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„Kunden bleiben treu“

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Der Online-Handel boomt in Zeiten der Corona-Krise. Gerade an Aktionstagen wie dem Cyber Monday stellt sich die Frage: Können die Lokal-Händler ihre Kunden wieder zurückholen?

von Markus Rufin

Heute ist Cyber Monday. Die Verkaufsveranstaltung kommt aus Amerika, ist aber längst auch in Südtirol bekannt. Viele Personen warten auf die Angebote der großen Online-Händler, aber auch Südtiroler Geschäfte haben den Aktionstag übernommen.

Dabei bringt dieser den Geschäftsleuten nur wenig, wie der Präsident des Handels- und Dienstleistungsverbandes Philipp Moser betont: „Aktionstage wie Cyber Monday oder Black Friday sind für den Südtiroler Handel überhaupt nicht gut. Zwar stellen diese Tage einen guten Umsatztag dar, aber es wird wenig Wertschätzung generiert. Außerdem fehlt der Umsatz, den man an diesem Tag macht, im äußerst wichtigen Weihnachtsgeschäft.“ Das sei in Umfragen, die der hds durchführen ließ, bestätigt worden. Weil im Dezember keine Sonderverkäufe gemacht werden dürfen, verdiene man gegen Jahresende mehr Geld.

Aber Moser bestätigt, dass immer mehr Südtiroler Geschäfte den Black Friday aber auch den Cyber Monday übernommen haben, weil der Tag mittlerweile eine Art Marke sei. Einen Nutzen bringe dieser Tag aber nur für große Geschäfte und Ketten.

Im heurigen Jahr gewinnen diese Aktionstage aber zusätzlich an Bedeutung. Denn durch die Corona-Krise gibt es für Lokal-Händler viele Umsatzeinbußen, während die Online-Riesen wie Amazon, Zalando und Co. davon enorm profitieren.

Von zu Hause bestellen und in wenigen Tagen das Produkt in den Händen halten. Auch Personen, die vorher nicht online eingekauft haben, haben mittlerweile die Bequemlichkeit des Online-Handels entdeckt, weil sie darauf angewiesen waren. Doch wie kann der ohnehin schwer gebeutelte Lokal-Handel diese Kunden wieder zurückholen?

Gerade Aktionstage bieten sich dafür an, Kunden wieder zurückzuholen. Das Unternehmen Oberalp macht das beispielsweise, indem aus dem Black Friday kurzerhand der Green Friday wird.

Beim Kauf von vergünstigten Salewa Produkten werden an diesem Tag nämlich die Villnößer Brillenschafzüchter unterstützt. Wie das Unternehmen auf Anfrage der TAGESZEITUNG erklärt, wolle man damit, dem Black Friday, der an sich „geringe Relevanz“ für das Unternehmen habe, einen Sinn geben und die lokale Wirtschaft stärken.

Etwas anderer Ansicht ist da Alexander de Zordo, der vor kurzem mit seiner Plattform Dai-Dai an den Start ging. Dabei können Südtiroler Händler ihre Produkte über eine gemeinsame Plattform verkaufen. De Zordo meint, dass Black Friday und Cyber Monday immer wichtiger werden, weil Kunden mittlerweile gezielt Einkäufe an Aktionstagen tätigen. Corona verstärke dies. Das Interesse sei aber auch von Seiten der Händler groß.

Alessandro Madonna, Inhaber eines Schuhgeschäftes in Bruneck sieht in solchen Aktionstagen, die von Amerika übernommen wurden, den „finalen Schlag, der den Handel in die Krise stürzt“. Nahezu das gesamte Wintergeschäft werde durch die Cyber Week zerstört. Weil die Kunden ihre Weihnachtseinkäufe bereits im November tätigen, bleibe kein Geld für den Dezember übrig und die Händler würden leer ausgehen.

Dabei sei das ein großes Problem, denn Touristen und Kunden, die Angst davor haben, Produkte selbst abzuholen, fehlen. Trotzdem bietet auch sein Unternehmen Rabatte an, um in der Masse nicht unterzugehen.

Nichtsdestotrotz ist Madonna sich sicher, dass die Personen, die jetzt ihre Waren online bestellen, später wieder ins Geschäft zurückkehren werden.

Ähnlich sieht es Tobias Eder von Mobilgarden Living, ein Gartenmöbelgeschäft in Meran: „Im Normalfall ist der Detailhandel nicht unser Hauptaugenmerk. Wir liefern normalerweise an Gastronomie- oder Hotelbetriebe. Außerdem haben Gartenmöbel derzeit nicht Saison.“

Dennoch bietet das Unternehmen Vergünstigungen für Produkte an, die auch im Detailhandel verkauft werden können, jedoch sei das aus der Not heraus geschehen. Da das Unternehmen heuer das erste Mal Rabatte in der Woche von Black Friday und Cyber Monday anbietet, steht auch nicht fest, ob sich die Teilnahme ausgezahlt hat.

Eder ist sich aber sicher, dass die Kunden unabhängig davon, ob das Unternehmen an Aktionstagen teilnimmt, nach der Corona-Krise wieder in den Laden zurückkehren werden: „Viele wollen auch gar nicht im Internet einkaufen. Ich bin mir sicher, dass der derzeitige Trend des Online-Handels zu 95 Prozent verschwinden wird. Einige Kunden wird man verlieren, die große Mehrheit wird aber zurückkommen.“

Mehr Erfahrung mit den Aktionstagen hat Willi Hvala von Sport Trocker in Klausen. Doch auch er attestiert diesem Tag keine besondere Relevanz – auch nicht während der Corona-Krise: „Für uns ist dieser Tag deshalb nicht so wichtig, weil wir unseren Kunden und vor allem unseren Stammkunden das gesamte Jahr über mit den Preisen entgegenkommen.“

Auch Sport Trocker habe einige Rabattaktionen, jedoch handle es sich vor allem um Auslaufprodukte, die heuer kaum verkauft werden. Hvala ist sich auch sicher, dass die Kunden nach der Krise in sein Geschäft zurückkehren werden: „Wir betreiben einen Online-Shop und haben dabei gesehen, dass jene Personen, die vorher bei uns eingekauft haben, weiterhin bei uns einkaufen. Ich glaube, das ist in ganz Südtirol der Fall, schließlich sind wir ein kleines Land, indem viele zusammenhalten.“

Ob er damit Recht behält, wird sich spätestens  zeigen, wenn die Geschäfte wieder öffnen dürfen.

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Kommentare (20)

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  • n.g.

    Wenn sich Eder da mal nicht täuscht. 95% ist sehr optimistisch angedacht. Bei den Preisen und Auswahl hierzulande….!

  • batman

    „Die Wenigen, die das System verstehen, werden so sehr an seinen Profiten interessiert oder so abhängig sein von der Gunst des Systems, dass aus deren Reihen nie eine Opposition hervorgehen wird. Die grosse Masse der Leute aber, mental unfähig zu begreifen, wird seine Last ohne Murren tragen, vielleicht sogar ohne zu mutmassen, dass das System ihren Interessen feindlich ist“

  • gorgo

    Gibt es eigentlich eine regionale Online-Handel-Plattform?
    Gab es wenigstens Unterstützung seitens des Hds für Geschäfte in dieser Hinsicht selbst aktiv zu werden?
    Wenn nicht, ist dieses Gejammer gegen Amazon billiger als Amazon selbst.

    • leser

      Gorgo
      Geh einfach ins geschãft einkaufen, dann brauchst du keine plattform

    • yannis

      @gorgo,
      richtig die regionalen Händler haben es schlichtweg verpennt, ging ja so lange gut, als noch Touristen die Geschäfte fluteten…………
      Kenne eine Stadt (ca 60.000 Einwohner) in DE ,bis vor ein paar Jahren gab es dort drei Namhafte Fahrradgeschäfte, eines davon ist schon lange vor Corona neben den vor Ort Geschäft in den Online-Handel eingestiegen.
      Dieses hat mittlerweile einen Kundenradius von 50- 100 Kilometer und es wird immer größer, während die beiden anderen von der Bildfläche verschwanden, nicht erst seit Corona.

      • gorgo

        @yannis
        Vermutlich ist das der Grund. Das eben auch der Handel weniger von Einheimischen, als Touristen lebt.
        Aber auch in dieser Hinsicht wäre eine regionale Plattform ja nicht falsch.
        Und dann muss man online Handel nicht unbedingt absolut negativ betrachten. In China verkauft das Baeuerlein seine Kartoffeln direkt, kann durchaus auch eine Chance für mehr Nachhaltigkeit sein.

  • politikverdrossener

    Nicht einmal jetzt in der Corona Zeit ist die Politik imstande,die Onlineriesen dort zu besteuern,wo sie ihr Geld hamstern,dasselbe könnte man auch von jenen sagen die für das leidige System der Tiertransporte verantwortlich sind .Alles S er. Ist irgendwo ein Gscheider ummer der mir kann sagen was dem Bezos ausmacht ob er 140 oder 100 Milliarden Dollar hortet?

  • thefirestarter

    https://www.heise.de/tp/features/Corona-Krise-Uruguay-zwischen-Darwinismus-und-Kaefighaltung-4971884.html

    Und irgendwann in paar Jahren wird man sich fragen .. wie konnte es so weit kommen gab es kein Anzeichen?

    Lacalle Pou nutzte die Gunst der Stunde – die durch die Pandemie hervorgerufene Panik – und legte im Eilverfahren ein Gesetz vor, das Privatisierungen erleichtert und Arbeitnehmerrechte einschränkt. „Es hatte wohl schon fertig in der Schublade gelegen. Die angebliche Dringlichkeit wurde mit Covid begründet, obwohl die 500 Artikel überhaupt nicht auf die Pandemie eingehen“, so Fernando Gambera von der Gewerkschaft der Bankangestellten.

  • laura

    Ich verstehe nicht wenn i in ein Geschäft gehe, ein Elektrogerät um 200€ kaufe dann im Netz sehe das das Produkt online bei genau den Geschäft 149€ kostet. Muss ein Frächter zu mir nach Hause kommen usw. eine totale verarsche….Das gleiche beim größten Sporthändler im Land dann soll man die lokalen Geschäfte unterstützen??? Mir inzwischen egal wo die Sachen herkommen wenn man doch nur gepflanzt wird…

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