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Wichtige Drittimpfung?

Patrick Franzoni

Seit dieser Woche dürfen sich alle Über-60-Jährige für die Drittimpfung anmelden. Doch braucht diese wirklich jeder?

von Markus Rufin

Seit dieser Woche können sich alle Über-60-Jährigen, Menschen mit chronischen Erkrankungen und Mitarbeiter im Gesundheitswesen für die dritte Corona-Dosis anmelden. Insgesamt zählen über 140.000 Personen zu dieser Gruppe. Zuvor war die Drittimpfung für Über-80-Jährige und Hochrisikopatienten empfohlen worden.

Länder wie Israel hatten damit bereits im Sommer begonnen. Doch warum es sie überhaupt braucht und wer die Drittimpfung wirklich benötigt ist vielen schleierhaft. Schließlich hatte es bisher geheißen, dass die Impfung nach wie vor sehr gut vor schweren Krankheitsverläufen schützt.

Wie der stellvertretende Covid-Einsatzleiter Patrick Franzoni bestätigt, sei das auch weiterhin der Fall: „Geimpfte gesunde Menschen sind nach wie vor schweren Verläufen geschützt und müssen damit nicht befürchten, auf den Intensivstationen zu landen. Allerdings lässt der Infektionsschutz nach sechs bis neun Monaten nach.“

Das haben unter anderem Studien aus Israel gezeigt, wo mittlerweile sogar Über-20-Jährige zur Drittimpfung aufgerufen werden. Im Sommer kam es in Israel zu einem Anstieg der Fälle. Auch gesunde doppelt geimpfte Personen erkrankten nochmals (sogenannte Durchbruchinfektionen), landeten aber nicht auf den Intensivstationen. „Erst durch die Drittimpfungen wurden diese Durchbruchinfektionen deutlich reduziert“, berichtet Franzoni. „Die Drittimpfung bewirkt, dass man gleich gut geschützt ist, wie zwei Wochen nach der Zweitimpfung.“

Helfen würde die Drittimpfung also auf jeden Fall, allerdings ist sie für manche wichtiger als für andere, unterstreicht der Covid-Einsatzleiter: „Über-80-Jährige oder chronisch Kranke, bei denen auch ein normaler Verlauf für Probleme sorgen kann, da das Immunsystem prinzipiell langsamer arbeitet, können nach sechs bis neun Monaten im Krankenhaus landen. Für sie ist die Drittimpfung also noch wichtiger.“

Unabdingbar ist die Drittimpfung für die sogenannten „Ultrafragili“, zu denen beispielsweise Transplantationspatienten zählen, die immunsuppressive Medikamente einnehmen. Deren Impfzyklus ist sogar erst mit der Drittimpfung abgeschlossen. „Sie müssen die dritte Dosis 28 Tage nach der zweiten verabreicht bekommen, um ausreichend vor dem Virus geschützt zu sein“, sagt Franzoni.

Gesunde Über-60-Jährige und das medizinische Personal sind dagegen auch ohne Drittimpfung vor schweren Verläufen geschützt, sollten die Impfung aber deshalb machen, um auch vor Infektionen geschützt zu sein.

Auswirkungen auf den Green Pass hat die Drittimpfung übrigens nicht. „Es handelt sich um eine freiwillige Impfung“, erklärt der Covid-Einsatzleiter. „Das heißt, man muss die Booster-Impfung nicht zwingend machen, um den Green Pass zu behalten.“

Dennoch empfehlen Franzoni und der Sanitätsbetrieb allen genannten Personengruppen die Drittimpfung: „Um die Drittimpfung machen zu können, muss die Zweitimpfung aber über sechs Monate zurückliegen. Daher sind vorerst auch nur wenige davon betroffen.“

Laut Auskunft des Sanitätsbetriebes haben bisher rund 27.000 Bürger den Impfzyklus vor über sechs Monaten abgeschlossen und könnten sich somit eine dritte Dosis abholen. Alle anderen weisen laut Franzoni noch einen hohen Schutz sowohl vor der Infektion als auch vor schweren Verläufen auf.

Eine Drittimpfung für die jüngeren Personengruppen ist derzeit noch nicht vorgesehen, allerdings weiß der Sanitätsbetrieb, dass Rom die Daten anderer Länder, die mit den Auffrisch-Impfungen weiter fortgeschritten sind, beobachtet. Sollten diese Daten zeigen, dass sich eine Drittimpfung positiv auf die Lage auswirkt oder sich die Situation aufgrund von Durchbruchinfektionen verschlechtern, sei es möglich, dass die Drittimpfung auch für jüngere Personengruppen freigegeben wird.

Zwar ist es auch möglich, dass einige Personen nach sechs Monaten nach wie vor gut vor einer Infektion geschützt sind, auf herkömmlichen Weg ist das aber nicht festzustellen. Selbst gute Antikörpertests, die nachweisen, wie hoch die Anzahl der Antikörpertests bei Geimpften oder Genesenen ist, seien nicht dazu geeignet, meint Franzoni: „Es gibt keine direkte Korrelierung zwischen der Antikörper-Zahl und dem Infektionsschutz. Die Antikörper sind zwar wichtig, aber auch die zelluläre Immunität muss aufgefrischt werden, um vor dem Virus geschützt zu sein. Die Antikörpertests geben also nur einen Wert an, sagen aber nicht, ob der Körper noch im Stande ist, das Virus abzuwehren.“

Die Entscheidung zur Drittimpfung dürfe daher nicht von Antikörpertests abhängig gemacht werden. Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte das ausdrücklich so formuliert. Man müsse sich auf die Daten aus anderen Ländern verlassen und diese seien eindeutig: Nämlich, dass der Schutz sechs bis neun Monate nach der Impfung nachlässt und durch eine Booster-Impfung aufgefrischt werden kann.

Bis Stand Freitag wurden in Südtirol 2.500 Drittdosen verabreicht. Dafür, dass über 30.000 Personen sich diese abholen konnten, handelt es sich um eine miserable Quote. Deshalb plädiert Franzoni auch für eine eigene Sensibilisierungskampagne für die Drittimpfung: „Die Vergangenheit hat immer wieder gezeigt, dass wir uns nicht zu sicher fühlen dürfen, auch wenn die Situation derzeit gut ausschaut.“

Viel wichtiger ist es für Franzoni aber, die über 40.000 ungeimpften Personen von der Impfung zu überzeugen: „Sie sind diejenigen, die die Älteren in Gefahr bringen. Die Ungeimpften sind offene Türen, die dafür sorgen, dass sich das Virus problemlos verbreiten kann. Außerdem riskieren sie, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen.“ Franzoni unterstreicht, dass es sich bei den Intensivpatienten nach wie vor um ausschließlich ungeimpfte Personen handle.

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