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Geraubte Identität

Foto: 123RF.com

Ein Südtiroler ist auf dreiste Betrüger reingefallen.
 Sie haben seinen Ausweis missbraucht.

von Eva Maria Gapp

„Als um 10 Uhr Vormittag mein Handy klingelte und die Stimme am anderen Ende sagte, wir sind die Polizei, wir waren bereits bei Ihnen zu Hause, kommen Sie zu uns in die Kaserne, wusste ich im ersten Moment nicht, was mit mir geschieht“, sagt Raffael*. Wie denn auch, er hatte auch nichts verbrochen. Was Raffael in dem Moment aber nicht weiß, im Internet wird monatelang seine Identität verwendet, um Geschäfte zu machen. Geschäfte bei denen Opfer betrogen werden, Verbrecher dahinterstecken, aber Raffael als vermeintlicher Täter klassifiziert wird. Doch wie konnte es soweit kommen?

Es war vor etwa zwei Monaten, als Raffael im Internet nach einem Gebrauchtwagen suchte. Es sollte diesmal ein BMW sein. Auf einem Verkaufsportal wurde er fündig. „Es war ein Auto mit vielen Extras, sogar Sportsitze waren drinnen. Ich habe mich sofort in das Auto verliebt“, sagt er. Raffael denkt nicht lange nach und schreibt dem Verkäufer.

Ein Mann aus Italien. Mehr weiß er von ihm nicht. Dennoch: „Er machte mir einen guten Ein- druck. Er antwortete mir schnell auf meine E-Mail und auch bei unseren Telefonaten war er höflich“, sagt er. Raffael dachte sich nichts dabei. Und er wollte auch unbedingt das Auto haben. So entschied er sich, eine Kopie seines Ausweises dem Verkäufer per E-Mail zu schicken, um das Auto zu reservieren. „Ich kenne das aus Deutschland. Da ist es üblich, dass man dem Verkäufer die Identitätskarte schickt, um auch zu zeigen, dass man es ernst meint“, sagt er. Zudem ist es nicht da erste Mal, dass er ein Auto über das Internet kauft. Doch nachdem er die E-Mail mit dem Ausweis verschickt, ist Funkstille. „Von da an hat sich der Verkäufer nicht mehr bei mir gemeldet. Ich dachte mir schon, dass etwas nicht stimmt. Aber, was soll schon passieren?“, dachte sich Raffael. Doch was dann geschah, zog Raffael den Boden unter den Füßen weg.

Der Verkäufer, von dem Raffael das Auto kaufen wollte, ist ein dreister Identitätsbetrüger. Das heißt: Er bietet gebrauchte Scooter, Autos und dergleichen auf Online-Marktplätzen zum Verkauf an. Nicht aber unter seinem Namen, sondern unter jenem von Raffael. Wenn sich also ein potenzieller Käufer beim Betrüger meldet, wird diesem weisgemacht, am anderen Ende der Leitung sitzt ein seriöser Südtiroler, der nur etwas verkaufen möchte. Er schlüpft so- zusagen in die Rolle von Raffael. Die dafür notwendigen Informationen – wie Alter, Wohnort, Beruf – kann er vom Ausweis ablesen. Es soll vermitteln, man sei seriös. Dass dahinter eine ausgeklügelte Taktik steckt, weiß in dem Moment niemand. „Sehr viele sind darauf reingefallen“, weiß Raffael heute, der nach wie vor unter Schock steht. Auch die Verbraucherzentrale Südtirol kennt solche Fälle: „Wir hören laufend davon, dass Südtiroler Opfer von Betrügern werden und viel Geld durch diese Anzahlungen verlieren.

Aktuell hören wir auch immer wieder, dass Studenten betrogen werden, wenn sie etwa eine Wohnung im Ausland mieten wollen. Es wird eine Kaution verlangt, wenn man diese dann aber zahlt, stellt sich oft heraus, dass es diese Wohnung gar nicht gibt oder die Betrüger nicht mehr auffindbar sind.“

Damit andere Menschen nicht auch in die Falle von Betrügern geraten, möchte sie Raffael mit seiner Geschichte warnen. Lange Zeit wusste er selbst nichts davon. Erst als er in die Kaserne gerufen wurde, ging ihm ein Licht auf: „Er hatte doch vor Monaten einen Ausweis an einen Verkäufer geschickt“, sagt er. Nun hofft er, dass die Täter ausgeforscht werden können.

*Name von der Redaktion geändert

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (2)

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  • wollpertinger

    Ich erinnere mich an eine viele Jahre zurückliegende Geschichte, als ein Südtiroler – Bruder eines damals sehr bekannten Politikers – eine Villa am Gardasee verkauft hat, die ihm gar nicht gehört hat. Es hat immer schon Schlaue gegeben und Dumme, die darauf reingefallen sind..

  • yannis

    >>>>>eine Kopie seines Ausweises dem Verkäufer per E-Mail zu schicken, um das Auto zu reservieren. „Ich kenne das aus Deutschland. Da ist es üblich, dass man dem Verkäufer die Identitätskarte schickt, um auch zu zeigen, dass man es ernst meint“,……………….

    Mein Gott, woher stammt denn dieses Märchen !

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