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„Für dumm verkauft“

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Nach der Abrechnung von lvh-Präsident Gert Lanz mit dem Landeshauptmann fliegen jetzt zwischen Handwerk und Industrie die Fetzen.

Wie die TAGESZEITUNG berichtete, reagierte Gert Lanz, Präsident des Handwerkerverbandes lvh, erbost auf die Entscheidung der Landesregierung, die Landesämter für Handwerk und Industrie zusammenzulegen (siehe auch http://www.tageszeitung.it/2018/01/31/uns-reichts/).

Inzwischen hat sich der Präsident des Unternehmerverbandes, Federico Giudiceandrea, zu Wort gemeldet und versucht, die Wogen zu glätten. Allerdings hat Giudiceandrea das Gegenteil erreicht. Am Freitag reagierten hohe lvh-Funktionäre – offenbar von Gert Lanz vorgeschickt – mit wütendem Unterton auf die Worte von Giudiceandrea.

Paul Niederkofler

„Wir fühlen uns geradezu für dumm verkauft durch die Aussagen von Federico Giudiceandrea. Wir sitzen im selben Boot und sollten uns für gemeinsame Interessen einsetzen? Dann beantworten Sie uns doch bitte einige Fragen, Herr Präsident“, fordern Paul Niederkofler, lvh-Bezirksobmann im Oberpustertal, und Gerhard Resch, lvh-Bezirksobmann von Bozen Land.

Die beiden holen aus:

„Wenn die Industrie schon so viel gemeinsam hat mit dem Handwerk, fragen wir uns: Warum hat sich die Industrie jahrelang gegen die Aufteilung in Lose und Gewerke bei den öffentlichen Aufträgen ausgesprochen? Warum pfeifen die großen Industriebetriebe auf die Beibehaltung der Dienstwohnung im Rahmen des neuen Urbanistikgesetzes? Warum hat die Industrie vor drei Jahren die Ausbildungsprämie für Lehrlinge blockiert und sucht nun verzweifelt nach Fachkräften, nein schlimmer noch: Sie werben sie sogar vom Handwerk ab!

Gerhard Resch

Warum hat sich die Industrie gegen die Förderbeiträge ausgesprochen? Warum wurde das Handwerk als gleichwertiger Partner in der Bauarbeiterkassa boykottiert? Warum ist es im Handwerk nicht möglich die Lehrzeit der dreijährigen Lehrberufe auf vier Jahre anzuheben während die Industrie sich Berufsschulen aussucht und dort spezifische Lehrgänge für ihren Sektor organisiert? Und Stichwort Technologiepark: Jahrelang hat das Handwerk das Projekt befürwortet, die Industrie baut sich dann ihren eigenen Technologiepark im Pustertal, um ihre Interessen und Bedürfnisse umzusetzen.

Und übrigens: Wieso kassiert die Industrie über Mitgliedsbeiträge von Landesgesellschaften indirekt öffentliche Gelder? Von Sensibilität und Nähe zum anderen Sektor kann hier ja kaum die Rede sein.“

Verschlankungen und Optimierungen, so Resch und Niederkofler, seien nur dann begrüßenswert, wenn sie mit Hausverstand und realistischen Zielen verbunden sind.

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Kommentare (7)

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  • vogelweider

    Arbeitet! Jammert und streitet nicht! Wir Konsumenten warten ja eh immer viel zu lange auf angeforderte Handwerker … besonders, wenn es sich um Reparaturen handelt.

  • jennylein

    Darum ging es Lanz ja von Anfang an… nicht das Zusammenlegen mit einem anderen Amt, sondern mit der Industrie, geht gar nicht. Jeder halbwegs Insider weiß das es hier einen jahrzehntelangen Konflikt gibt. Wie konnten Kompatscher und Stofner glauben dass das der LVH akzeptiert? Echt dilettantisch!

  • guyfawkes

    „Warum pfeifen die großen Industriebetriebe auf die Beibehaltung der Dienstwohnung im Rahmen des neuen Urbanistikgesetzes?“

    Auf obige Frage möchte ich gerne antworten.
    Die Industrie benötigt BETRIEBSGEBÄUDE im Unterschied zum Handwerk zum ARBEITEN und PRODUZIEREN.
    Die Handwerker haben andere Prioritäten: irgendeine Alibihalle und darüber eine 200m² Luxuswohnung die zur Hälfte aus Büros und anderen als betrieblich deklarierten Räumen besteht.
    Ohne die Möglichkeit zu einer Luxuswohnung zu kommen würden viele Handwerker auf den Neubau einer Betriebsimmobilie verzichten – eines der hunderte leerstehenden Magazine zu mieten oder zu kaufen würde völlig ausreichen.

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