Du befindest dich hier: Home » News » Kuh & Technik

Kuh & Technik

Melkroboter im Einsatz

Automatisierung in der Rinderhaltung – Wie viel Technik braucht die Kuh? Um diese Frage ging es am Freitag auf der Berglandwirtschaftstagung in Brixen.

Automatisierung in der Rinderhaltung – Wie viel Technik braucht die Kuh?“. Dieser Frage widmete sich die 13. Auflage der Südtiroler Berglandwirtschaftstagung am Freitag im Forum in Brixen. Bäuerinnen und Bauern aus ganz Südtirol, die bäuerliche Jugend sowie Behördenvertreter informierten sich vor Ort über die neuesten technischen Entwicklungen im Bereich der Automatisierung.

Die Tagung wurde vom Beratungsring Berglandwirtschaft (BRING) organisiert.

In seinen Eröffnungsworten wies BRING-Obmann Daniel Gasser darauf hin, dass sich die Berglandwirtschaft ständig weiterentwickelt. Das Bild von Nostalgie, das viele mit der Arbeit am Bergbauernhof verbinden, entspricht nicht der Wirklichkeit. Mit Automatisierung erreicht man Arbeitserleichterung und Zeiterparnis bei der täglichen Arbeit. Landwirtschaftslandesrat Arnold Schuler gab einen kurzen Überblick über das neu ausgerichtete Fördersystem. Tierwohl, Ökologisierung und aktive Landwirtschaft spielen dabei eine zentrale Rolle.

Der Landesobmann des Südtiroler Bauernbundes Leo Tiefenthaler betonte die Bedeutung der Jugend für die Berglandwirtschaft und forderte in Hinblick auf die Großraubwildproblematik entsprechende Lösungen.

Technik am Milchviehbetrieb ist wichtig und gut

Dieter Hanselmann, Produktions- und Managementberater beim Besamungsverein Neustadt an der Aisch (Bayern) zeigte im Rahmen seines Vortrages Möglichkeiten auf, welche die Arbeitsqualität und idealerweise die Sozialkomponente auf Milchviehbetrieben individuell verbessern. Prinzipiell ist Technik sehr wichtig und gut, sie hilft und motiviert, aber nicht immer passt für jeden Betrieb die gleiche Ausstattung. Speziell Melk- und Fütterungstechnik entscheiden am Milchviehbetrieb, wer „fertig“ wird und „Herr“ der Lage ist. Der Landwirt muss aber auch kritisch hinterfragen, wie viel eine Technisierung kostet und inwieweit diese Stress verursacht. Jeder Betrieb muss je nach Ausstattung mit Personal, Kapital und Neigung die am Markt angebotenen Systeme prüfen. Kritisch zu hinterfragen ist immer, was die Ausstattung an Arbeitsqualität und -zeit bringt und. was sie den Betrieb kostet. Betriebswirtschaftliche Aufzeichnungen und Berechnungen sind ein Muss.

Personaleinsatz planen – Freiräume schaffen

Schlagkräftige und richtig eingesetzte Technik erleichtert den Alltag, motiviert die Betriebsnachfolger und schont im Idealfall die Übergeberfamilie. Für jeden Betrieb gibt es Lösungen und Verbesserungen. Wie erledige ich das Melken, Füttern, Kälber tränken, Futterschieben und vieles mehr. Solche Fragen dürfen stets abgewogen und kalkuliert sein. Wichtig ist aber auch, den „Personaleinsatz“ richtig zu planen. Feierabend, Wochenende und Auszeiten dürfen für die jüngere Generation, auch in der Milchviehhaltung, kein „Tabu-Thema“ sein. „Egal ob 20 oder 170 Kühe, es muss für die Hauptbereiche Melken, Füttern und für Herdenmanagement Personen geben, die den Betriebsleiter bzw. das Betriebsleiterehepaar regelmäßig vertreten können“, so der Berater abschließend.

Automatische Fütterungssysteme im Vormarsch

Nach dem automatischen Melken ziehen nun auch in der Grundfuttervorlage Roboter in die Ställe ein“, so Franz Tiefenthaller, Fütterungsberater der Landwirtschaftskammer Oberösterreich. Automatische Fütterungssysteme (AFS), auch als Fütterungsroboter bezeichnet, werden von einer ganzen Reihe von Herstellern angeboten.

Arbeitszeitersparnis und Arbeitserleichterung

Ein Fütterungsroboter legt die Ration meist mehrmals am Tag frisch vor. Zugleich übernimmt er auch das Anschieben des Futters. Dadurch ersparen sich die Betriebsleiter je nach Betriebsgröße Arbeitszeit von 0,5 bis 3 Stunden pro Tag. Arbeitszeitersparnis und Arbeitserleichterung sind daher auch die Hauptgründe für die Anschaffung von AFS, weniger die Steigerung der Leistung. Weitere Effekte sind mehr Ruhe im Stall bei der Futtervorlage, weniger Futterreste und eine Steigerung der Futteraufnahme. Auf die Milchleistung sind keine Effekte im Vergleich zur einmaligen Futtervorlage zu erwarten. Mit AFS ist es möglich, sehr hohe Tierzahlen mit niedrigem Arbeitsaufwand zu füttern. Es können verschiedene Rationen eingestellt werden z.B. für trockenstehende, frischkalbende oder spätlaktierende Tiere. Auch Futtermischungen für Jungvieh oder Mastrinder können hergestellt und mehrmals täglich vorgelegt werden.

Mit AFS ist es möglich, sehr hohe Tierzahlen mit niedrigem Arbeitsaufwand zu füttern. Es können verschiedene Rationen eingestellt werden z.B. für trockenstehende, frischkalbende oder spätlaktierende Tiere. Auch Futtermischungen für Jungvieh oder Mastrinder können hergestellt und mehrmals täglich vorgelegt werden.

Besonders in älteren Stallungen, wo Futtertische nicht befahrbar sind, kann ein AFS eine sinnvolle Technisierungsmöglichkeit sein. Bei Neubauten kann die Futtertischbreite halbiert und so ein Teil der Investitionskosten in das AFS bei den Stallbaukosten eingespart werden. Wer in ein AFS investieren will, muss mit Kosten von 1.000 bis 2.000 € je Kuh rechnen. Die Kosten sinken mit steigender Kuhzahl. Die Technik ist daher für größere Betriebe von besonderem Interesse.

Technik im Praxiseinsatz

Der Milchbauer Matthias Engl vom Stocknerhof in Terenten hat auf seinem Betrieb sehr viel an Technik im Einsatz. Die 45 Kühe der Rasse Braunvieh werden von einem automatischem Melksystem gemolken. Die Installation des Melkroboters brachte dem Betrieb eine gewisse Flexibilität bei der täglichen Stallarbeit. Der Futteranschieber mit eingebauter Lockfütterung passte ideal zu dem bereits vorhandenen Mischwagen und animiert die Tiere dazu, öfter zum Fressen zu gehen. Außerdem ist am Betrieb ein Kälbertränkeautomat sowie ein Spaltenroboter im Einsatz.

Matthias Engl ist sehr technikaffin. Die investierte Automatisierungstechnik passt sehr gut zu seinem Betrieb. Aufgrund der Automatisierung verbringt er auch nicht weniger Zeit im Stall als vorher, er setzt diese nur anders ein. Überzeugt ist Matthias Engl jedenfalls davon, dass ein Bauer, der Technik einsetzt, in erster Linie die Kühe im Blick haben muss.

 

 

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (3)

Lesen Sie die Nutzerbedingungen

  • regenwurm

    Die armen, armen, armen Bauern.

  • thefirestarter

    Überzeugt ist Matthias Engl jedenfalls davon, dass ein Bauer, der Technik einsetzt, in erster Linie die Kühe im Blick haben muss.

    So ein Gedudle… der Bauer hat nur die Gewinnmaximierung im Blick und das ist kein Kritik.

  • yannis

    >>>Die 45 Kühe……>>>> Der Futteranschieber mit eingebauter Lockfütterung passte ideal zu dem bereits vorhandenen Mischwagen und animiert die Tiere dazu, öfter zum Fressen zu gehen

    Wieviel/wenig Kühe würde der Hof ohne das vom Futteranschieber zugeführte Futter zulassen ?
    Mit Sicherheit deutlich weniger, wobei der natürliche Kreislauf geschlossen bliebe, das heißt dass die Gülle noch im „vernünftigen“ Maße auf den Hof eigenen Felder Platz fände.

    https://www.youtube.com/watch?v=L8Wu0R5EKLo

    Noch ein paar Sanktionen gegen Russland ????

Kommentar abgeben

Du musst dich EINLOGGEN um einen Kommentar abzugeben.

2020 ® © Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH/Srl - Alle Rechte vorbehalten. Impressum | Datenschutz & AGB | Cookie Hinweis

Nach oben scrollen