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Bohren für die Katz?


Die Nasenbohrertests haben bei lediglich 0,03 Prozent der SchülerInnen das Coronavirus festgestellt. Die Landesregierung will dennoch an den (kostspieligen) Screenings festhalten.

von Matthias Kofler

Das Wissenschaftlich-Technische Komitee in Rom hält die Corona-Screenings an den Schulen für „nicht notwendig“. Eine Einschätzung, die Bildungslandesrat Philipp Achammer partout nicht nachvollziehen kann. „Wir wollen die Tests nutzen, um uns nach den verstärkten Reisebewegungen im Sommer einen Überblick über das Infektionsgeschehen zu verschaffen und sicher ins neue Schuljahr zu starten“, erklärt der SVP-Politiker. Nur so könne man einen hundertprozentigen Präsenzunterricht gewährleisten.

Die Bilanz der Nasenbohrertests lässt aber Zweifel aufkommen, ob die Strategie der Landesregierung wirklich den gewünschten Erfolg bringt. Wie aus einer Anfrage der STF-Abgeordneten Myriam Atz-Tammerle hervorgeht, wurden vom 9. März bis 13. Juni insgesamt 794.035 solcher Corona-Schnelltests an den Schulen durchgeführt. Davon waren 578 positiv. Doch nur 263 – also weniger als die Hälfte – dieser 578 positiven Tests konnten mit PCR-Test bestätigt werden. Die andere Hälfte waren falsch positive Ergebnisse. Unterm Strich haben die Nasenbohrertests bei lediglich 0,03 Prozent der SchülerInnen das Coronavirus festgestellt. Das bedeutet: Entweder sind die Schulen, anders als öffentlich kolportiert, kein Pandemietreiber und die Diskussionen über eine Impfpflicht für Lehrpersonen daher völlig überzogen. Oder aber die Tests sind nicht zuverlässig und führen somit zu einer falschen Sicherheit.

Im Frühjahr wurden nur jene SchülerInnen zum Präsenzunterricht zugelassen, die sich einem Nasenbohrertest unterziehen. Diese rigiden Vorschriften gab es in keiner anderen Region bzw. Autonomen Provinz Italiens. „Die Landesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, die Schule nicht länger geschlossen zu halten und dies von der ersten Klasse Grundschule bis zur 5. Klasse Oberschule zu garantieren“, schreibt Sanitätslandesrat Thomas Widmann in seiner Antwort auf die STF-Anfrage. Mittlerweile sei bekannt, dass in der Pandemie alle Teststrategien – auch die Pre-Screenings an den Schulen – dazu da seien, Infektionen zu erkennen und weitere Ansteckungen zu vermeiden. Die große Anzahl an Schüler (80.000) könne nur durch ein Monitoring über Selbsttests überwacht werden, ist der SVP-Politiker überzeugt.

Das staatliche Gesetzesdekret Nr. 44/2021 sieht jedoch vor, dass der Präsenzunterricht in der Grundschule und in der ersten Klasse der Mittelschule grundsätzlich gewährleistet werden muss. Die Regionen können von dieser Vorgabe nur in Ausnahmefällen, etwa aufgrund von Infektionsherden, abweichen. Gegenüber dem römischen Gesundheitsministerium begründete Landeshauptmann Arno Kompatscher seine Notverordung damit, dass seit dem 7. Januar 2021 in über 250 Schuleinrichtungen Infektionsfälle festgestellt worden seien. Daraus schloss die Landesregierung, dass die Schulen einer der Orte sind, in denen es die häufigste Verbreitung der Ansteckungen gibt. Die auf Basis der Notverordnung seit März durchgeführten Nasenflügeltests konnten diesen Verdacht aber nicht bestätigen.

Auf die Frage von Myriam Atz-Tammerle, wie viele und welche Mutationen in den Schulen festgestellt wurden, antwortet der Sanitätslandesrat ausweichend: Die Mutationen seien Modifikationen der Nukleinsäuresequenz, die regelmäßig während der Virusreplikation auftreten. Jede Variante sei deshalb durch ein besonderes Muster von Mutationen charakterisiert. „In diesem Sinne muss die Frage, ob Mutationen aufgetreten sind, natürlich mit ja beantwortet werden, aber eine Tabelle der aufgetretenen Mutationen aufzulisten entspricht einem rein spezialistischen Vertiefungsniveau. Ich nehme an, dass Sie den Begriff falsch gewählt haben und in Wirklichkeit die Varianten meinen, ist die Antwort natürlich ja, da alle zirkulierenden Viren jeweils einer spezifischen Variante angehören“, erklärt Widmann. Insgesamt seien 240 Proben sequenziert worden. Über die Ergebnisse schweigt sich der Landesrat aber aus.

Unklar ist zudem, wie viele Restbestände derzeit noch beim Sanitätsbetrieb lagern. Aus der Anfragebeantwortung geht hervor, dass in einer ersten Phase drei Mal 33.325 Tests mit direkter Beauftragung an Abbott Rapid Diagnostics Srl und Roche Diagnostics SpA. gekauft wurden. In der zweiten Phase gab es für knapp 8 Millionen Euro einen Zuschlag von 2.400.000 Tests (siehe Tabelle). In der dritten Phase schließlich wurden 6 Millionen Tests zum Gesamtpreis von 21.849.000 Euro bestellt. „Die Anzahl von 6 Millionen Tests bezieht sich auf die maximal bestellbare Menge und bestellt wird jeweils laut Bedarf“, erläutert Widmann. Bisher seien 750.000 Tests von diesem Rahmenabkommen effektiv bestellt und geliefert worden. Insgesamt wurden für die Nasenbohrertests an den Schulen knappe 30 Millionen Euro veranschlagt.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (37)

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  • steve

    Könnte nicht einer hier die ganzen fantastischen Kommentare sammeln:
    in ein paar Jahren könnte man sich köstlich darüber amüsieren!

  • andreas

    Unglaublich wie dämlich Nichtimpfung macht.

    Entweder greift die Nichtimpfung massiv das Gehirn an oder es war vorher schon stark geschädigt und Corona bringt es zum Vorschein.

  • pingoballino1955

    Sind die Sanitätsverantwortlichen tatsächlich so BORNIERT und STUR,dass sie an diesen Nasenbohrertests festhalten,obwohl sie wissen,dass diese ein totaler FLOP sind? Ich fasse es nicht.Ach ja die zuviel mit enormer Summe eingekauftenTests müssen sie ja loswerden,um sie rechtfertigen zu können,auch wenn sie NICHTS nützen! Was haben wir für Banausen da in Bozen!

    • asterix

      @pingo1955, ich würd sagen, verkauft die übrigen Tests den Bauern. So auf die nimm 3 zahl 2 Tour und lasst die Kinder in Ruhen. Wenn schon Alle Vorschriften vom Staat übernommen werden müssen, dann bitte auch die dass es für die Präsenz keinen Test braucht. Ausser in der Schule gibt es einen Hotspot. Egal ob das Achamner passt.

  • gorgo

    Bin auf jeden Fall dafür, dass weitergetestet wird. Allein um die Situation im Blick zu behalten.
    Die Delta Variante ist anscheinend so ansteckend wie Windpocken, gut möglich dass es im Herbst wieder zu einzelnen Schulschließungen kommt.
    Wie Frau Atz-Tammerle zu ihren Behauptungen kommt, dass Schulen keine Pandemie Treiber, Impfpflicht für Lehrer nicht nötig und tests zur falschen Sicherheit führen, kann ich nicht nachvollziehen.
    War das Infektionsgeschehen in diesem Zeitraum in der allgemeinen Bevölkerung höher? Inwieweit wirkten noch lockdowns und die konsequente Einhaltung von Verhaltensregeln auch an den Schulen ?
    Um festzustellen ob die Test ab einen gewissen Infektionsgeschehen falsche Sicherheit garantieren, hätte man ab und zu eine ganze Schule mit PCR durchtesten müssen. Inwieweit der Prozentsatz der nicht entdeckten Fälle jetzt nach der Impfung noch eine Rolle spielt, ist schwer zu sagen.
    Für wen will sie denn Sicherheit? Für die Schüler und Lehrer? Ja dann verwenden wir diese Nasenbohrertest. Besser als nichts.

  • sougeatsnet

    Bei so viel Dummheit und Sturheit kann ich nicht schweigen. Dass die Schulen ein Verbreitungsort des Virus sind steht außer Frage, nur für ganz dumme offensichtlich nicht. Wie gut die Nasenflügeltests sind, ist auch so eine Sache. Auf alle Fälle, wenn man nach einer Woche bei den Schülern einen PCR-Test macht, sind die meisten Schüler wieder negativ. Daher die bestätigten Fälle so eine Sache. Wollte man sparen, so könnte man mehrere Abstiche zu einem Test zusammenfassen, dies wurde mit dem Speicheltest in A versucht. Die Kosten könnte man dann wiederum exponentiel senken. Wenn jemand gut verdienen will kann sie/er ja eine Pharmafirma gründen, dazu wird aber ihre Kompetenz nicht reichen. Der Verdienst bei Globuli ist ohnehin sehr gut, diese könnten in Zukunft die Bäuerinnen herstellen, wäre ein guter Nebenverdienst.
    Nur was machen die Nasenflügeltestverweigerer?

  • hubertt

    Wenn man ein Hosenschisser ist, dann hat man vor einer Grippe Angst, das ist schon ok. Wenn aber diese Hosenschisser den anderen Menschen vorschreiben was sie zu tun haben und die Coronadiktatur unterstützen, das ist nicht gut.

  • sigo70

    Risikogruppen sind geimpft, all jene welche vor Corona Angst haben sind größtenteils geimpft. Wieso hat man nicht endlich den Mut, Kinder in Normalität leben zu lassen?

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