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Das Bio-Südtirol

Bio-Bauer Patrick Uccelli (Foto: Ansitzdornach)

Die Bioanbaufläche ist in einigen Sektoren in Südtirol in den letzten fünf Jahren um bis zu 90 Prozent gewachsen.

Eine Verdoppelung der Bioflächen bis 2025 ist eines der ambitionierten Ziele des „Biokonzept 2025“. Die Halbzeitbewertung ist vielversprechend: Die Bioanbaufläche ist in einigen Sektoren in den letzten fünf Jahren um bis zu 90 Prozent gewachsen. Anstrengungen braucht es noch in der Vermarktung.

Im Jahr 2017 haben – unter Federführung des Südtiroler Bauernbundes – die Bioverbände, die Landesverwaltung sowie Schulungs-, Beratungs- und Forschungseinrichtungen das „Biokonzept 2025“ beschlossen.

Dieses sieht u. a. bis 2025 die Verdoppelung der Bio-Anbaufläche in den Bereichen Milch, Obst und Wein im Vergleich zu 2015 vor. Insgesamt wurden in dem einjährigen Prozess zehn Punkte für die Zukunft der Biolandwirtschaft in Südtirol vereinbart. Im Vorfeld hatten sich die Mitglieder des Südtiroler Bauernbundes bei einer Mitgliederumfrage für eine weitergehende Förderung der Biolandwirtschaft ausgesprochen.

Dass das Konzept bereits Früchte trägt, zeigen die neuesten Zahlen des Landesamtes für die biologische Produktion: Die ökologisch bewirtschaftete Fläche stieg in den letzten fünf Jahren insgesamt um über 80 Prozent – und dabei ist gerade erst „Halbzeit“.

Den größten Zuwachs an Biofläche gab es im Grünland mit 89 Prozent. Im Weinbau stieg die biologisch bewirtschaftete Fläche um 83 Prozent auf 472 Hektar.

Und im Obstbau wurden im letzten Jahr 2.500 Hektar nach biologischen Standards bewirtschaftet, was einer Zunahme von 71 Prozent entspricht. Lediglich im Acker- und Gemüsebau ist der Zuwachs mit 31 Prozent etwas geringer, wobei viele Flächen bereits sehr naturnah bewirtschaftet werden.

Insgesamt ist die biologisch bewirtschaftete Fläche von 6.476 Hektar im Jahr 2015 auf 11.782 Hektar im letzten Jahr angestiegen. Auf über zwölf Prozent der landwirtschaftlichen Fläche (ohne Wiesen und Weiden) wird biologisch produziert – Tendenz steigend.

Die Anzahl der Biobetriebe wuchs im selben Zeitraum um 66 Prozent und erreicht mit knapp 1.500 Betrieben einen neuen Höchststand, sehr zur Freude der Projektpartner. „Die Halbzeitbilanz ist sehr erfreulich. Wenn die Entwicklung so weitergeht, ist die Verdopplung der Bioflächen bald erreicht bzw. könnte die Verdoppelung sogar übertroffen werden“, freut sich Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler. „Mehr Bio bei guten Preisen für die Produzenten bleibt auch weiterhin das Ziel.“

Nachdem das Angebot gesteigert wurde, sei es nun wichtig, die Vermarktung und die Logistik zu stärken, damit die heimischen Bioproduzenten ihre Produkte auch auf den Markt bringen können, ergänzt Toni Riegler, Obmann von Bioland Südtirol. „Dazu gehört, sich besser zu vernetzen und mehr zu kommunizieren. Auch braucht es mehr Zusammenarbeit mit dem Handel. Einen wichtigen Beitrag wird zukünftig die neue Initiative Vermarktungsgenossenschaft ‚Bio Alto‘ leisten.“ Wenn die Vermarktung passe, würden noch mehr Produzenten auf Bio umzusteigen.

Den größten Zuwachs gab es im Grünland, was besonders den Obmann des Sennereiverbandes, Joachim Reinalter, freut. „Die Entwicklung der biologischen Produktion in der Milchwirtschaft ist sehr positiv. Besonders interessant ist die Bio-Heumilch, die einen Mehrwert bietet und ermöglicht, sich von den anderen Bioanbietern auf dem Markt zu unterscheiden. Ich bin überzeugt, dass der Markt für Bio-Heumilch weiter wachsen wird.“

Gerhard Eberhöfer, Verkaufsleiter für Bio beim Verband der Vinschgauer Produzenten für Obst und Gemüse (VIP), ist zuversichtlich, die angestrebten Ziele im „Biokonzept 2025“ zu erreichen: „Im Vinschger Apfelanbau sind wir jetzt mit Bio schon bei 20,5 Prozent der Gesamtfläche.“ Auch für Eberhöfer sei jetzt wichtig, dass Bioprodukte im Handel noch besser sichtbar gemacht werden, dazu brauche es auch noch gezieltere Maßnahmen der Politik. „Es bringt wenig, wenn wir die Bioproduktion verdoppeln, der Anteil der Konsumenten, die Bioprodukte kaufen, aber weit darunter liegt. Da ist noch viel Luft nach oben.“

Zuversichtlich ist auch die Weinwirtschaft: „Die Nachfrage nach nachhaltigen, biologischen oder biodynamischen Weinen steigt vor allem in Nordeuropa. Heute schon bewirtschaften sehr viele Betriebe ihre Flächen biologisch oder biodynamisch“, sagt Andreas Kofler, Präsident des Konsortiums Südtirol Wein.

Um die biologische Produktion langfristig zu stärken, setzen die Partner des „Biokonzept 2025“ auf eine Vielzahl von unterstützenden Maßnahmen. So baut das Konzept auf bestehende Bio-Produktionsstandards und -marken auf. Forschung und Beratung im Biobereich werden im Zusammenspiel zwischen Versuchszentrum Laimburg, Freie Universität Bozen, Beratungsring für Obst und Weinbau sowie BRING ausgebaut. Zudem sollen durch gezielte Aus- und Weiterbildungsangebote sowie Direktförderungen die biologisch produzierenden Betriebe weiter unterstützt werden.

„Unter der Koordination des SBB finden regelmäßige Treffen und Absprachen aller involvierten Akteure statt“, so Tiefenthaler. Weiters werden die Themen Nachhaltigkeit, Biodiversität, Leistungen der Landwirtschaft, Regionalität und gesunde Lebensmittel von allen Partnern öffentlichkeitswirksam kommuniziert.

Einig sind sich die Projektpartner auch, dass die Konsumenten die Biolandwirtschaft maßgeblich unterstützen können, am besten durch einen bewussten Konsum von biologischen Produkten – zu Hause genauso wie in Restaurants oder Mensen.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (5)

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  • bernhart

    Ich habe nur einige Fragen??
    Wieso braucht es in der Biolandwirtschaft die ganzen Kontrollen, fehlt das Vertrauen???
    Wieso soll der BioProduzent mehr und höhere Beiträge erhalten??
    Wieso sind Bioprodukte teurer für den Konsumenten??
    Wieso soll der Konsument Bio vertrauen, wenn Ihr Verantwortlich nicht eure Mitglieder vertraut??
    Ich bin nicht gegen Bio, jeder soll wirtschaften wie er will, nur sollte es ehrlich sein, denn betrogen wurden die Konsumenten schon lange auch mit Bioprodukten.
    Am Ende bezahlt der Produzent die ganzen Vereine, Kontrollen, genau aus diesem Grund werde ich nie bio werden, obwohl ich überzeugt bin ,genau so gesunde hochwertige Lebensmittel zu liefern.
    Bio sind wie die Grünen, man muß sich unterordnen, sonst ist man ein……..

  • sougeatsnet

    Warum betreibt man hier immer nur Werbung von südtiroler Produkten, ist aber nicht bereit mit unsere Nachbaren zu vergleichen. Ein Blick nach Österreicht würde manchen die Augen öffnen: https://www.bio-austria.at/bio-bauern/statistik/

    • andreas

      Wohl weil es merkwürdig wäre, wenn Südtirol für ausländische Produkte Werbung machen würde und was interessieren uns eigentlich die Österreicher?
      Bis du wie der Knoll der auch immer sagt, dass in Österreich alles besser ist, aber nicht die Absicht hat, endlich drausen zu bleiben und die Österreicher zu nerven?

  • sougeatsnet

    @andreas Du hast mich da ganz falsch verstanden. Wir tun so, als wären wir die Besten, dabei sind sie in Ö in Bezug auf Bio viel weiter. Hier werden häufig Zahlen ohne Reflektion wiedergegeben, die Zahlen etwas kritisch zu hinterfragen, wären Aufgabe der Journalisten. Hier wird aber nur copy and paste betrieben.

  • martlstocker

    Man muss auch einmal sagen, dass der Bio-Markt weit übersättigt ist. Die Genossenschaften verkaufen große Mengen Bio-Ware als IP-Ware, um nicht auf dem Bio-Zeugs sitzen zu bleiben.
    Erhalten die Bio-Bauern für ihre als IP verkauften Äpfel Bio- oder IP-Preis ausbezahlt? Höchstwahrscheinlich Bio-Preis, sonst stimmt die Kalkulation nicht mehr. Die Überbezahlung dieser überschüssigen Bio-Äpfel zahlen die IP-Produzenten.

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