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„Alles bissl eigenartig“

EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann kann mit einem Diesel-Verbot wenig anfangen. Er kritisiert die aktuelle Debatte aufs Schärfste.

„Welches Land der Welt würde selbst eine Technologie über Bord werfen, bei der es selbst weltweit führend ist, ohne sich vorher zu überlegen, wie man bestehende Probleme technologisch lösen könnte?“ Das fragt sich EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann in Bezug auf die neuesten von Deutschland ausgehenden Diesel-Diskussionen.

Er meint: „Es gibt heute Diesel-Fahrzeuge, die gleich wenig Stickoxide ausstoßen wie ein Benziner. Dass Autobauer geschwindelt haben, ist beschämend und gehört wirklich bestraft. Dazu gehört eine seriöse Entschädigung für beschwindelte Kunden. Dass aber ein moderner Diesel deutlich weniger verbraucht als jeder Benziner, damit deutlich weniger CO2 ausstößt und dem Klima weniger schadet, und heute noch jede wirkliche und seriöse Nachhaltigkeitsbewertung gegen ein Elektroauto gewinnt, interessiert die ganzen grünen Ideologen wenig.“

Wirkliche Umweltpolitik sei, wenn man versuche, die Dinge im Zusammenhang zu sehen und dann Entscheidungen zu treffen. „Ideologie ist, sich in regelmäßigen Abständen ein Opfer zu suchen und dann einen Feldzug dagegen zu starten“, kritisiert Herbert Dorfmann.

Zum „Hype um das Elektroauto“ sagt der SVP-Politiker: „Ich frage mich schon eine ganze Weile, warum sich niemand darum kümmert, dass in Millionen Häusern in Europa mit Öl geheizt wird, wo es ein Leichtes wäre, dort auf Elektroheizungen umzustellen.“ Eine Elektroheizung brauche keine Batterien und keine Elektrotankstellen – und sei mindestens gleich effizient.

„Die Auspuffe der Autos haben moderne Abgasreinigungsanlagen, während bei Hausheizungen Ruß, Partikel, CO2 und Stickoxide ungefiltert beim Kamin hinauswandern. Irgendwie alles bissl eigenartig“, findet Dorfmann.

LESEN SIE IN DER DONNERSTAG-AUSGABE DER TAGESZEITUNG:

„Diesel-Verbote nicht ausgeschlossen“

Harald Reiterer, Koordinator der Landesinitiative „Green Mobility“, über das deutsche Diesel-Urteil, das nahende Ende der Verbrennungsmotoren, mögliche Fahrverbote in Südtirol – und über kostenlose Öffis.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (24)

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  • andreas

    Hat Dorfmann überhaupt verstanden was das Gericht da entscheiden hat?
    Es wurde entschieden, dass Fahrverbote in Städten grundsätzlich möglich sind, nicht mehr und nicht weniger.

    Die deutsche Politik und an erster Stelle der ehemalige Verkehrsminister Dobrindt, auf SPON wurde er im Titel eines Artikels als schwarze Null bezeichnet, wobei Schäuble die andere schwarze Null ist, hat sich im September beim Autogipfel von der deutschen Autoindustrie vorführen lassen, indem sie reine Softwareupdates und Prämien bei Neukauf akzeptiert haben.

    Müller, der Konzernleiter von VW, ist für Fahrverbote und dies deshalb, damit sie mehrere ihrer Karren verkaufen können.
    Hier mal ein Orginalzitat von Müller, welches an Dreistigkeit eigentlich nicht zu überbieten ist und welchem die Politik so gut wie nichts entgegengesetzt hat.

    „Wir halten es im Grunde genommen für ausgeschlossen, Hardware-Nachrüstungen vorzunehmen, einmal wegen des Aufwands, aber auch, weil die Wirkung fragwürdig ist“, dozierte Müller und fügte hinzu: „Ich möchte meine Ingenieure gerne zukunftsorientiert arbeiten lassen und nicht rückwärtsgewandt an Motoren, die zehn und 15 Jahre alt sind.“

    • meinemeinung

      @Andreas
      der unterschied ist ,daß in Deutschland das Gericht entschieden hat und bei uns ein Umweltbeamter ,das ist Südtirol sprich ITalien …….zum kotzen

      • andreas

        Nach meinem Rechtsverständnis war das Gerichtsurteil in Deutschland gar nicht notwendig, da laut EU Recht der Bürgermeister nach einer bestimmten Anzahl an Tagen, an welchen die Grenzwerte überschritten werden, gezwungen ist, Maßnahmen zu ergreifen.
        Dass z.B. im Winter alle die Ölbrenner ausschalten müssen, was wohl effizienter wäre, könnte ein Bürgermeister wohl nicht anordnen, bei einem Fahrverbot sehe und sah ich eigentlich kein rechtliches Problem, auch wenn ich es nicht als sonderlich sinnvoll ansehe.

  • kritiker

    Der eigentliche Skandal ist, dass die deutsche Autoindustrie bisher ungestraft mit Hilfe der Politik die Verbraucher belügen und betrügen durfte!

  • esmeralda

    ach Rota mein Oldtimer ist eh ein Benziner mit Katalysator

  • ostern

    Der Dorfmann als Bauernvertreter im EU-Parlament hat wohl Angst
    daß die Bauern mit ihren Traktoren nicht mehr fahren dürfen, oder???

  • guyfawkes

    Was bei dieser Diskussion leider immer zu kurz kommt:
    Es dürfte wohl selbstverständlich sein dass die Gesundheit der Bürger Vorrang haben muss. Insofern konnten die Gerichte gar nicht anders entscheiden, abgesehen davon dass – wie andreas weiter oben schon korrekt ausgeführt hat – die Bürgermeister nach geltender Rechtslage die Fahrverbote ohenhin schon längst aussprechen hätten müssen.

    Mit welchem Recht glauben eigentlich Autofahrer (nicht nur Dieselfahrer, aber diese besonders) die Atemluft eines Anreiners der unter Umständen selbst gar kein Fahrzeug hat verpesten zu dürfen?

  • tiroler

    Elektrisch heizen, wenn der Strom aus dem Kohlekraftwerk kommt? Sehr intelligent Herr Dorfmann

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