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Flucht in die Dolomiten

Tublà da Nives

Die „Dolomitale on Tour“ lädt am 20. August nach Wolkenstein zu einem Open-Air-Abend mit Trenker und Pasolini.

Das „Tublà da Nives“ ist ein Kulturzentrum in Wolkenstein. Bis 29.8. sind dort Arbeiten von Lois Anvidalfarei zu sehen. Ab 3. September folgt eine Ausstellung von Gotthard Bonell. Das Tublà da Nives gibt es seit 2010. Vor dem Kulturzentrum ist genügend Platz für Open-Air-Kino, und diesen Platz nutzt die Dolomitale auch für ihr Sommerprogramm.

Wenn das Wetter gnädig ist, gibt es am 20. August die Vorführung von einem Trenker-Film, der wegen seiner Geschichte besonders interessant ist.

Pasolini, Bassani, Trenker

Trenker begann „Flucht in die Dolomiten“ 1955, als sein Stern bereits am Verlöschen war. Literarische Vorlage war „Die Flucht des Giovanni Testa“ von Gustav K. Bienek. Das Drehbuch sollten Trenker, Pier Paolo Pasolini und der bekannte italienische Schriftsteller Giorgio Bassani schreiben, eine sehr ungewöhnliche Konstellation. Zum Schreiben war Pasolini im Juli 1955 ins Haus Trenker nach Gröden gekommen. 

Foto: Samuel Debon

Ausschnitte aus den wenig schmeichelhaften Briefen Pasolinis dazu sind in „Cinema. Film in Südtirol seit 1945“ von Renate Mumelter mit Martin Kaufmann (Raetia Verlag) nachzulesen, derzeit vielleicht um wenig Geld im Bozner Bücherbazar zu haben.

Pasolini und Trenker erwiesen sich als schwierige Konstellation. Trenker behauptete sogar, Pasolini habe ihm den „Film verpatzt“.

Il prigioniero della montagna

Abgesehen von der Vorgeschichte ist interessant, dass der Film in zwei Fassungen erschien, die waren unterschiedlich lang „Il prigioniero della montagna“ zu 85 Minuten, „Flucht in die Dolomiten“ zu 99 Minuten. 

Die italienische Fassung geht mehr in Richtung film noir, wie es wohl den Drehbuchschreibern Pasolini und Bassani entsprach. Die deutsche Fassung hatte mehr vom Melodram, was auf Trenker als kühlen Rechner zurückzuführen war. Er wollte die Kinos auch damit füllen, dass er die Berge mehr in den Vordergrund stellte. 

Die deutsche Fassung erzählt jedenfalls von Giovanni, dem Inhaber einer kleinen Werft in Bardolino am Gardasee, die kurz vor der Insolvenz steht. Ehefrau Teresa hatte sich immer einen reichen Mann gewünscht, jetzt kommt es zu Streit. Giovannis Bruder Enzo ist ein reicher Hotelier.  Giovanni bittet ihn um einen Kredit. Enzo lehnt ab. Als beide ein Messer zücken, kommt Giovanni zur Vernunft, lässt sein Messer fallen und geht. Das Messer wird gefunden, der tote Enzo auch. Giovanni muss fliehen. Er fährt mit dem Zug in das kleine Dorf Benia am Fuße der Dolomiten, wo er als Arbeiter beim Bau eines Stauwerks angestellt wird. Nach dramatischen Entwicklungen verlässt Giovanni Benia wieder und kehrt zu Teresa zurück. Der wahren Mörder wird entlarvt. In den Hauptrollen waren Luis Trenker und der weibliche Star von damals, Marianne Hold, zu sehen. Der Cinèpanoramic-Farbfilm wurde auf Ferrania-Agfa-Color  gedreht, alles Deatils, die heute wenig sagen, damals aber werbewirksam waren. 

Die Uraufführung von „Flucht in die Dolomiten“ fand am 28. Februar 1956 in Theater am Karlstor in München statt.

Grödner Bahn 

Der Film wurde am Gardasee, im Fleimstal und am Stausee am Fedaiapass gedreht, der damals Baustelle war. Dokumentarisch besonders interessant ist, dass in diesem Film eine der wenigen und wohl auch letzten Aufnahmen der Grödner Bahn zu sehen ist. Die Bahn wurde 1960 eingestellt. 

Flucht in die Dolomiten, Il prigioniero della montagna  (D/I) 1955, 87 bzw. 99 Min., Regie: Luis Trenker, Drehbuch: Luis Trenker, Giorgio Bassani, Pier Paolo Pasolini, mit Luis Trenker, Marianne Hold. 

Am 20.8. wird die italienische Fassung gezeigt. Bei schlechtem Wetter findet die Vorführung auf dem Nivesplatz in Wolkenstein statt.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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