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Vegan im Gefängnis

 

Bio gemüseEltern, die ihre Kinder vegan ernähren, müssen künftig mit Haftstrafen rechnen – so ein neuer Gesetzesentwurf der Parlamentarierin Elvira Savino.

Von Franz Ferdinand Willeit

Mit einem neuen Gesetzesentwurf macht die Parlamentarierin Elvira Savino (Forza Italia) auf sich aufmerksam.

Das Gesetz soll Kinder vor Unterernährung schützen. Von vielen Seiten als Trenderscheinung abgetan, hält die vegane Ernährungsweise langsam aber sicher auch Einzug in Südtirol, immer mehr Menschen ernähren sich vegan.

Dabei verzichten Veganer auf den Verzehr von Tieren und tierischen Produkten, sprich: auf Nahrungsmittel wie Fleisch, Fisch, Joghurt, Milch, Eier und Honig. Durch den Verzicht auf viele Produkte sind auch Nahrungsmängel und die dazugehörigen Erscheinungen vorprogrammiert. Eine ausgewogene vegane Ernährung ist zwar nicht unmöglich, aber schwierig.

Den Beweis dafür liefert ein Fall, der sich erst kürzlich in Italien zugetragen hat. Einem Elternpaar wurde das Sorgerecht gerichtlich entzogen, da ihr Kind unter starker Unterernährung litt und wegen eines Herzdefektes einer Operation unterzogen werden musste. Die Eltern ernährten sich und ihren Sohn vegan. Der Fall hat italienweit für Aufsehen gesorgt und mündete letzthin in einen umstrittenen Gesetzesentwurf vonseiten der Forza Italia.

„Um unüberlegte und gefährliche Ernährungsweisen aufzuhalten“, rechtfertigt Savino ihren Vorschlag, „sollen radikalisierte Eltern und Aufsichtspersonen bestraft werden, die Kindern eine zu eingeschränkte Ernährungsweise ohne die für eine angemessene physische und geistige Entwicklung wichtigen Elementen aufzwingen.“

Demnach müssen Eltern, die ihre Kinder unter 16 Jahren zur veganen Ernährung „zwingen“, mit einer einjährigen Gefängnisstrafe rechnen. Ist das Kind unter drei Jahre alt, steigt die Haftstrafe auf bis zu zwei Jahre an. Falls dem Kind aufgrund der Ernährung dauerhafte Schäden zugefügt werden, sind Strafen zwischen 30 Monaten und vier Jahren vorgesehen. Stirbt das Kind, werden die Eltern mit einer Gefängnisstrafe zwischen vier und sechs Jahren zur Rechenschaft gezogen.

„Ich glaube nicht, dass man durch ein einfaches Gesetz soziale Missstände beheben kann“, widerspricht Renate Gebhard, SVP-Abgeordnete im italienischen Parlament. „Vielmehr muss man an die Verantwortung der Eltern appellieren und die Sozialdienste stärken. Ich bin prinzipiell davon überzeugt, dass Eltern das Beste für ihre Kinder wollen. Dennoch gibt es Situationen, in denen Kinder vernachlässigt werden“, erklärt Gebhard, selbst Mutter eines Jungen.

Renate Gebhard

Renate Gebhard

Kritikern zufolge hat Savino nicht nur den Veganern den Kampf angesagt, sondern auch aus juridischer Sicht beunruhigende Vorschläge präsentiert: Ein radikales Gesetz für „radikale“ Eltern, da der Staat stark in die Ernährung der Bürger eingreifen würde. Weder Nahrungsmittel, die zu Übergewicht führen, noch der Konsum von Alkohol und Nikotin durch werdende Mütter sind derzeit verboten.

„Dieses Gesetz hat viele kritische Aspekte, über die man diskutieren kann und muss“, resümiert Gebhard. Demnach teilt die Juristin die Auffassung, dass das Gesetz vor allem deshalb gefährlich sei, weil die Grenze zwischen der öffentlichen und privaten Sphäre verwischt wird. „Mittlerweile liegen im Parlament aber rund 3000 Gesetzesvorschläge vor“, beruhigt Gebhard. „Dies ist sicherlich ein Entwurf, der in der Schublade bleiben wird.“

Mit der veganen Ernährung könne die Abgeordnete selbst wenig bis gar nichts anfangen: „In dieser Hinsicht bin ich aber recht tolerant. Jeder soll sich ernähren, wie er meint, dass es ihm gut tut.“

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