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Exorbitante Preise

© Manzoni/NordicFocus

Die Biathlon-WM in Antholz wirft ihre Schatten voraus. Die Zimmerpreise steigen – in einzelnen Betrieben – in ungeahnte Höhen. Im Drei-Sterne-Hotel Wildgall kostet eine Woche bis zu 12.000 Euro. Diese Preispolitik sorgt für Stunk.

von Silke Hinterwaldner

Eines ist unbestritten: Wer zum jetzigen Zeitpunkt noch ein Zimmer im Antholzertal benötigt, ist mehr als spät dran. Seit Monaten sind die Hotels und Pensionen zwischen dem 13. und dem 23. Februar im Großraum rund um das Biathlon-Mekka Antholz ausgebucht. Der naheliegende Grund: die Weltmeisterschaften.

Um bei diesem sportlichen Großereignis dabei sein zu können, nehmen viele Fans unter Umständen große Strapazen auf sich: eine weite Anreise und deutlich erhöhte Preise. Den eingefleischten Fans macht das alles nichts aus. Aber es gibt Grenzen. Und diese wurden jetzt gesprengt.

„Jeder hat Verständnis dafür“, schickt Georg Zingerle voraus, „wenn die Preise für ein Hotelzimmer während der WM um zehn oder auch 20 Prozent teurer sind. Biathlon-Zeit ist Hochsaison bei uns hier.“ Umso mehr ärgert sich der  Präsident des örtlichen Tourismusvereins, sobald ein Betrieb aus der Reihe tanzt. Oder besser gesagt: Wenn ein Hotel die Zimmerpreise beinahe verzehnfacht, dann gehen nicht nur beim Tourismusverein die Wogen hoch. Fans, Sportfunktionäre, Athleten, Organisatoren – alle zeigen sich empört.

„So etwas ist jenseits von Gut und Böse“, sagt Zingerle Kopf schüttelnd, „wir distanzieren uns von solchen Methoden, auch weil das kein gutes Licht auf Antholz wirft. Dabei darf man jedoch nicht vergessen: Es handelt sich nur um einzelne Schwarze Schafe. Die allermeisten Betriebe bieten ihre Zimmer auch in WM-Zeiten zu fairen Preisen an.“

Nun aber zum konkreten Fall:

Foto: Webseite/Wildgall

Das Sporthotel Wildgall ist ein Drei-Sterne-Betrieb in strategisch guter Lage.

Das Hotel befindet sich nur 600 Meter von der Biathlon-Arena entfernt und war auch deshalb in Vergangenheit bei den Teams aus aller Welt eine beliebte Unterkunft. Wer jetzt noch ein Doppelzimmer mit Frühstück im Drei-Sterne-Haus buchen will, benötigt jedoch eine dicke Brieftasche. Wie ein Blick auf die Buchungs-Plattform Booking zeigt, kostet eine Woche im Doppelzimmer  mit Frühstück sagenhafte 9.000 Euro, also rund 1.163 Euro pro Nacht. Wer ein schöneres Zimmer, etwa mit Balkon, haben möchte, kann in einer Biathlon-Woche, wenn er es denn möchte, auch gern 12.000 Euro ausgeben, also mehr als 1.500 Euro pro Nacht.

Wie gesagt: Man nächtigt dabei nicht in einem glamourösen Luxushotel, man bucht auch nicht Vollpension oder einen Wellness-Tempel, sondern ein recht einfaches Drei-Sterne-Haus. Zum Vergleich, auch das lässt sich auf Booking schnell nachschauen: Wer einen Monat später dasselbe Zimmer für sieben Nächte buchen möchte, muss nur 950 Euro auf den Tisch legen, also rund 130 Euro pro Übernachtung.  Im Hotel Wildgall sind aber auch immer wieder Zimmer für unter 100 Euro zu haben. Nur nicht zu WM-Zeiten.

Keine besonders schöne Erfahrung gemacht haben auch einige Teams. Viele haben in weiser Voraussicht bereits im Frühjahr 2019 die Zimmer für die WM gebucht, wie immer war auch im Hotel Wildgall die Nachfrage groß. Einige der Mannschaften haben auch Zusagen bekommen und fix gebucht. Aber im Herbst dann die Überraschung: Die Buchung wurde abgesagt (oder die Sportmannschaften mussten absagen, weil die Preise zu sehr in die Höhe geschnellt waren). Diese Teams mussten sich dann andernorts um ihre Zimmer kümmern.

So etwas hinterlässt auch bei Georg Zingerle ein schales Gefühl. „Hier zeigen sich die Schattenseiten der WM“, sagt der Präsident des Tourismusvereins, „das wirft ein schlechtes Licht auf die gesamte Hotellerie.“ Wenn Sportveranstaltungen anstehen, dann scheint es selbstverständlich, dass gerade die Teams vor Ort untergebracht werden wollen. Aber das ist nicht immer einfach: Trotzdem stellen die meisten Betriebe den Teams eine angemessene Zahl an Zimmern zur Verfügung, auch wenn andere Gäste vielleicht weniger kompliziert sind.

Georg Zingerle zuckt die Schultern. „Ich finde  es sehr, sehr schade, dass einzelne Betriebe eine solche Preispolitik betreiben. Aber uns als Tourismusverein sind die Hände gebunden. Letztendlich gelten die Gesetze des freien Marktes.“

 

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (30)

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  • pingoballino1955

    In meinen Augen ist dies gelinde gesagt eine Frechheit von diesen Gastronomiebetreibern ,die die Preise exorbitant erhöhen. Warum schaltet sich das Land nicht ein???? keine Kompetenz??? ,oder will an die Hotellobby nicht verärgern in Anbetracht der anstehenden Gemeinderatswahlen??

    • meraner

      @pingoballino1955, Planwirtschaft funktioniert in den seltensten Fällen. Oder soll das Land auch bestimmen was die Milch, ein Auto oder andere Artikel kosten. Zum Glück haben wir freie Marktwirtschaft, wem es zu teuer ist brauch da einfach nicht hingehen.

      • pingoballino1955

        meraner….in meinen Augen ist diese Handlungsweise für das Antholzertal sehr schädigend.Wenn es exorbitante Preise gibt,DANN soll das Land einschreiten,nicht sonst!! Vonwegen Planwirtschaft???? Da ist einiges in Südtirol im argen!

  • besserwisser

    das nennt sich marktwirtschaft: angebot und nachfrage.
    wer die wm jetzt anschaut kann sich jetzt schon ein bild von den nachhaltigen olympischen wettbewerben machen …

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