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Der Bienen-Krimi

Die toten Bienen am Kalterer See

Die toten Bienen am Kalterer See

Im März dieses Jahres sind am Kalterer See 90 Bienenvölker vergiftet worden. Die Kalterer Bauern behaupten nun, der Imker habe seine Bienen verhungern lassen. Der Imker kontert mit einem explosiven Gutachten.

 

von Artur Oberhofer

Der Fall hatte Ende März dieses Jahres für Aufsehen gesorgt.

Die TAGESZEITUNG berichtete damals einem besonders krassen Fall von Bienensterben in Südtirol.

Hannes Göller aus dem Sarntal ist seit über einem Jahrzehnt Imker (Sarntal-Honig).

Der Sarner Imker hatte im November vergangenen Jahres 90 seiner Bienenvölker nach Kaltern gebracht. Als Trachtgebiet hatte er, wie schon das Jahr zuvor, das Grundstück eines Bauern unweit des Kalterer Sees gewählt. „In diesem Gebiet herrscht ein warmes Klima, es gibt viel Weide und viel Erika“, so Göller.

Also ideale Voraussetzungen, um Bienenvölker aufzubauen.

An einem Samstag Ende März hatte Hannes Göller ein Schock-Erlebnis. „Ich bemerkte einen Bienenschaden, dachte zunächst an einen Vandalenakt“, so der Sarner, der den Imkerjob seit Jahren hauptberuflich ausübt.

Erst später wurden die wahren Ausmaße des Bienensterbens klar.

Hannes Göller hatte einen „Totalschaden“ zu beklagen. Alle 90 Völker waren betroffen, Millionen Bienen waren tot. Der Ertrag für dieses Jahr war dahin.“

Der Schaden: Über 50.000 Euro.

Der Sarner Imker hat in der Folge Anzeige bei den Carabinieri erstattet. Die zuständigen Stellen beim Land haben entnommen, die nach Padua geschickt worden sind.

Die toten Bienen

Die toten Bienen

Hannes Göller war von Beginn an fest davon überzeugt, dass das Bienensterben durch Pflanzenschutzmittel verursacht worden sei.

Nur wenige Tage vor dem Bienensterben in Kaltern hatte der Südtiroler Beratungsring eine SMS-Kurzmitteilung an seine Mitglieder verschickt.

Darin hieß es:

„Teilweise wurden starke Bienenschäden verzeichnet.

Abdrift auf blühende Hecken vermeiden.

Bienengefährliche Mittel außerhalb des Bienenflugs ausbringen.

SBR.“

Nun gibt es in diesem Fall aber eine spektakuläre Wende.

Nach Informationen der TAGESZEITUNG liegen die Ergebnisse aus dem Referenzzentrum in Padua vor. Aus dem Laborbefund, den die TAGESZEITUNG einsehen konnte, geht hervor, dass an den untersuchten toten Bienen keine Pflanzenschutzmitttel-Rückstände festgestellt werden konnten.

Mit anderen Worten: Das Labor in Padua schließt einen kausalen Zusammenhang zwischen Bienensterben und Spritzmitteleinsatz aus.

In Kalterer Bauernkreisen wird nun kolportiert, der Imker aus dem Sarntal habe seine Bienen verhungern lassen. Die Bienen, so heißt es hinter vorgehaltener Hand, seien vor der Einwinterung zu wenig gefüttert worden. Der Imker habe wohl Geld sparen wollen.

Dieser These widerspricht energisch Hannes Göller: „Jo, spinn i? So ein Blödsinn!“ Er sei hauptberuflich Imker. Er wisse genau, was er zu tun habe. „Meine Bienen haben den ganzen Winter über immer über 10 Kilogramm Futterreserven, wir kontrollieren das im Wochentakt“, so Göller gegenüber der TAGESZEITUNG.

Der Fall entwickelt sich denn auch immer mehr zu einem Krimi, in dem mit harten Bandagen gekämpft wird. Es geht nicht nur um die Ehre, sondern auch darum, wer für den Schaden des Imkers aufkommen muss.

Was die Kalterer Bauern nicht wissen: Hannes Göller hat seine toten Bienen in einem privaten Labor im Ausland analysieren lassen.

Die Experten in dem deutschen Labor kommen zu ganz anderen Schlüssen als die Sachverständigen im Referenzzentrum von Padua.

Hannes Göller

Hannes Göller

Hannes Göller will zum Inhalt dieses Laborbefunds vorläufig nichts sagen („Diesen Trumpf ziehe ich zum gegeben Zeitpunkt raus“). Nach Informationen der TAGESZEITUNG wurden im deutschen Labor an den toten Bienen sehr wohl Pflanzenschutzmittel-Rückstände festgestellt, darunter zwei Substanzen, die seit Jahren nicht mehr gespritzt werden dürfen.

Es gibt noch einen brisanten Hintergrund Nachdem Hannes Göller im März dieses Jahres Anzeige erstattet hatte, haben die zuständigen Landesstellen bei zahlreichen Kalterer Bauern Proben gezogen.

Dabei kam heraus, dass ein Obstbauer tatsächlich seine Pfirsichbäume vor der Blüte mit einem Mittel gegen Läuse gespritzt hatte.

Dafür wurde ihm der Giftpass entzogen. Und er muss eine Geldstrafe von mindestens 4.000 Euro bezahlen.

Aber da im Referenzzentrum in Padua keine Spuren dieses Pflanzenschutzmittels entdeckt wurden (und der Bauer außerdem behauptet hatte, er habe seine „Pferscherbäume“ erst gespritzt, als Hannes Göllers Bienen bereits tot waren), schien es so, als wäre der betreffende Bauer aus dem Schneider.

Allerdings: Im Befund des deutschen Labors, den Hannes Göller als Trumpf im Ärmel hält, scheint genau das Läusegift auf, das der Bauer gespritzt hat.

Da die Blattproben unmittelbar nach dem Tod der Bienen genommen wurden, scheint auch die These des Bauern, er habe das Läusemittel erst nach dem Vorfall ausgebracht, widerlegt zu sein.

Der Kalterer Bienen-Krimi geht also in die nächste Runde.

 

 

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