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    Fußballschuhe mit Nägeln

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    Die Spieler des Amateurliga-Clubs Reischach sind mit nagelähnlichen Stollen aufgelaufen. Ein Spieler der gegnerischen Mannschaft erlitt eine tiefe Schnittwunde. Das Sportgericht hat nun drastische Strafen ausgesprochen.

    von Artur Oberhofer

    16. November 2016. St. Vigil. Tatort Fußballplatz.

    In der Gadertaler Gemeinde wird an jenem Donnerstagnachmittag das Spiel zwischen Mareo und Reischach ausgetragen. 2. Amateurliga, Kreis C. Der Vorletzte spielt gegen den Tabellenvierten.

    Das Resultat – Mareo gewinnt durch einen Treffer in der 83. Spielminute mit 3 zu 2 Toren – ist zweitrangig. Denn in diesem Spiel passiert Unglaubliches.

    Der Schiedsrichter aus Bozen kontrolliert vor dem Match – wie üblich – die Fußballschuhe der Spieler, also die Beschaffenheit der Stollen.

    Es gilt die Regel: Ein Spieler darf keine Ausrüstungsgegenstände tragen, die für ihn oder einen anderen Spieler eine Gefahr darstellen. Das heißt: Extrem lange (erlaubt bis 16 Millimeter) oder gar angespitzte Stollen sind untersagt.

    Dann passiert es!

    Ein Spieler der Mannschaft aus Reischach foult einen gegnerischen Kicker. Letzter erleidet – laut Schiedsrichterbericht, der der TAGESZEITUNG vorliegt – eine tiefe Schnittwunde.

    Der Schiedsrichter schöpft Verdacht. Er kontrolliert abermals die Stollen. Zuerst jene des Spielers, der das Foul verübt hat. Dann auch die Stollen der anderen Reischacher Spieler. In seinem Bericht vermerkt der Unparteiische: Die Reischacher Spieler hätten „nicht normgerechte Schuhe“ getragen. Und weiter: „Diese wiesen modifizierte Stollen mit herausragenden Metallteilen ähnlich wie Nägel auf.“

    Der Schiedsrichter unterbricht daraufhin das Match für zwölf Minuten, um es den Reischachern zu erlauben, die Schuhe bzw. die Stollen zu wechseln.

    Das Match wird zu Ende gespielt.

    Aber der Fall landet beim Sportgericht.

    Und jetzt haben die Reischacher die Quittung für die „Verletzung der grundlegenden Regeln des Fair Play“ (so die Sportgerichtsbarkeit) erhalten: Der Trainer der Reischacher, Karl Heinz Pedevilla ist vom Sportgericht bis 13. April 2017 gesperrt worden, weil er – wie es in dem Urteil heißt – „den Tausch der Fußballschuhe seitens aller Fußballer zumindest toleriert, wenn nicht angeordnet oder vorgeschlagen und somit auch das Risiko in Kauf genommen hat, dass eigene Spieler dem Gegner schwere Verletzungen zufügen könnten“.

    Der Betreuer der Reischacher, Ulrich Mayr, wurde ebenfalls bis 13. April 2017 gesperrt. Der Kapitän der Mannschaft, Othmar Bierbauer, wurde vom Sportgericht für drei Spieltage gesperrt, weil er – so heißt es im Urteil – „den Austausch der Fußballschuhe zugelassen hat“.

    Der Verein wurde formell verwarnt und mit einer Geldbuße von 500 Euro bedacht.

    Einen zuvor angekündigten Rekurs haben die Reischacher am Ende nicht eingereicht.

    Zitat

    „Der Trainer hat das Risiko in Kauf genommen, dass eigene Spieler dem Gegner schwere Verletzungen zufügen könnten.“

    Aus dem Urteil des Sportgerichtes

    LESEN SIE AM SAMSTAG IN DER PRINT-AUSGABE:

    • Ein Ex-Amateurfußball packt aus: „Das Phänomen mit den Schrauben in den Gummistollen ist nicht neu“
    • Wie die Fußballschuhe „manipuliert“ werden
    • Warum die Unsitte besonders im Pustertal verbreitet ist.

     

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    Kommentare (2)

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    • vogel

      Das sind ja sehr „drastische“ Strafen.
      Jetzt ist Winterpause und im Frühling sind diese Typen wieder dabei.

    • prof

      @vogel, sicher sind diese „Typen“ im Frühling wieder dabei, ist auch richtig,aber erst nach Verbüßung der Strafen,( welche auch angemessen sind)denn Meisterschaftsbeginn ist in der 2.Amateurliga Gruppe C am 19.März 2017 und die Strafen reichen bis 13.April.

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