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Nein zur Hängebrücke

Nachdem Schenna Nein zu den spektakulären Hängebrücken-Plänen aus Deutschland gesagt hat, halten die Investoren nach einem alternativen Standort Ausschau.

von Karin Gamper

Eine imposante Hängebrücke für Fußgänger, die zwischen der Tourismushochburg Schenna und dem weniger erschlossenen Riffian über die Passer gespannt wird und gegen Bezahlung begangen werden kann. Mit diesem aufsehenerregenden Vorschlag ist vor einigen Monaten die „Eberhardt Bewehrungsbau & Stahlhandel GmbH“ aus Hohentengen im deutschen Bundesland Baden-Württemberg an die beiden Gemeinden herangetreten.

Der Plan einer 350-400 Meter langen, etwa 50 Meter hohen und 1,20 Meter breiten Hängebrücke mit Start in Riefen unterhalb von Riffian und Ankunft auf der Höhe des Rothalerwegs etwas außerhalb von Schenna wurde seither den Gemeinderäten vorgestellt. Mit unterschiedlichem Ergebnis: Während Riffian dem Vorhaben durchaus etwas abgewinnen kann, hat sich Schenna dagegen ausgesprochen. „Wir befürchten noch mehr Verkehr und Tagestouristen“, sagt Bürgermeisterin Annelies Pichler.

„Es waren sehr offene und angenehme Gespräche und das Ergebnis nehmen wir sportlich“, kommentiert Roland Haag, Projektleiter bei der Firma Eberhardt das Nein aus Schenna. Dieses sei in jedem Fall zu respektieren: „Wir möchten nichts gegen den Willen der betroffenen Gemeinden durchsetzen, sondern gemeinsam etwas bewegen. Schließlich sollte das ja ihre Brücke sein“.

Ist das Projekt damit gestorben? „Hoffentlich nicht“, sagt Firmenchef Günter Eberhardt. Denn trotz des Rückschlags möchte sich der Investor noch nicht geschlagen geben. „Wir sind nun auf der Suche nach einem alternativen Standort“, erklärt Projektleiter Roland Haag. Dieser sollte vorzugsweise, müsse aber nicht unbedingt im Meraner Raum sein.  Er sollte sich nicht im Hochgebirge befinden, leicht erreichbar sein und einen besonderen Panoramablick ermöglichen.

Warum aber ausgerechnet Südtirol? „Bei uns ist Südtirol als Reiseziel sehr beliebt, wir selbst kommen regelmäßig zum Urlauben hierher“, erklärt Roland Haag. Dass deutsch gesprochen wird, sei für die Verhandlungen und Genehmigungsabläufe von Vorteil.

Was stellt sich der Investor genau vor und was hätten die Standortgemeinden von der Hängebrücke? „Für die Umgebung ergibt sich ein touristischer Vorteil“, so Roland Haag, „ist die Hängebrücke erst einmal gebaut, so braucht es keinen Lift und keinen Motor. Die Grundstücke werden abgelöst.“ Die „Eberhardt Bewehrungsbau & Stahlhandel GmbH“ würde alles aus einer Hand gewährleisten und finanzieren: Planung, Design und Architektur sowie die Umsetzung. Die Kosten werden auf 4-6 Mio. Euro geschätzt, technisch möglich ist eine Maximallänge von 600 Metern. „Danach wird‘s schwierig“, so Haag.

Die Investitionssumme soll mittelfristig durch die Eintrittsgelder refinanziert werden, angedacht wird gegebenenfalls auch eine Beteiligungsform mit lokalen Institutionen.

Wie geht es jetzt weiter? Projektleiter Haag: „Im Herbst sind wir wieder in Südtirol, dann schauen wir weiter“.

Ein Blick ins Internet zeigt jedenfalls, dass die Firma Eberhardt einen langen Atem hat. So plant sie auch in Rottweil etwa 80 Kilometer südwestlich von Stuttgart  eine Hängebrücke zwischen dem neuen ThyssenKrupp-Testturm und der Altstadt. Die Verhandlungen und die Projektierung laufen seit mehreren Jahren, jetzt scheint das Vorhaben kurz vor der Umsetzung.

Bereits in Betrieb ist dagegen eine Hängebrücke der Firma Eberhardt in Bad Wildbad nahe Stuttgart. „Wildline“ wurde 2018 eröffnet, hat eine Gesamtlänge von 380 Metern und eine Maximalhöhe von 60 Metern. Das Brückengewicht beträgt 141 Tonnen.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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