Du befindest dich hier: Home » Politik » „Wenn er den Krieg will…“

„Wenn er den Krieg will…“

Der Leiferer Bürgermeister Christian Bianchi lässt – in Sachen Verkehrsbelastung – mit einer heftigen Attacke gegen Bozens Bürgermeister Renzo Caramaschi aufhorchen. Weil er 2020 gegen ihn antreten will?

von Thomas Vikoler

In Südtirol werden im Jahr 2020, also in knapp eineinhalb Jahren, die Gemeinderäte neu gewählt. Der Wahlkampf hierzu scheint, jedenfalls in der Landeshauptstadt Bozen, bereits begonnen zu haben. Mit einem kuriosen Duell.

Der Leiferer Bürgermeister Christian Bianchi, der eine Mitte-Rechts-5S-Koalition anführt, ließ gestern mit einer heftigen verbalen Attacke gegen Bozens Bürgermeister Renzo Caramaschi aufhorchen. Vordergründig geht es um die Verkehrsbelastung und das ab Juli 2019 geltende Euro-3-Dieselverbot in der Landeshauptstadt. Caramaschi hatte zuletzt gefordert, dass sich auch andere Gemeinden daran beteiligen sollten. Etwa die Nachbarstadt Leifers, aus der täglich etliche tausend Pendler mit dem Auto zur Arbeit nach Bozen fahren.

„Caramaschi überschreitet jegliche Grenze, wenn er den Krieg will, kann er in haben“, schrieb Bianchi gestern auf seiner privaten Facebook-Seite. „Er geht auf die Nerven, weil Bozen von Abgasen verschmutzt wird, lässt aber 860 Busse und tausende Autos zum Weihnachtsmarkt in die Stadt fahren. Er beschwert sich über die Pendler, baut aber ein riesiges Einkaufszentrum im Zentrum. Er beschwert sich über den Verkehr, aber alle Landesämter befinden sich in der Altstadt. Er sagt, es gebe keine Verkehrslösungen, aber dann verzichtet er auf die Verlängerung der SS-12-Umfahrung, während er die Verlegung der Autobahn A22 in einen Tunnel vorantreibt, der in vielleicht 20 Jahren gebaut wird. Bisher war ich respektvoll, aber jetzt mache ich es wie Caramaschi und sage alles, was ich denke: Die Bozner und auch die Pendler haben genug. Ich auch“.

Ein Anklang an den Gelbwesten-Protest in Frankreich, der, wie Bianchis Statement insgesamt, als eine Wahlkampf-Ansage gelesen werden kann: Der Leiferer Bürgermeister, Exponent von Alessandro Urzìs Liste Alto Adige nel cuore, gilt als großer Hoffnungsträger von Mitte-Rechts. Auch für die Landeshauptstadt, in der man ebenfalls 2020 die Macht übernehmen möchte.

„Der Leiferer Bürgermeister kann sagen, was er will. Mir scheint aber, der Wahlkampf beginnt etwas früh“, antwortete Caramaschi gestern ironisch auf Bianchis Attacke. Es gilt als sicher, dass der 72-jährige Bozner Bürgermeister bei den Gemeinderatswahlen erneut antreten wird. Wie es aussieht, mit Christian Bianchi als Herausforderer.

Caramaschi sagte außerdem, dass er nichts dafür könne, wenn Umweltlandesrat Richard Theiner Bozen für sein Diesel-Fahrverbot lobe. Schließlich sei die Maßnahme von der Landesumweltagentur vorgeschlagen worden. Andere Gemeinden, wie Meran und Leifers, hätten sich eben zu keiner Einschränkung durchringen können.

Das Euro-3-Dieselverbot in Bozen tritt, wie gesagt, im Juli 2019 in Kraft, ab 2020 gilt es auch für Firmenautos. 17 Prozent der in Südtirol zugelassenen Autos sind Euro 3. Caramaschi erinnert daran, dass inzwischen aus vielen italienischen Städten Fahrzeuge der Klasse Euro 4 verbannt worden seien.

 

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
Clip to Evernote

Kommentare (4)

Lesen Sie die Nutzerbedingungen

Kommentar abgeben

Du musst dich EINLOGGEN um einen Kommentar abzugeben.

2018 ® © Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH/Srl - Alle Rechte vorbehalten. Impressum | DATENSCHUTZ & AGB | Cookie Hinweis

Nach oben scrollen