Du befindest dich hier: Home » Gesellschaft » Würmer im Fisch

    Würmer im Fisch

    monkfishZwei Fischhändler stehen vor Gericht, weil sie im Jahre 2012 in einem Bozner Supermarkt Seeteufel „im entstellten Zustand“ angeboten haben. In dem Fisch waren Fadenwürmer.

    Von Thomas Vikoler

    Fischhändler sind um ihren guten Ruf bemüht, deshalb haben sich R.T. und Chioggia bei Venedig, und P.P. aus Trient, gegen das Strafdekret der Staatsanwaltschaft Bozen gestellt. Also verteidigen sie sich in einem Prozess am Landesgericht Bozen vom nicht unerheblichem Vorwurf, verdorbenen Fisch an einen Supermarkt in Bozen geliefert bzw. dort verkauft zu haben.

    Dort kaufte eine Bozner Hausfrau am 3. November 2012 ein.

    Sie wollte für ihre Familie ein Fischmenü hinzaubern. Daraus wurde freilich nichts.

    Beim Öffnen des in Zellophan verpackten Seeteufels machte sie eine gruslige Entdeckung: In dem soeben gekauften Fisch befanden sich kleine runde Würmer.

    Sie kehrte zur Supermarkt-Filiale zurück, die Inspektoren des Sanitätsbetriebs wurden herbeigerufen und stellten eine eindeutige Diagnose:

    In dem Fisch befanden sich Fadenwürmer (Anisakis simplex), eine gesundheitsschädigende Parasiten-Art, die im rohen Fisch vorkommt. Sie kann die Krankheit Anisakiasis auslösen, eine Infektion, die zu heftigen Bauchschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Durchfall und Erbrechen führen kann. Auch chronische Magenschmerzen sind die Folge.

    Diese Symptome blieben der Bozner Hausfrau durch die Entdeckung der Fadenwürmer im gekauften Seeteufel erspart.

    Die Fischhändler müssen sich hingegen am Landesgericht wegen eines Verstoßes gegen das Lebensmittelgesetz aus dem Jahre 1962 verantworten. Sie hätten Lebensmittel „im entstellten Zustand“ geliefert bzw. angeboten, wie es in der Anklageschrift heißt.

    Am Dienstag wurde im Hauptverfahren in Bozen ein Angestellter des Supermarktes angehört, der für die Lebensmittelkontrolle zuständig ist. Er erklärte, dass stichprobenartige Kontrollen beim Fisch die Regel seien – und dass die Fadenwürmer, wenn sie zusammen mit dem Fisch gekocht oder gebraten werden, nicht schädlich sind.

    Die Staatsanwaltschaft geht allerdings davon aus, dass Lieferanten und Verkäufer die Unverdorbenheit jeglicher Ware kontrollieren bzw. sicherstellen müssen.

    Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
    Clip to Evernote

    Kommentare (7)

    Lesen Sie die Nutzerbedingungen

    • andreas

      Vor Kurzem war ein Vergleich der Discounter in Deutschland und auch dort wurden tote Fadenwürmer im Lachs von Aldi und Penny gefunden.
      Es wurde zwar kritisiert und ein Lebensmitteltechniker meinte, dass sie gesundheitlich unbedenklich sind, rechtliche Folgen scheint es aber keine zu haben.
      Es wurde so dargestellt, dass das nicht so schlimm ist und man sie sowieso nicht sieht, da sie meistens klein sind.

      Man kann Italien viel vorhalten, doch die Vorschriften für Lebensmittel oder Kosmetika sind um einiges strenger bzw. verbraucherfreundlicher als in Deutschland.

      Lachshttp://www.huffingtonpost.de/2016/01/20/alle-gegen-aldi_n_9025612.html

      • markp.

        Es helfen die strengsten Gesetze nichts, wenn niemand kontrolliert. Meinst du, wenn die Frau sich nicht gemeldet hätte, wüßte nun jemand von dem Fall? Und wieviel Jahre sind nun seit dem Vorfall vergangen? 3 Jahre und in der Zwischenzeit haben die Fischverkäufer Däumchen gedreht, oder???

        • susi

          Fische im Handel müssen nur stichprobenartig auf Nematoden untersucht werden. Deshalb kann es bei frischem, nicht gefroren Fisch eben auch mal vorkommen, daß ein solcher Fisch noch Fadenwürmer hat.

          Das weiß doch jede Hausfrau, dass man frischen Fisch entsprechend verarbeiten muß, also ordentlich auf 70° Kerntemperatur durchgaren oder auf mindestens 20° durchgefrieren. Nur dadurch werden eventuell noch vorhandene Nematoden abgetötet.

        • andreas

          @markp.
          Einen Tod muss man sterben, wird viel kontrolliert, ist es Schikane, wird wenig kontrolliert, ist es auch nicht recht.
          Dass nicht jedes Deiner Schnitzel kontrolliert werden kann, sollte klar sein, doch konsequentes Vorgehen, wie in diesem Fall, sollte doch eine Abschreckung für Lebensmittelhändler sein.

          Wenn genauer kontrolliert würde, könnte man wahrscheinlich auch die Äpfel, welche neben der Mebo wachsen, zum Sondermüll bringen oder den Honig der Südtiroler Imker, deren Bienen in den Apfelplantagen rumfliegen.

          • markp.

            @Andreas
            Bist mal wieder der Frage ausgewichen, um auf eine andere Straße entlang zu fahren.

            Nochmals: was hilft es in Italien strengere Gesetze zu haben (und ist demnach soviel besser als in Deutschland), wenn es doch niemand kontrolliert?? Bei dieser Frage interessiert es mich dann nicht vordergründig, ob und wie schwer es ist die Kontrollen durchzuführen. Da interessiert es mich, warum du Italien besser darstellst, weil sie anscheinend bessere Gesetze haben. Aber es dann doch nutzlos ist, bessere Gesetze zu haben, wenn eh niemand kontrolliert.

            Und gleich eine Frage noch hinterher: warum bist du dir SO sicher, daß denen in Deutschland nichts passiert, aber den unseren Straftätern sehr wohl??

            Und weil wir gerade dabei sind: vielleicht hat unterm Strich der deutsche Lebensmittelkontrolleur doch recht und die Fadenwürmer sind gekochter wirklich harmlos?

            Weisst du die Antwort??

            • roadrunner

              Ich stelle mir gerade die Frage: ist dem wirklich so, dass nicht oder weniger kontrolliert wird als im Ausland?
              Ich kenne von einem guten Freund, welcher Schädlingsbekämpfer ist, dass in der Lebensmittel- verarbeitungsindustrie sehr wohl und sehr genau kontrolliert wird. Ob dies bei Lebensmittelgeschäfte auch so ist, weiß ich nicht.

    • susi

      Einen Fisch als „verdorben“ zu bezeichnen, weil darin Fadenwürmer gefunden werden, ist nicht passend.

      Das Vorkommen von Nematoden (Fadenwürmern) in frischen Fischen ist etwas völlig Natürliches. Fische nehmen die 1,5 bis 3 cm langen Nematoden über die Nahrung auf. Zum Abtöten der Nematoden reicht bei der Zubereitung zuhause eine Erhitzung des Fischfleischs von mindestens 70 Grad oder das Tiefgefrieren auf -20 Grad im Kern.
      Bei komplett durchgegarten oder einmal tiefgefrorenen Fischprodukten ist eine gesundheitliche Gefahr durch Nematoden für den Menschen so gut wie ausgeschlossen.

      Fisch, der im Handel gekauft wird muß in jeder Verarbeitungsstufe gründlich auf Nematoden überprüft werden. Dazu werden die Filets auf Leuchttischen stichprobenartig untersucht. Dabei wird sofort erkannt, wenn ein Filet von Nematoden befallen ist.

    Kommentar abgeben

    Du musst dich EINLOGGEN um einen Kommentar abzugeben.

    2013 ® © Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH/Srl - Alle Rechte vorbehalten. Impressum | AGB | Cookie Hinweis

    Nach oben scrollen