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Jimmy Robert, Mirror Language

Jimmy Robert, Mirror Language, exhibition view, Museion 2020. Foto Luca Guadagnini / Lineematiche

Museion präsentiert Mirror Language, die erste Retrospektive in Europa und zugleich das italienische Debüt des Künstlers Jimmy Robert (Guadeloupe, Frankreich, 1975, lebt und arbeitet in Berlin). Die Ausstellung ist ein Kooperationsprojekt mit Nottingham Contemporary und CRAC Occitanie.

Die Ausstellung im Museion umfasst 40 Werke – und zwar Papierarbeiten, Installationen, Fotografien, Video- und Filmarbeiten sowie artist’s books ‒ aus den letzten zwei Jahrzehnten. Mirror Language macht Jimmy Roberts Kunstpraxis deutlich, die genau auf der Schnittstelle zwischen Literatur, Dichtung und bildender Kunst liegt.

Die Präsentation erfolgt im geräumigen 4. Stock des Museion, für den Jimmy Robert ein raumbezogenes Projekt konzipiert hat. Die Werke sind auf großen, von der Decke herabhängenden und am Boden weiterlaufenden Papierbahnen installiert, wodurch Raumteilungen und -trennungen entstehen. Diese Strukturen sind ein markantes Element des gesamten Gestaltungskonzepts, das der Künstler für den Raum des Museion entwickelt hat.

Robert geht von den historischen Disziplinen Literatur, Dichtung und Kunst aus, die er um das Element der Performance erweitert, welches er von Schlüsselfiguren der modernen Kunst bzw. der Choreografie wie Yvonne Rainer und Stanley Brouwn übernimmt. Robert eröffnet eine politische Perspektive in Hinblick auf Vulnerabilität, Identität und Gender. Er bedient sich sozusagen “bescheidener” Materialien wie Papier und Klebeband, um den Blick auf jene Stimmen der Geschichte zu fokussieren, die bewusst zum Schweigen gebracht worden sind. Seine Kunstpraxis zeigt, dass diese Stimmen zwar zum Schweigen gebracht werden können, aber trotzdem nicht stumm sind. Die Stimmen hinterlassen Spuren und werden in Form intimer Akte der Fürsorge, Gesten, Spiegelungen und Verkörperungen weitergegeben.

Jimmy Robert im Museion (Foto Luca Guadagnini / Lineematiche)

Diese Spuren und zarten Hinterlassenschaften finden ihre Verkörperung in den in “Mirror Language” gezeigten Werken. Am Anfang der Papierarbeiten stehen oft Porträt, die Robert Büchern zur Kunstgeschichte oder historischen Fotografie, Familienalben oder Zeitschriften entnimmt: In einem zweiten Schritt fügt Robert ein gefaltetes Stück Papier oder Klebeband hinzu, wodurch die Collage eine dreidimensionale (skulpturale) Erweiterung erfährt. Robert geht mit den Bildern um als handle es sich um lebende Subjekte, denen er ihre Sinneswahrnehmungen unterbindet: Augen, Nase und Mund sind oft zugedeckt oder herausgerissen, wodurch die Subjekte blind und stumm sind. Es folgen weitere Interventionen, die neue Schichtungen entstehen lassen: die Collage wird gescannt, bearbeitet und erneut gedruckt und kann sich schließlich in eine autonome Skulptur verwandeln oder in ein Objekt für eine Performance.
Andere Werke des Künstlers, darunter seine frühen Filme und Super 8-Videos arbeiten mit dem Körper als Vehikel von Sprache, als Ort der Interferenz und der Resistenz. In diesen Arbeiten, in denen permanente Übergänge zwischen Bild und Sprache, Objekt und Bild Materialität und Repräsentation erfolgen, finden Konzeptualität und Sinnlichkeit zueinander.
Mirror Language erweitert diese Prozesse der beschleunigten Überarbeitung um eine weitere Schicht. Einige der Werke sind auf die großformatigen, von der Decke herabhängenden Papier-Wände gedruckt und stellen gleichsam ein Echo auf ihren ursprünglichen Zustand dar.
Ein anderes Medium, mit dem Jimmy Robert arbeitet, ist das artist’s book, das zu einem Ort der Zusammenarbeit wird. Daher gibt es eine Affinität des Künstlers zur Sammlung von artist’s book im Bestand des Museion, der kürzlich um den Bestand des Archivio di Nuova Scrittura (ANS) erweitert worden ist. Eine Auswahl davon wird in der Ausstellung in einer vom Künstler selbst eingerichteten Vitrine zu sehen sein. In Büchern von Künstler_innen wie Mirella Bentivoglio und Gina Pane, David Hammons oder Luciano Caruso wird deutlich, dass das Buch hier als skulpturales Objekt begriffen wird oder als ein Ort, den dem die Beziehung zwischen Text und Bild über die Collage, die Iuxtaposition, die Impaginierung oder durch einfaches Blättern erfolgt.

Nach Nottingham Contemporary (UK) (26.10.2020 – 18.04.2021) und der Präsentation im Museion geht die Ausstellung im Herbst 2021 weiter ans CRAC Occitanie in Sète (F) (09.10.2021 – 06.02.2022). Die Ausstellung besteht aus einem Bestand von Werken, die an alle drei Orten gezeigt werden, die jedoch an jedem Ort in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler eine autonome Installation erfahren.

Kurator: Bart van der Heide. Kuratorische Assistenz: Frida Carazzato
Eine Kooperation mit
Nottingham Contemporary und CRAC Occitanie.
Die Ausstellung ist am 28.05.2021 von 18 bis 20.30 Uhr zum ersten Mal für Besucherinnen und Besucher zugänglich.
Dauer der Ausstellung: 29.05 ‒ 29.08.2021

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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