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„Haben erst zwei Kinder behandelt“

Thomas Müller

Am Anfang der Covid-19-Pandemie galten Kinder und Jugendliche als sogenannte „Superspreader“, die eine SARS-CoV-2-Infektion besonders leicht übertragen würden. Mittlerweile liegen neue Erkenntnisse vor, trotzdem bleibt vieles immer noch ungewiss.

Am 1. April 2020 gab es in Tirol 63 positiv getestete Kinder und Jugendliche.

Seitdem sind nur mehr vereinzelte hinzugekommen. Somit fielen zum Stichtag 1. April 2020 gerade einmal 2,6 Prozent aller getesteten Infizierten auf die Altersgruppe der 0 bis 18-Jährigen.

Lediglich zwei Kinder mit einer nachgewiesenen SARS-CoV-2-Infektion wurden bisher an der Universitätsklinik für Pädiatrie betreut. Beide kleinen PatientInnen hatten einen sehr milden Verlauf und haben sich rasch erholt, berichtet Thomas Müller. Das entspricht auch österreichweiten und internationalen Erfahrungen: Kinder entwickeln nur sehr selten eine schwere Infektion mit Atembeschwerden und/oder Organversagen.

Trotzdem wurden Kindergärten und Schulen geschlossen, für viele unverständlich.

Im Interview beantwortet Thomas Müller von der Medizin Uni Innsbruck Fragen zum aktuellen Wissensstand, möglichen schweren Verläufen bei Kindern und erklärt, worauf Eltern achten sollten.

Kinder galten am Anfang der Covid-19-Pandemie als „Superspreader“. Hat sich diese Theorie bestätigt?

Thomas Müller: Das ist die brennende Frage, die uns alle interessiert, insbesondere vor dem Hintergrund der bevorstehenden schrittweisen Öffnung von Kindergärten und Schulen. Gesichert ist, dass über 90 Prozent der Infektionen bei Kindern asymptomatisch oder sehr mild verlaufen! Die Sorge ist, dass sich Kinder in der Schule unbemerkt infizieren, in weiterer Folge zu Hause Eltern und Geschwister infizieren könnten. Eine Voraussetzung für eine zusätzliche Verbreitung der SARS-CoV-2-Infektion in der Bevölkerung.

Aber wie ansteckend sind infizierte Kinder für Erwachsene Kontaktpersonen tatsächlich? Eine Studie aus China hat mit statistischer Signifikanz gezeigt, dass Kinder aller Altersgruppen und Erwachsene die gleichen Infektionsraten in Haushalten hatten.

Wir brauchen dringend weitere Studien in sogenannten Familien-Clustern in Regionen mit hoher Prävalenz von Infizierten. Die können wir durchführen, wenn wir verlässliche Antikörpertests vornehmen können, um auch asymptomatisch abgelaufene Infektionen in den Familien zu detektieren. Wir wissen bisher nicht, ob asymptomatisch infizierte Kinder weniger oder mehr Viren über den Rachen ausscheiden als Erwachsene, so dass indirekte Schlüsse über deren tatsächliches Übertragungsrisiko nicht geliefert werden können. Cluster-Analysen in Familien und Haushalten sowie Studien über die Höhe der Viruslast im Rachen bei Kindern im Vergleich zu Erwachsenen könnten uns bereits in einigen Wochen diese wichtigen Antworten geben.

Kinder haben einen milden Verlauf, trotzdem wird in internationalen Medien auch von Todesfällen bei Kindern berichtet. Wie ist das zu erklären?

In der Medizin ist es meist so, dass etwas nicht zu 100 Prozent gilt. Wir wissen aber aus allen Studien bisher, dass Kinder viel seltener schwere Atembeschwerden entwickeln.

Schwere Covid-19-Verläufe bei Kindern und Jugendlichen sind Einzelfälle. Warum das so ist, darüber gibt es bis jetzt nur Hypothesen und Spekulationen.

Wir haben in der Kinderklinik in Innsbruck bisher nur zwei Kinder mit Covid-19 behandelt. Ein sieben Jahre altes Kind zählte sogar zu einer Hochrisikogruppe mit einer akuten Leukämie unter laufender Chemotherapie. Die Mutter war zuvor positiv getestet worden, und das immunsupprimierte Kind präsentierte sich mit Fieber. In beiden Fällen gab es erfreulicherweise einen sehr milden Verlauf.

Wenn mein Kind wieder in die Schule oder Kindergarten geht, worauf ist zu achten?

Wenn die Maßnahmen jetzt wieder schrittweile gelockert werden, sollten Eltern ihre Kinder sehr genau beobachten, ob sie Symptome entwickeln. Also: Hat mein Kind eine rinnende Nase, Husten, ist es verkühlt, Fieber oder unspezifische Zeichen eines Infekts wie Abgeschlagenheit?

Im Zweifelsfall, wenn es bei einem Kind Hinweise auf eine Infektion gibt, dann gilt als erste Maßnahme: Unbedingt zu Hause bleiben! Die Hauptinfektionszeit ist vorbei, daher wäre es aus meiner Sicht angezeigt, im Falle von diesen Symptomen großzügig Abstrichtests auf SARS-CoV-2 vorzunehmen, sobald ein Kind nur die geringsten Anzeichen eines Infektes zeigt.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (18)

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  • mimi01

    Der Artikel isch und am Unfong et grod Objektiv…. iwenn man sich hingegen is Interview durchlest isch uan schnell klor wio gfährlich des für di Weiterverbreitung isch… Na ja a wenn lei 2 Kindo behondlt wordn sein, isch net klor wieviel Familien sich ungsteckt hobm… also af guit deitsch gsog wuas man gor nix und wer übernimmp donn di Verantwortung? Niamand

    • kirke

      Wie sieht das ein Psychiater? Fragen über Fragen…..:):)

      https://www.youtube.com/watch?v=0hc-1_xG-jQ

      • mimi01

        Sel mog ols sein, i kenn obo zwua junge Leit wos des kop hobm und olm no drunto leidn, noch an Munat!!!! Also so unbedenklich isch des sicho net… also Bitte mir isch des jo gleich, i setz meina Familie holt sicho kuan Risiko aus, obo jedo soll tion wosa fi richtig holtit!!!!

    • jennylein

      Der Artikel ist von Anfang an objektiv und Herr Dr. Müller drückt sich sehr vorsichtig aus, da er Wissenschaftler ist. Mit etwas Hausverstand leicht zu erfassen ist, was er wirklich glaubt, aber als Wissenschaftler nicht sagen kann, denn jede Hypothese muss erst hundert Prozent oder mit entsprechender Wahrscheinlichkeit bewiesen werden.

      Die WHO hat schon in Ihrer Studie von Wuhan ( https://www.who.int/docs/default-source/coronaviruse/who-china-joint-mission-on-covid-19-final-report.pdf ) feststellt:

      Zitat:“. Of note, people interviewed by the Joint Mission Team could not recall episodes in
      which transmission occurred from a child to an adult.“

      zu Deutsch: „Auffällig ist, dass … kein Fall der Übertragung von einem Kind zu einem Erwachsenen festgestellt werden konnte“

      Die Schwedische Regierung (und nicht nur die Schwedische, aber in Finnland und in Norwegen gibt es halt so wenige Tote, dass die Presse nicht berichtet, dass dort mehr oder weniger die selbe Strategie gefahren wird) hat deshalb beraten vom Epidemologen Johan Giesecke die Schulen, Kindergärten und Kitas nie geschlossen und die Statistik gibt Schweden zumindest in dieser Maßnahme mehr als Recht. Es hat in Schweden bis heute noch keinen Todesfall bei den unter Zwanzigjährigen gegeben:

      https://experience.arcgis.com/experience/09f821667ce64bf7be6f9f87457ed9aa

      Leider werden so aussagekräftige Statistiken wie in Schweden mit absoluten Zahlen nach Altersgruppen und mit Registrierung von Todesfällen nach Sterbedatum um positiven Testergebnissen, nach Tag der Probe werden in den anderen Ländern nicht veröffentlicht.

      • mimi01

        Du zitierst a Studie aus Wuhan, wo is Virus ausgebrochn isch, für mi wiank Glaubwürdig… außerden les lei amol genau is Interview, denn do follt auf dassis net so unbedenklich isch… wenne schun vo Hausvostond redesch, isch des Interview mitunter a Grund dassi meina Kindo dohuam am Bestn aufgehobm sein… Wenn a neue Welle ausbricht ohne dass di Frogn geklärt sein und genau wegn der verfrühten Öffnung…. im übrigen konnsch di nordischn Ländo net mit ins vogleichn…

        • jennylein

          @mimi01
          Wenn Sie die Studie durchlesen würden, dann könnten sie die Qualität derselben selbst beurteilen.

          Welche Risiken Sie ihren Kindern zumuten wollen oder nicht, da liegt es mir fern Ihnen irgendwelche Empfehlungen zu geben. Das ist Ihre Aufgabe als Elternteil. Das gilt aber nicht nur für Corona, sondern auch für alle anderen Risiken, die Ihre Kinder bis zum 19. Lebensjahr eingehen sollen oder müssen. Ich würde mir wünschen, die Leute würden versuchen sich selbst seriöse Informationen zu besorgen und nicht nur alles zu glauben, was uns die Politik vorgibt. Es gibt durchwegs die Möglichkeit, aber es ist alles andere als einfach. Denn auf der einen Seite steht die Panikmache der Politik um uns ja zu Hause zu behalten und auf der anderen Seite gibt es leider auch einiges an Fake-News und übertriebene Verschwörungstheorien.

          Zum Letzen.. Ich habe Verwandte in Schweden und wahr viele Male dort. Von Malmö über Stockholm bis Kiruna kenne ich Leute. Schweden ist nicht mit der Lombardei vergleichbar, aber es gibt Gebiete in Schweden, die gut mit Südtirol vergleichbar sind.

          • mimi01

            I kenn zufällig kerngsunde Leit wos des kop hobm und noch an Munat olm no Atembeschwerden hobm, Verschwörungstheoretiker sein schun sellane de des verharmlosen… obo solong man net selbo betroffn isch, ischs olm leicht…! Und zi der Studie, wenn man bedenkt vieviel do votuscht wordn isch vo Seitn CH, isch des net so seriös….. Ihnen alles Beste und hoffntlich weart Ihnan de leichtfertige Sichtweise net zum Verhängnis ….

  • george

    Der Vorspann zum Interview ist verwirrend und ziemlich gegensätzlich zu dem, was T. Müller nachher im Interview sagt. Journalisten und Redakteure dürfen nicht den Interpreten spielen, das läuft meistens falsch.

  • fronz

    Der Drosten ist ja bekannt für seine erfinderischen Lügengeschichten.

  • hallihallo

    in der corona diskussion hat immer mehr jeder seine eigene meinung. studien die seiner meinung entsprechen, sind richtig und und bestätigen alles und
    studien die seiner meinung nicht entsprechen sind unglaubwürdig.

    • george

      Weil Sie wahrscheinlich sich so gescheit wähnen, dass Sie das beurteilen können. Haben Sie etwa entsprechende Grundstudien und weiterführende Versuche gemacht? Eure Zuordnungen und Gedankenverbindungen lassen mir häufig die Haare zu Berge stehen. Jeder will gescheiter sein als der andere, die meisten haben aber wahrscheinlich nie etwas untersucht, kein Labor betreten und die Arbeit von Wissenschaftler nie mitverfolgt, wollen aber darüber urteilen.

  • exodus

    @mimi01 Könnten Sie bitte deutsch – italienisch oder englisch Ihre Meinung abfassen, dann würden vielleicht mehr Leute etwas verstehen. Ihr Dialekt ist ja schrecklich!!

  • exodus

    @ Da können Sie sicher sein, kann genug Sprachen und Ihr Dialekt ist für mich uninteressant!

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