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Ausgetanzt

Eine Ära geht zu Ende: Nach 18 Jahren werden die bekannten Diskotheken Juwel und Baila im Überetsch nicht mehr aufsperren. Wegen Corona.

Tageszeitung: Herr Regele, am Wochenende haben viele Discos im Land erstmals seit Beginn der Pandemie wieder aufgesperrt. Die Discos Juwel und Baila bleiben aber definitiv geschlossen. 

Markus Regele (Betreiber der Diskotheken Juwel und Baila): Die Zukunft war bislang einfach ungewiss und es gab keine Aussicht auf Besserung. Zudem wurden finanzielle Hilfen zwar immer wieder versprochen, aber gekommen ist nicht viel. Und weil unser Vermieter die gesamte Miete verlangt hat, war das Risiko einfach zu groß und wir waren im Sommer gezwungen, die Mietverträge zu kündigen und unsere Betriebe definitiv zu schließen. Es war finanziell einfach nicht mehr tragbar.

Also hat man wegen Corona endgültig zusperren müssen? 

Unsere Lokale gibt es seit 18 Jahren, und wenn Corona nicht gewesen wäre, hätte es uns wahrscheinlich noch 20 Jahre gegeben. Aber wir waren jetzt 20 Monate lang geschlossen und so konnte es einfach nicht mehr weitergehen.

Damit fallen jetzt gleich zwei Discos im Überetsch weg. Das Angebot für die Jugendlichen wird immer kleiner…

Die Situation für die Jugendlichen ist momentan leider wirklich recht schlimm und ich hoffe deswegen, dass jemand anderes die Lokale nach mir wieder öffnet, damit es kein totales Ende, sondern nur mein Ende ist. Wenn ich darüber nachdenke, dass die Jugendlichen, die jetzt 18 Jahre alt werden, noch nie in einer Diskothek oder auf einem Festival waren, dann macht mich das wirklich traurig. Mir tun diese Jugendlichen wirklich leid und es wird Zeit, dass sie jetzt endlich wieder etwas unternehmen dürfen.

In Eppan geht jetzt eine Ära zu Ende. Was werden Sie besonders vermissen? 

Das schönste war einfach, wenn das Haus voll war und man gesehen hat, dass die Leute Spaß haben und sich amüsieren. Wenn man dann vor dem sog. Intro hinter dem DJ-Pult stand und etwas ins Mikrofon gebrüllt hat, wo dann alle mitgemacht haben, dann war das wirklich ein großartiges Gefühl, ein Gänsehaut-Moment. Das werde ich sehr vermissen.

In diesen 18 Jahren gab es aber sicher auch schwierige Zeiten…

Jede Arbeit hat Vor- und Nachteile. Sicher hatten wir es oft mit besoffenen Leuten zu tun, man wurde damit konfrontiert, dass Jugendliche außerhalb der Disco Drogen konsumiert haben und es gab Probleme mit Nachbarn – aber auf der anderen Seite darf man nie vergessen, dass der wirklich große Teil unserer Gäste Menschen sind, die einfach nur feiern und sich amüsieren wollen.

Die Disco-Branche hat unter Corona insgesamt stark gelitten. Viele Betriebe kämpfen ums Überleben…

Es gibt sicher keine andere Branche, die unter den Auswirkungen der Pandemie so sehr gelitten hat, wie unsere. Außer einer kleinen dreiwöchigen Öffnung – die so restriktiv gestaltet wurde, dass die meisten gar nicht aufgesperrt haben – sind wir seit 20 Monaten komplett zu. Und deswegen verstehe ich auch nicht, warum sich das Land so schwer tut, uns Hilfsgelder auszuzahlen – diese Gelder würden wirklich viele brauchen, um zu überleben. Und ich hoffe deswegen wirklich, dass jene, die durchgehalten haben, auch unterstützt werden.

Bleiben Sie Präsident der Diskothekenbetreiber? 

Ich war wirklich gerne Präsident, aber wir haben mit Felix Taschler, unserem aktuellen Vize-Präsidenten, einen würdigen Nachfolger. Er wird jetzt Präsident und die Branche sicher gut vertreten.

Was sagen Sie zu den Regeln für den Disco-Neustart? 

Um ehrlich zu sein, kommt diese Öffnung für mich etwas überraschend – vor allem, weil es einfach komplett unverständlich war, dass wir im Sommer nicht aufsperren durften. Ich weiß deswegen auch, dass viele Kollegen auf der Kippe stehen, weil es nicht einfach ist einen Betrieb in so kurzer Zeit hochzufahren. Aber wir sind froh, dass wir überhaupt starten dürfen und es war auch wirklich wichtig, dass die Kapazität auf 50 Prozent erhöht wurde, weil wir mit 35 Prozent nicht hätten arbeiten können. Wir erwarten uns aber auch, dass die Kapazitäten schon bald weiter erhöht werden und die Behörden mit uns zusammenarbeiten. Wir waren jahrelang nur Zielscheibe der Behörden, aber jetzt ist der Moment gekommen, wo die Behörden die Betriebe unterstützen müssen – denn wir sind dazu bereit zusammenzuarbeiten, dass dieser Start gut abläuft.

Herr Regele, wie geht es jetzt für Sie weiter? 

Ich habe gemeinsam mit meiner Familie eine Bar und die Bar des Eisstadions in Eppan übernommen. Wir haben diesen Chance genutzt und fühlen uns momentan recht wohl. Aber ich würde mich freuen, wenn man mich doch irgendwann wieder hinter einem DJ-Pult sieht.

Das Kapitel Nachtleben ist also noch nicht abgeschlossen? 

Sicher nicht. Das war nicht nur meine Arbeit, sondern meine Berufung. Ich habe Juwel und Baila als 21-Jähriger eröffnet und mein ganzes Leben nichts anderes gemacht. Aber diese Tür ist nun zu – das heißt aber nicht, dass nicht irgendwann eine andere aufgehen kann.

Interview: Lisi Lang

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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