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„Viel Herzblut“

Stabile Menge, stabile Preise und eine nur leicht rückläufige Zahl an Lieferanten: Das Milchjahr 2019 war für den Sennereiverband Südtirol eines in der Norm.

Die diesjährige Vollversammlung des Verbandes war aber nicht deshalb weniger dem Rückblick als der Vorschau gewidmet. „Die Coronakrise stellt unser ganzes System vor eine harte Probe, wir haben uns Herausforderungen zu stellen, die völlig neu sind – für alle Beteiligten“, so Obmann Joachim Reinalter. Er hofft vor allem auf eines: die Treue der heimischen Kunden.

Die Zahlen der Südtiroler Milchwirtschaft waren auch im Milchwirtschaftsjahr 2019 beeindruckend. Mit 399,1 Millionen Kilogramm Kuhmilch wurde nur um 1,7 Prozent weniger an die Milchhöfe geliefert als 2018, mit 1,54 Millionen Kilogramm Ziegenmilch sogar um 5,4 Prozent mehr. Diese Mengen stammen von 4509 aktiven Milchlieferanten, das sind 182 weniger als im Vorjahr. Der Milchpreis ist mit 51,20 Cent/kg Milch leicht höher als im Vorjahr, das Milchwirtschaftsjahr 2019 war also ein durchaus zufriedenstellendes.

Lockdown lässt Märkte wegbrechen

Dass man darauf nicht unmittelbar aufbauen kann, liegt an der Coronakrise, die seit Anfang des Jahres auch die Milchwirtschaft mit aller Härte erfasst hat. „Durch den Lockdown in ganz Europa sind unsere Märkte zusammengebrochen“, erklärt Joachim Reinalter, „alle, bis auf jenen im Inland“. Auch auf dem Südtiroler und dem italienischen Markt fehlten allerdings die großen Abnehmer Gastronomie und Hotellerie, was für die Frischmilch und für den Käse- und hier vor allem für den Schnittkäseabsatz gravierende Folgen hat.

Zudem hat der Käseabsatz im Lebensmitteleinzelhandel gelitten „Unser Käse ist Thekenware und diese wurde gemieden“, erklärt der Obmann. Mit der ausgefallenen Tourismussaison und dem fast gänzlich darniederliegenden Export führe dies zu einem Überangebot. „Die Käselager der Milchhöfe sind voll und Milch muss in Produkte mit einer geringeren Wertschöpfung verarbeitet werden“, so Reinalter. „Auch deshalb hoffen wir, dass der Konsum bald wieder ansteigt.“

Die Hoffnung der Milchwirtschaft liegt dabei in einem baldigen Wieder-Anziehen von Gastronomie und Tourismus, allerdings macht man sich keine falschen Hoffnungen. „Wir können sicher nicht mit den Absätzen der letzten Jahre rechnen – wohl noch für eine ganze Zeit lang nicht“, so Reinalter. Dazu komme, dass es wegen der Krise einen weltweiten Milch-Überschuss gebe, der wiederum auf die Preise drücke. „Das werden wir auch in Südtirol zu spüren bekommen“, erklärt der Obmann. Seine Prognose ist deshalb eine nüchterne: „Es wird ein äußerst schwieriges Jahr werden.“

Treue Kunden in Südtirol

Damit die Milchwirtschaft überhaupt auf den Beinen bleiben kann, ist indes dem privaten Konsum in Südtirol und Italien zu verdanken. „Es hat sich in den letzten Wochen gezeigt, wie sehr die Südtirolerinnen und Südtiroler unsere Milch und unsere Milchprodukte schätzen und ihnen die Treue halten“, erklärt der Obmann. Mehr noch: Gerade der Lockdown habe den Menschen wieder deutlich vor Augen geführt, wie wichtig eine funktionierende Landwirtschaft vor Ort und eine Wirtschaft der kleinen Kreisläufe für die Versorgungssicherheit mit Grundnahrungsmitteln seien. Diese Kreisläufe aufrechterhalten zu haben, sei das Verdienst der Südtiroler Milchwirtschaft gewesen, sagt Reinalter. „Dass unser System von der Abholung der Milch am Hof bis ins Kühlregal der Lebensmittelgeschäfte auch in der akutesten Krise reibungslos funktioniert hat und die Menschen in unserem Land konstant mit Milchprodukten versorgt werden konnten, bestätigt unsere Bemühungen der letzten Jahre“, so der Sennereiverbands-Obmann. Sein Dank gilt allen Beteiligten: allen Bauern, allen Fahrern der Sammelwagen, allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Milchhöfen und im Sennereiverband und der gesamten Logistikkette.

Beste Milch kommt (wieder) aus Prettau

Leider nicht möglich war angesichts der Vollversammlung in kleinem Rahmen die Prämierung des besten Milchlieferanten im Jahr 2019, jenes Betriebs also, von dem die Milch mit den besten Qualitätswerten stammt. Es ist auch in diesem Jahr Franz Innerbichler vom Götschhof in Prettau. „Wenn man weiß, wie steil die Wiesen dieses Hofes sind und wie hart die Arbeit hier ist, ist es erstaunlich, dass Familie Innerbichler sich auch in diesem Jahr wieder als Landesbeste durchsetzen konnte“, sagt Obmann Reinalter. Und: „Sie ist ein Symbol dafür, wie viel Herzblut in unseren Produkten steckt und mit welcher Leidenschaft unsere Milchbauern ihrer Arbeit nachgehen.“

 

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