoch für den Pfizer-Impfstoff zu entscheiden?

Nein, wir boostern am Wochenende mit Moderna. Es geht nicht nur um den Impfstoff, sondern auch um die Logistik. Es ist ja auch nicht so, dass es sich bei den Impfstoffen um irgendwelche Weine handelt, die man nach Geschmack aussuchen soll. Ich kann nur nochmal betonen, dass der Impfstoff von Moderna dem Impfstoff von Pfizer in nichts nachsteht. Bedenken diesbezüglich sind völlig unangebracht.

Interview: Markus Rufin

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (26)

Lesen Sie die Netiquette und die Nutzerbedingungen

Kommentar abgeben

Du musst dich EINLOGGEN um einen Kommentar abzugeben.

2021 ® © Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH/Srl Impressum | Privacy Policy | Netiquette & Nutzerbedingungen | AGB | Privacy-Einstellungen

Nach oben scrollen