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Pestizide auf Spielplätzen

Die Studie zur Pestizidbelastung auf Spielplätzen in Südtirol ist jetzt in der Fachzeitschrift Environmental Sciences Europe erschienen.

Obst- und Weinbau zählen zu den landwirtschaftlichen Sparten mit besonders hohem Pestizideinsatz.

Unklar war bislang, inwiefern angrenzende öffentliche Flächen durch Pestizidverwehungen betroffen sind. In der weltweit ersten Studie dieser Art wurden 71 Spielplätze in Südtirol auf mögliche Pestizidkontaminationen untersucht. Knapp die  Hälfte der untersuchten Spielplätze war mit Pestiziden kontaminiert.

Insgesamt wurden 12 verschiedene Pestizide gefunden. In Anbetracht der dort spielenden Kinder ist es besonders bedenklich, dass 92 Prozent der gefundenen Pestizidwirkstoffe als hormonell wirksam gelten. Des Weiteren ergab die Studie, dass die Pestizidbelastung von der Entfernung zu den Obstanbauflächen und von deren Flächenanteil in der Umgebung abhängt. Zusätzlich werden die Pestizidrückstände von den herrschenden Strahlungs- und Windbedingungen sowie den Niederschlagsmengen beeinflusst.

Die Ergebnisse dieses internationalen Kooperationsprojektes wurden kürzlich in der wissenschaftlichen Zeitschrift Environmental Sciences Europe veröffentlicht.

Pestizide, die auf landwirtschaftlichen Flächen gegen Insekten, Beikräuter oder Pilzerkrankungen eingesetzt werden, können durch Verdampfung, Wind und Niederschlag über weite Strecken verdriftet werden. Während landwirtschaftliche Produkte regelmäßig auf Pestizidrückstände analysiert werden, gibt es keine Erhebungen zu einer möglichen Belastung angrenzender öffentlicher Plätze oder privater Gärten.

Untersuchungen auf Spielplätzen in vier Regionen Südtirols

„In Südtirol wird die Problematik der Pestizidabdrift aus intensiven Apfelanbaugebieten sehr hitzig diskutiert. Deshalb wollten wir mit dieser Studie wissenschaftliche Daten zu dieser Debatte liefern“, erklärt Koen Hertoge, Studienleiter des Pesticide Action Network Europe, einer Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Brüssel. Konkret wurden 71 öffentliche Spielplätze in den vier Südtiroler Regionen Vinschgau, Eisacktal, Etschtal und dem Südtiroler Unterland zufällig ausgewählt und darin Grasproben auf 315 Pestizide untersucht.

„Das besondere an unserer Studie war aber nicht nur das Messen der Pestizidrückstände, sondern auch die Analyse der zugrundeliegenden Wirkfaktoren. So wollten wir herausfinden, ob die Entfernung zum nächsten Obst- oder Weingarten, die Windrichtung und Windstärke, oder auch die Sonneneinstrahlung einen Einfluss auf die Pestizidbelastung haben“, präzisiert die Hauptautorin der Studie, Caroline Linhart.

Fast alle gefundenen Pestizide gelten als hormonell wirksam

Insgesamt konnten 12 verschiedene Pestizide auf den untersuchten Spielplätze nachgewiesen werden. Spielplätze im Vinschgau waren am häufigsten mit Pestiziden belastet, während jene im Bozener Unterland die höchsten Pestizidkonzentrationen aufwiesen.

„Sicher wird so manch einer anmerken, dass Gras kein Lebensmittel ist, von uns Menschen nicht verzehrt wird und Pestizidrückstände daher in Grasproben vernachlässigbar sind“, erläutert der Toxikologe und Mitautor Peter Clausing vomPestizid Aktions-Netzwerk (PAN Germany). „Aber die Tatsache, dass 92 Prozent der gefundenen Pestizide als hormonell wirksam gelten und noch dazu auf Spielplätzen nachgewiesen wurden, sollte uns zu denken geben. Diese Stoffe können in den menschlichen Hormonhaushalt eingreifen und dort zu Störungen führen, was besonders bei Kindern bedenklich ist. Solche hormonschädlichen Substanzen können zur Entstehung chronischen Krankheiten wie etwa Adipositas, Diabetes oder auch Krebs beitragen.“, erklärt Clausing.

Bewertungen von Pestizidabdrift müssen realistischer werden

“Unsere Auswertungen haben auch ergeben, dass die nachgewiesenen Pestizidkonzentrationen höher waren, je näher die Obstanbauflächen an die Spielplätze heranreichten. Weiters waren niederschlagsreiches Wetter sowie mittlere Windgeschwindigkeiten mit erhöhten Pestizdkonzentrationen verbunden“, erläutert Linhart.

Die Wissenschaftler der Studie haben mittels eines Risikomodels für die aufgenommenen Wetter- und Umweltbedingungen jeweils die möglichen Pestizidkonzentrationen bestimmt. „Hier gibt es natürlich eine Schwankungsbreite, aber das Model kann erheblich dazu beitragen, eine gezieltere und somit geringere Pestizidanwendung zu ermöglichen“, erklärt Linart.

„Konkret zeigen die Ergebnisse, dass die untersuchten Kinderspielplätze einen Mindestabstand von 100 Meter zu den Agrarflächen haben sollten, um eine Pestizidkontamination möglichst zu vermeiden. Allerdings können die Pestizide bei mittleren bis höheren Windgeschindigkeiten mehr als 300 Meter vertragen werden, wobei je nach Strahlungsbedingungen auch höhere Konzentrationen wahrscheinlich sind.“, räumt Linhart ein.

„Diese Aspekte wurden bei der bisherigen Anwendung von Pestiziden und bei deren Bewertungen meistens nicht berücksichtigt“, erklärt Hertoge.

Sein Fazit der Studienergebnisse ist, dass die derzeitigen Maßnahmen zur Minderung der Pestizidabdrift offenbar nicht ausreichen und plädiert für ein Pestizid-Monitoring zumindest auf öffentlich genutzen Plätzen in Gebieten mit intensiver Landwirtschaft und vor allem dann, wenn der von den Studienautoren empfohlene Mindestabstand von 100 Metern nicht eingehalten werden kann.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (16)

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  • jennewein

    unsere Politiker und Bauern sagen immer noch Pestizide ist in Südtirol vernachlässigbar ??
    Nur komisch dass noch nie so viel Leute an Krebs erkrankt sind wie in den letzten Jahren.
    Nur schade dass jetzt der Obervinschgau auch vergiftet werden muss,eigentlich müssten alle Gemeinden den Malser Weg beschreiten.
    Wir müssen lernen dass die Gesundheit das wertvollste ist was wir haben und dass man Geld nicht essen kann.
    Natürlich jeder soll die Freiheit haben auf seinem Grund anzubauen was er will,
    Die Eigene Freiheit hört dort auf wo die Freiheit des anderen beginnt.
    Keiner will Gift vom Nachbar im eigenen Garten haben.

    • andreas

      Hast du verlässlicht Zahlen zu den Krebszahlen und Vergleiche zu pestizidfreien Gebieten?
      Theoretisch müssten im Etschtal und Unterland so gut wie alle Krebs haben, im Schlerngebiet keiner bzw. müsste es bei diesen Gebieten signifikante Unterschiede geben. Gibt es die?

      • alsobi

        hoffentlich schmeissen sie dich irgenwann raus hier. deine arroganz und überhebliche einstellung ist echt zum ko…..
        dir gehören ein paar hinter die löffel.

      • meinemeinung

        @andreas wo Du Recht hast, hast Recht ;

      • george

        ‚andreas‘, musst du immer alles pauschalisieren oder verniedlichen. Du tust so, als ob hier ausgedrückt wäre, dass nur Pestizide Ursache für Krebs sind. Dein eingeschränktes oder bewusst einschränkendes Denken ist höchst bedenklich und auch verwerflich.

        • cif

          @george andreas pauschalisiert nicht, sondern jennewein, wenn er schreibt „Nur komisch dass noch nie so viel Leute an Krebs erkrankt sind wie in den letzten Jahren.“
          Das ist ein Pauschalurteil gegenüber Landwirten ohne jeglichen Hintergrundwissen.
          Bitte kehren sie zuerst vor ihrer eigenen Haustüre!

          • george

            @cif
            Ich bleib nicht nur bei meiner Meinung, sondern das Wissen, das über den Sachverhalt zur Krankheit besteht, bestärkt mich dazu und zeigt dein Unwissen auf und auch deine Beschränkheit bzw. bewusste Verdrehung von Tatsachen. Umso schlimmer, wenn du hier auch noch hinein interpretierst, ‚jennewein‘ hätte dies allein auf die Pestizide bezogen.

          • cif

            @george, welches Wissen haben sie zum Sachverhalt? Reicht es aus zu behaupten der andere ist beschränkt umd in der eigenen Phantasie steckt die Wahrheit. Ich bin ein Freund der ökologischen Anbauweise, trotzdem steht es mir nicht zu andere Anbauweisen als krebsfördernd zu bezeichnen, dazu gibt es keine gesicherten Studien. Nun gut ich könnte die Malser Studie als Wissennschaft nehmen, wäre aber gleich glaubhaft wie ein Erich von Däniken.

        • andreas

          @george
          Sachlichkeit ist wohl nicht deine Stärke.
          Wenn jemand behauptet, dass überdurchschnittlich viele an Krebs erkrankt sind, was durchaus sein kann, sollte er es auch mit Zahlen belegen. Nach mehr habe ich ja gar nicht gefragt.

          Mals ist sowieso das Negativbeispiel schlechthin.
          1) Es geht nicht gegen Pestizide, sondern gegen die auswärtigen Landwirte.

          2) Sie haben dafür einen Bürgermeister wiedergewählt, welcher vorher der Gemeinde 100.000 Euro abgeknöpft hat.

          3) Sie lassen sie sich von einem dahergelaufenen Österreicher, welcher berühmt werden wollte und wieder abgehauen ist, instrumentalisieren.

          4) Die Anzahl der Obstanlagen sind im Gegensatz zum Etschtal oder Unterland recht überschaubar.

          5) Trotz dass sie besorgt um die Umwelt sind, fahren sie immer noch mit ihren Dieselkarren rum. Auf diese zu verzichten würde aber eine persönliche Einschränkung bedeuten, da fehlt natürlich die Konsequenz, ist doch viel einfacher, den anderen etwas zu verbieten.

          • george

            ‚andreas‘, belegst du vielleicht deine Gegenäußerungen mit Zahlen oder Fakten zu den Pestiziden? Nein, tust du nicht, sondern nur andere mit Unsachlichkeit beschuldigen. Ich selbst habe das Thema Ursache Krebs versucht auszuweiten, und du schweifst davon ab, indem du starr wiederholend auf deinen schon bereits bekannten oberflächlichen Darlegungen stehen bleibst: Engstirndenker nennt man so etwas, welche nicht weiter zu denken vermögen.

          • kurt

            @andreas
            Konsequent wäre wenn man dir deine unbedachten Äußerungen streichen würde ,denn außer über andere zu spötteln ,zu provozieren und auszuteilen fällt dir nichts ein und bildest dir noch ein über jedes Thema bescheid zu wissen !!.Dem ist aber bei weitem nicht so, außer über Alkohol und seine Auswirkungen bei anderen da bist du der untastbare Experte !!!.

          • leser

            Anderle
            Wieso verbietet man dieselautis wenn die gesamte autoabgasentwicklung der autos nur etwa7% beiträgt?
            Warum behauptest du dass der vinschgau weniger ibstanlagen hat wenn von salurn bis schluderns und natz eine einzige obstwiese ist?
            Warum gibt es solche typen wie veith in südtirol die es schaffen der öffentlichen hand geld abzuknöpfen? Und keine konsequenzen befürchten müssen?

      • meintag

        Im Film „Das Wunder von Mals“ wird erklärt wie es kommt dass Pestizide weit ab der Apfelplantagen auf den Gletschern nachgewiesen wurde/werden. Dass Wasser nach Unten fliesst ist dir auch bekannt? Und so kommt es dass auch die Obervinschger oder Schlearner das Gift mit ihrem Trinkwasser dem Körper zuführen.

      • leser

        Anderle
        Da ist kein unterschied weil die auf dem schlern die vergifteten äpfel vom unterland essen
        Du musst dich mehr in die sonne stellen damit dein köpfchen heller ist

    • meinemeinung

      @Jennewein – was ist der Malser Weg?
      hab gehört das alles ist wie es immer war ,in Mals ,nix ist geschehen außer dass Herr Veith ix mal in der Presse erschienen ist und sich selber bemitleidet hat, mit solche Aktionen wird die Pestizidbelastung nicht weniger.
      Ich versteh nicht viel von Pestizidkonzentrationen und Messungen die Fr. Linart in Ihrer Studie gemacht hat ,aber dass man heute , mit der besten Technik jeden noch so kleinen Pestizid (Abgase, Ruß; Druckertinte, Lacke usw.) Rückstand messen kann ist mir bekannt, deshalb Herr Hertoge wundert´s mich nicht dass Sie Rückstände gefunden haben. alter Hut

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